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Let's go, FCN! Füllkrug, Leipzig und das Fünfer-Läuten

Ein Rückblick auf Club-Partien gegen RB und Heckings VfB - 04.10.2018 15:56 Uhr

Dingdingdong! Im März 2016 zerschellten die Leipziger an Niclas Füllkrug und Nürnbergs Heimstärke. © Sportfoto Zink / DaMa


In der Bundesliga treffen die Rot-Schwarzen und die Roten Bullen an diesem Sonntag (18 Uhr, Live-Ticker auf nordbayern.de) zum ersten Mal in Deutschlands Eliteklasse aufeinander. Nachdem sich die so unterschiedlichen Vereine 2016 letztmals begegnet waren, ging‘s für Leipzig nach oben. Der FCN verharrte noch ein bisschen im Unterhaus, obwohl er den Rasenballern in der damaligen Saison gleich zweimal das Nachsehen gegeben hatte und in der Relegation gegen Frankfurt später selbst ans Tor zur Erstklassigkeit klopfen sollte.

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An den 20. März 2016 erinnert man sich nur allzu gerne in der Noris. Vor knapp 41.000 Zuschauern auf Nürnbergs Lieblingsspielplatz besiegte der Club die als Spitzenreiter angereisten Sachsen völlig verdient mit 3:1 und schickte die absolute Mehrzahl der Fans damit euphorisiert nach Hause.

Der von René Weiler in die Spur gesetzte Club ließ sich in seiner geradlinigen und couragierten Spielweise dabei nicht durch die von Davie Selke bewerkstelligte Gästeführung verunsichern. Ondrej Petrak glich aus dem Gewühl heraus nach knapp 70 Minuten aus. Ein paar Zeigerumdrehungen später hatte der Celebrations-Club das Spiel gedreht. Niklas Füllkrug bugiserte den Ball nach Burgstallers Vorarbeit zur FCN-Führung in die Maschen. Die Stimmung im Stadionachteck war gut, sehr gut sogar und wurde noch besser, als Guido Burgstaller nach einigen vergebenen Möglichkeiten in der Nachspielzeit mit dem Außenrist das letzte Ausrufezeichen des Altmeisters setzte.

Dosen in der Heimfestung

Der fünfte Sieg in Serie für den Comeback-Club korrelierte mit der 17. ungeschlagenen Partie für Nürnbergs Premium-Fußballer, die in ihrer Heimfestung letztmals im März 2015 verloren hatten, nach einem Jahr also fast keine Ahnung mehr hatten, wie sich so eine Niederlage in ihrer Trutzburg denn anfühlt.

Auch auswärts, im Oktober 2015, hätte der FCN das Kräftemessen mit den Messestädtern nicht verlieren müssen. Und das, obwohl bereits nach einer Viertelstunde alles auf einen hohen Sieg der Hausherren hindeutete. Mit nur noch zehn Mann lag der Club hoffnungslos im Hintertreffen: Kapitän Dominik Kaiser hatte die Roten Bullen, nachdem Georg Margreitter im Strafraum die Notbremse gezogen hatte, vom Punkt in Front gebracht. Selke, vom Österreicher zuvor gefoult und im Hauptberuf Stürmer, wollte Spielführer und Schwaben-Kumpel Kaiser natürlich nicht nachstehen. Der Schorndorfer schnürte einen Doppelpack, stellte gegen dezimierte und desorientierte Nürnberger damit schnell auf 3:0.

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Doch in der zweiten Hälfte schlug der Club - bis dahin nur Spielball angriffslustiger Rasenballer – zurück! Nachdem Dave Bultuis eine Freistoßflanke von Kevin Möhwald zum 1:3 und Niclas Füllkrug eine nahezu identische Vorlage des Nürnberger Standardspezialisten zum Anschlusstreffer genutzt hatte, bekam der sorglos schippernde Taurin-Tanker erheblich Schlagseite. Leipzig wackelte, Leipzig wankte. Füllkrug und Behrens verpassten den Ausgleich. Der bereits mehrfach genannte Füllkrug erzielte diesen in der Nachspielzeit, stand zuvor aber im Abseits. Wäre dies nicht der Fall gewesen, wäre ein in der Schlussphase fabelhaft aufbegehrender FCN für seine Comeback-Qualitäten sogar noch mit einem Punkt belohnt worden.

Der geht rein! Dave Bulthuis machte in der Messestadt die erste Club-Bude. © Sportfoto Zink / DaMa


Der Club hatte also im Oktober 2015 große Moral gezeigt. Ärgerlicher war im Vergleich da schon die Niederlage aus der Vorsaison. Am Ostersonntag des selben Jahres war der FCN mit dem festen Vorsatz im Leipziger WM-Stadion angetreten, seit vier Spielen sieglosen Sachsen ein paar Eier ins Netz zu legen. Und der Osterausflug ins Rote-Bullen-Land begann vielversprechend. Guido Burgstaller und seine Mitstreiter nahmen das RB-Gehäuse für stürmische Nürnberger früh unter Beschuss. Nach einer halben Stunde belohnte der Kärtner Chefkanonier die vehementen Angriffsanstrengungen der Gäste mit der Führung. Erst in der zweiten Hälfte begegnete Leipzig dem Club auf Augenhöhe. Dass es am Ende 2:1 für glückliche Sachsen hieß, hatten diese dem frühen Ausgleich nach Wiederbeginn und Dominik Kaiser zu verdanken, der im Gegensatz zu Sebastian Kerk nicht den Pfosten, sondern in der 76. Minute ins Tor traf.

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Dass Auseinandersetzungen mit den vom Brause-Imperium Red Bull generös unterstützten Berufsfußballern Spaß machen können, wusste der FCN allerdings schon davor. Auch den ersten von bisher vier Direktvergleichen im Pflichtspielbetrieb entschied der Club für sich. Valerien Ismael war im Oktober 2014 noch Nürnberger Trainer. Und hochzufrieden damit, wie sein Team die auf schnelles, vertikales Spiel ausgerichtete Vorgehensweise der Leipziger adaptierte, mit enormer Kampfkraft dagegenhielt und die Partie eine Viertelstunde vor Schluss durch eine Hochgeschwindigkeitskombination und Alessandro Schöpf für sich entschied.

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Wie schön sich Siege gegen Leipzig anfühlen können, war dem geneigten Clubfan schon vorher bekannt gewesen. Im Gegensatz zu den bei vielen Fußball-Traditionalisten ungeliebten Roten Bullen, reiste der VfB Leipzig - 1903 Deutschlands erster Meister - im Oktober 1993 mit viel Geschichte in die Noris. Und verließ sie nach einer krachenden 0:5-Klatsche und einem Abend, der aus Nürnberger Sicht gewöhnlich begonnen hatte und außergewöhnlich enden sollte.

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André Golke, der in seiner Karriere danach kaum mehr als Kopfballungeheuer in Erscheinung treten sollte, eröffnete das fränkische Fußballfest, indem er das Spielgerät nach einer Sutter-Ecke ins Tor wuchtete. Den möglichen Ausgleich verhinderte Andi Köpke. Dieser parierte Mitte der ersten Hälfte einen Foulelfmeter von Dirk Anders, der vor dem Duell mit dem Club-Keeper zwei Jahre lang jeden Strafstoß verwandelt hatte.

Man nannte ihn "Zaubermaus"

Nürnbergs Traumtorwart war es auch, der seine Vorderleute mit weiteren Glanztaten animierte, noch vor dem Kabinengang nachzulegen. Sergio Zarate markierte nach Vorarbeit von Christian Wück den zweiten Club-Treffer. Nur drei Minuten später revanchierte sich die agile Zaubermaus bei ihrem Sturmpartner – 3:0! Nürnbergs Angriffsmaschine war heißgelaufen.

Ausnahmsweise mit Köpfchen: André Golke traf im Oktober 1993 gegen den VfB Leipzig zum 1:0. © Stefan Hippel


Sie sollte auch in der Pause nicht abkühlen. Mit famoser Spielfreude begeisterte der von Willi Entenmann trainierte FCN weiterhin die Zuschauer. Alain Sutter durfte sich bei Langhaar-Kollege Zarate bedanken, der dem Blonden Engel aus der Schweiz das erste Erfolgserlebnis im Club-Trikot ermöglichte.

Und dann ist der Trainer weg!

Die letzte Glocke beim Fünfer-Läuten gegen die Leipziger um Abwehrmann Dieter Hecking (!) war Lubos Kubik vorbehalten. Der Club-Libero gab dem bemitleidenswerten Maik Kischko im Tor der Gäste per Aufsetzer ein weiteres Mal das Nachsehen. Eine Viertelstunde später war der höchste Bundesliga-Heimsieg des FCN seit 13 Jahren amtlich - passenderweise am 13. Spieltag. Glückliche Menschen umarmten sich im Frankenstadion. Der Abstieg, der den FCN am letzten Spieltag in Dortmund ereilen sollte, war weit weg. Ebenso wie bald darauf Willi Entenmann. Obwohl der Club-Coach auch beim nächsten Heimspiel gegen die Bayern (2:0) seine Hausaufgaben exzellent erledigte, wurde er unmittelbar nach dem Coup gegen den Erzrivalen gefeuert. 

apö

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