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Köllners Club-Plan: So soll der Neuaufbau laufen

Der Nürnberger Übungsleiter will auch ältere Spieler mitnehmen - 07.04.2017 05:45 Uhr

Michael Köllner kommt aus dem Nachwuchsbereich und hat schon mit etlichen Jugendspieler zusammen gearbeitet. Nun setzt er sich auch mit der älteren Generation auseinander. © Sportfoto Zink


Er erzählt gerne einen Schwank aus dem Trainingsalltag oder seinem Leben. Geselligkeit ist, was ihn ausmacht - das andere ist die Akribie, die er in seine Aufgaben steckt: Köllner will jeden seiner Profis umfassend kennenlernen. "Jeder Spieler interpretiert Dinge für sich anders", sagt Köllner, "jeder bringt sein Naturell, sein Wesen in die Rolle ein, die er spielen soll", und Einfluss hat das natürlich immer auf die gesamte Mannschaft. Deshalb, sagt Köllner, sei eine theoretische Idealvorstellung "nicht denkbar", wohl aber "Spielprinzipien", die der Trainer weiterentwickeln will.

"Die Alten nicht vergessen"

Seine Botschaft jeden Einzelnen auf dem neuen Weg des Clubs mitzunehmen, nimmt er vor dem Hintergrund seiner früheren Arbeitsstellen im Verein besonders ernst. Dennoch weiß er, dass dies nicht Allen leicht fällt: "Ältere Spieler", findet Köllner, hätten dabei "einen strategischen Nachteil", weil es "ein harter Prozess" sein könne, "die Festplatte neu zu beschreiben". Michael Köllner hat bisher überwiegend mit jungen Fußballspielern gearbeitet - als Ausbilder beim Deutschen Fußball-Bund, später in Fürth, wo er einen bewunderten B-Jugend-Jahrgang formte, zuletzt als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und Trainer der U21 des 1.FC Nürnberg.

Seit er die Nürnberger Profis trainiert, ist für den Nachwuchs die Tür zur ersten Mannschaft noch weiter offen als zuvor, wobei Jugend allein natürlich noch kein Argument ist. Raphael Schäfer zum Beispiel, 38 Jahre alt, "könnte ja mein jüngerer Bruder sein", sagt Köllner, 47, über den reaktivierten Torwart - trotzdem sei die Nummer eins noch immer ein Musterbeispiel an Lernbereitschaft. "Man darf die Alten nicht vergessen", das will Köllner ausdrücklich loswerden, wenn es um die nähere Zukunft des 1.FC Nürnberg geht.

Köllner will eine Mannschaft die mitdenkt

Dass die unter misslichen finanziellen Bedingungen stattfinden muss, war schon Alois Schwartz bekannt, anders als sein beurlaubter Vorgänger aber versucht Köllner, das nicht als Kampf gegen eine ausgewachsene Python zu empfinden - er spricht lieber über das, was der Club noch hat. Immerhin: Bei beiden 0:1-Auswärtsniederlagen gegen die Spitzenteams Union Berlin und Hannover 96 ließ sich jetzt erahnen, wie man individuelle Klassenunterschiede als Team kompensieren kann; Köllner verlangt seinen Spielern dafür eine beträchtliche systematische Flexibilität ab - theoretisch wie praktisch, seine Frage an die Mannschaft, in welchem System man wohl am besten gegen Hannover bestehen könne, konnte zum Beispiel Kevin Möhwald richtig beantworten.

Das neue 4-3-2-1-System eignete sich das Team in nur zwei Übungseinheiten an. "Es ist wichtig", sagt Köllner, "dass die Spieler mitdenken, dass sie verstehen, warum wir etwas machen“. Nürnberg hielt auch bei 96 phasenweise gut mit - allerdings nur bis dahin, wo Spiele dann entschieden werden, an Angriffswucht fehlt es auffällig. Das räumt Köllner ein und verspricht Besserung – wenn auch keine schnelle. Am Freitag spielt der FC St. Pauli (18.30 Uhr, im Live-Ticker auf nordbayern.de) im Frankenstadion vor, Nürnbergs Trainer hielte es für "ein Wunder", ginge alles im Eiltempo nach vorn. "Ein Torfestival erwarten wir nicht", sagt er sicherheitshalber, wünscht sich aber trotzdem einen regeren Zuschauerzuspruch als zuletzt, weil er schon der Meinung ist, etwas vorzeigen zu können.

Nürnberg peilt den dritten Heimsieg in Folge an

Und weil er den Anhang dezidiert bittet, Lust auf Fußball mitzuleben, "auch das Umfeld trägt dazu bei, dass sich unsere Spieler hier wohlfühlen". Umgekehrt gilt das Versprechen, dass "wir uns nach und nach vorantasten", so formuliert Köllner den Anspruch, es gelte, „über eine strukturierte Defensive“ den "Feinschliff im Spiel aufs Tor" zu erwerben. Zwar kein Wunder, aber in dieser Saison ein Novum wären drei Heimsiege hintereinander; nach Erfolgen über die Abstiegskandidaten Bielefeld (1:0) und Karlsruhe (2:1) braucht es dafür noch drei Punkte heute gegen die Abstiegskämpfer vom Millerntor, die gerade ebenfalls gezeigt haben, was in dieser zweiten Liga möglich ist.

Nach 18 Spieltagen noch auf dem letzten Rang notiert, schaffte Ewald Lienens FC St. Pauli mit einem Auswärtssieg beim damaligen Spitzenreiter Braunschweig den Umschwung und holte seither 15 Punkte aus neun Spielen, fünf mehr als Nürnberg im selben Zeitraum. Aber zurück soll der Blick nicht gehen im Club; gerät man nicht doch noch in den Abstiegskampf, soll der Rest der alten Saison auch schon Perspektiven für die kommende Spielzeit aufzeigen.

"Große Nummer" in der Region

Tragen seine Ideen, wird der Trainer dann weiterhin Michael Köllner heißen. Dass es ihn reizen würde, kann man sich zumindest vorstellen, darüber nachgedacht hat er angeblich noch nicht. "Der Club ist schon eine große Nummer in der Region", sagt Köllner bloß, und ein Nürnberger Trainer muss deshalb viele Kunstfertigkeiten beherrschen. Eine davon könnte sein, jeden auf dem neuen Weg mitzunehmen 

Hans Böller

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