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Luftkampf in Berlin: Jetzt redet Kleeblatt-Profi Wittek

Fürther kritisiert nach seiner Augen-Verletzung die Schiedsrichter - 18.11.2018 15:32 Uhr

Vom Platz in die Klinik und bald wieder zurück: Maximilian Wittek bedankt sich für die vielen Genesungswünsche. © Foto: OBS


Wichtigste Frage am Anfang – wie geht es Ihnen?

Maximilian Wittek: Den Umständen entsprechend würde ich sagen. Ich hab’ keine Kopfschmerzen mehr. Nur die Wunde und der Knochen tun noch weh. Das wird auch eine Weile dauern, bis es verheilt ist.

Welchen zeitlichen Rahmen haben die Ärzte veranschlagt?

Wittek: Genau kann man es nicht sagen. Am Montag sollen die Fäden raus, und dann muss man den Heilungsprozess beobachten. Durch den Muskelabriss im Auge ist keine genaue Prognose möglich.

Die Sehfähigkeit ist nicht eingeschränkt?

Wittek: Nein, ich hab’ keine Einschränkungen beim Sehen. Nur den Muskel kann ich nicht ansteuern,wenn ich das Auge zukneife.

War es in Ihrem Sinn, dass sich der Verein klar positioniert hat nach der Aktion, die zur Verletzung geführt hat?

Wittek: Dass man da kein Foul pfeift, ist für mich Wahnsinn. Der vierte Offizielle war nur drei Meter weg. Es hieß: klar Ball gespielt, und ich liege blutüberströmt am Boden. Ich finde auch, dass man Spieler mehr schützen sollte und sich als Schiedsrichter nicht hinstellen und sagen: Da kann ich jetzt auch nichts machen.

Dabei ist das Regelwerk diesbezüglich doch eindeutig...

Wittek: Ich unterstelle keinem Schiedsrichter irgendwas. Aber bei Platzwundensituationen und Ellbogen müssen sie härter durchgreifen. Für mich sind das zu 90 Prozent Rote Karten. Bei normaler Ausführung muss keiner den Ellbogen auf Kopfhöhe haben.

Günther und Franz

Haben Sie auf dem Platz gleich gewusst, dass mehr kaputt ist?

Wittek: Ich lag am Boden und hab’ gemerkt wie beim Nasenbluten: Hier läuft irgendwas und hab’ dann gleich das Blut gesehen. Zum Doc habe ich gesagt: mach’s zu, ich spiel’ weiter. Aber er hat gleich gesagt, dass ich ausgewechselt werden muss. Die Wunde war doch zu tief. Im Unfallklinikum musste der Muskel erst geflickt werden und wurde dann mit zehn bis fünfzehn Stiche zugemacht. Ein paar kleine Spritzen gab es zur Betäubung.

Und einen Krieger entstellt nichts . . .

Wittek (lacht): Ist ja eine Lappalie.

Vielleicht für Sie, aber weniger für die Mannschaft. Ihr Ausfall wird nicht zur Stabilisierung beitragen. Sehen Sie die Gefahr eines Abwärtsstrudels?

Wittek: Klar waren die letzten Spiele nicht erfolgreich, aber das Spiel in Berlin ist kein Maßstab. Meine Verletzung, ein Abseitstor, beim zweiten Treffer ist Keita mit einer Platzwunde draußen, die Polizei marschiert im Fanblock ein – das sind alles Ereignisse, die Einfluss auf die Psyche nehmen. Aber es stimmt: Wir haben zuletzt zu viele Gegentore bekommen. Wir müssen wieder da hinkommen, hinten stabiler zu stehen und unsere Umschaltmomente zu nutzen. Meine Verletzung hat darauf keinen Einfluss, das kann die Mannschaft kompensieren. Wir haben gute Jungs im Kader.

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Denkt die Mannschaft womöglich insgesamt zu offensiv? Ein wenig zu viel Hurra-Fußball?

Wittek: Das glaube ich nicht. Unser Grundgedanke ist es, defensiv gut zu stehen. Aber wie in Berlin haben wir zuletzt zu viele individuelle Fehler gemacht, die unsere Gegner eiskalt bestraft haben. Wir müssen in unseren Aktionen wieder sauberer und konzentrierter sein, dann kommen wir wieder in die Spur zurück.

Bei 20 Punkten nach elf Spielen schien alles im Lot. Auch wir fabulierten vom neuen Fürther Fußball. War nicht alles zu rosarot?

Wittek: Wir wissen als Mannschaft und Verein, wo wir stehen. Natürlich ist es schön, so gestartet zu sein nach dem letzten turbulenten Jahr. Aber wir haben immer konzentriert an uns gearbeitet. Da hatte und hat keiner Höhenflüge.

Besteht ja auch kein Anlass dazu...

Wittek: Wir wissen, dass alles knapp und eng ist in der Liga. Die Spiele sind genauso schwer wie im Vorjahr, wir haben nur eine bessere Ausgangsposition. Jetzt müssen wir nicht jagen, wir sind die von der Mehrheit Gejagten und wollen noch viele Punkte bis zum Winter sammeln. Es geht um eine gute Ausgangsbasis, um nicht wie letztes Jahr rechnen zu müssen: Wie viele Punkte brauchst du, um sicher drin zu bleiben? Ziel muss es sein, Ruhe reinzukriegen, so dass wir uns alle entwickeln können.

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Gefühlt sind es gerade 20 Punkte gegen den Abstieg ...

Wittek (überlegt): Schwer zu sagen. Ich denke noch gar nicht in Kategorien wie oben und unten. Es geht wirklich nur Spiel für Spiel und darum, Punkte zu holen. Am Ende wird man sehen, in welche Richtung es geht.

Gibt es keine Punktevorgabe bis zur Winterpause?

Wittek: Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen. Jetzt steht erst das Spiel gegen Magdeburg an, das wird schwer genug. Dann geht es nach Köln, wo eh’ jeder weiß, dass es nicht einfach wird. Aber wir müssen uns vor niemandem verstecken. Wir nehmen so viele Punkte mit wie möglich. Je mehr, desto besser.

Sie haben ja gerade Zeit zu reflektieren, womöglich auch über die Zukunft nachzudenken. Auch über eine Vertragsverlängerung in Fürth?

Wittek: Klar ist man immer im Austausch, aber es ist noch genügend Zeit. Vielleicht setzen wir uns im Winter zusammen und besprechen das mal.

Beim Kleeblatt soll ja wieder etwas aufgebaut werden, heißt es. Da wären Sie sicher ein fester Bestandteil. Vorstellbar?

Wittek: Grundsätzlich schon. Seitdem ich aber Profi bin, habe ich immer das Ziel Bundesliga gehabt. Das hab’ ich offen und ehrlich kommuniziert. 

Fragen: Florian Pöhlmann

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