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LAC Quelle lebt

Fürther Leichtathletik-Club muss aber eisern sparen - 13.12.2010 23:03 Uhr

Sprinter wie Christian Blum (vorne) kann sich der LAC Quelle Fürth nicht mehr leisten. Die Halle am Finkenschlag aber vorerst schon noch, auch wenn sie gleichermaßen Aushängeschild wie finanzieller Klotz am Bein ist.

Sprinter wie Christian Blum (vorne) kann sich der LAC Quelle Fürth nicht mehr leisten. Die Halle am Finkenschlag aber vorerst schon noch, auch wenn sie gleichermaßen Aushängeschild wie finanzieller Klotz am Bein ist. © Günter B. Kögler


Es kommt nicht mehr oft vor, dass ein Leichtathlet oder eine Leichtathletin des LAC Quelle Fürth im Zusammenhang mit einem internationalen Ereignis von einer Nachrichtenagentur erwähnt wird. Die Zeiten, in denen der Verein Geld für Stars wie Florian Schwarthoff oder Tim Lobinger hatte, sind längst vorbei, denn schon vor der Insolvenz des Hauptsponsors waren die Zuwendungen gewaltig eingedampft worden. Und so wird noch nicht einmal innerhalb der Leichtathletikszene für große Beachtung sorgen, was der Sportinformationsdienst am Sonntagabend meldete: Eine Jannika John gewann zusammen mit vier anderen jungen Läuferinnen bei der Cross-Europameisterschaft in Albufeira/Portugal die Silbermedaille mit dem deutschen U20-Team.

Trotzdem: Für den LAC-Vorsitzenden Werner Kaminski sind solche Ergebnisse Gold wert, zeigen sie doch, dass „die Quelle“, wie der Leichtathletik-Club meist genannt wird, noch lebt. Das Jahr eins nach dem Quelle-Schock war allerdings ein ziemlich verändertes Leben. Keines mehr mit sicheren jährlichen Zuwendungen; keines mehr, in dem Sprintstars wie Verena Sailer Titel gewinnen; keines mehr, in dem man einfach den Handwerker holt, wenn in der Halle am Finkenschlag irgendwas kaputtgegangen ist. „Aber“, sagt Kaminski nicht ohne Stolz, „wir sind wieder ein Verein mit einem echten Vereinsleben.“ Und er erzählt von den vielen Schülern und Jugendlichen, die beim LAC in der Halle oder am Dambacher Sportplatz trainieren, von einer Weihnachtsfeier, die die Mitglieder in Eigenregie organisiert haben. „Früher“, sagt der 59-Jährige, „ist man ins noble Hotel Forsthaus gegangen. Aber das war für die Stars, die Funktionäre und die Medien, nicht für die Mitglieder.“

Frisches Gelb-blau

Kaminski hatte im vergangenen Jahr beim 40-jährigen Jubiläum offen die finanzielle Situation des Vereins geschildert. Man habe rund 250000 Euro Rücklagen und brauche pro Jahr für den Betrieb der Halle am Finkenschlag zwischen 70000 und 100000 Euro. Da konnte man leicht ausrechnen, wie lange der LAC mit dem Hallenklotz am Bein überleben würde. Die Rahmenbedingungen haben sich seitdem nicht groß geändert, aber trotzdem hat Kaminski kürzlich den Erbbauvertrag mit der Stadt Fürth – der Kommune gehört der Grund, auf dem das Gebäude steht – um 20 Jahre verlängert. Mit einer Firma für Solarenergie wurde ein 15-Jahresvertrag abgeschlossen und das Hallendach mit Solarzellen bestückt.

Auch in dem Zweckbau sieht es nicht so aus, als würden demnächst die Lichter ausgehen. Die Farbe – natürlich das typische gelb-blau – ist frisch, alles wirkt gepflegt, und einige Werbeplakate sind auch zu sehen. Zusammen mit dem Unternehmen N-Ergie wurde eine neue Heizanlage installiert, und dass die Weltfirma adidas dem LAC als Ausrüster treu geblieben ist, kann Kaminski gar nicht genug loben. „Natürlich“, sagt er, „müssen wir eisern sparen, uns nach der Decke strecken. Aber durch viele Einzelschritte ist es uns gelungen, die Betriebskosten der Halle fast über Vermietungen und andere Einnahmen zu decken.“ Und so kann der Vorsitzende auch nicht nachvollziehen, warum LAC-Mitglieder hinter vorgehaltener Hand behaupten, der Verein bewege sich finanziell auf den Abgrund zu. „Ich komme ja aus dem Wirtschaftssektor. Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein Geld ausgebe, das ich nicht habe“, sagt Kaminski.

So lange es vertretbar ist, will man sich auch die nur noch zwölfköpfige Gruppe der Vertragsathleten leisten. „Wir brauchen ja Vorbilder“, sagt der Vorsitzende. Und es sei wirklich nicht viel mehr als eine Aufwandsentschädigung, die man Aktiven wie der Mittelstrecklerin Anne Kesselring – immerhin deutsche Vize-Meisterin über 1500 Meter – oder der Diskuswerferin Ulrike Giesa zahle. Und wer weiß: Vielleicht schafft auch ein René Bauschinger noch einmal den Sprung in die deutsche 800-Meter-Elite. Denn bis die vielen Nachwuchsathleten so weit sind, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Aber Kaminski hat Geduld. Als Hobby-Marathonläufer weiß er: Es geht immer weiter. 

VON THOMAS SCHARRER

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