Montag, 19.11.2018

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Mathenia glänzt für den Club – und geht traurig nach Hause

Auch ein neuer Keeper kann den Club gegen Hoffenheim nicht retten - 22.10.2018 06:00 Uhr

Immer mutig ins Getümmel: Keeper Christian Mathenia (links) hielt den Club gegen Hoffenheim zumindest eine Halbzeit lang im Spiel. © Foto: Daniel Karmann, dpa


Als der Torhüter des 1. FC Nürnberg rund eine Stunde später in die Mixed Zone schlurfte, war der strahlende Held der ersten Halbzeit dann doch zu einem ganz normalen Fußballspieler geschrumpft, der mit betretener Miene eine 1:3-Niederlage erklären sollte.

Mathenias Schuld war das freilich nicht. Der 26-Jährige hatte auch in der zweiten Halbzeit wenig falsch gemacht, sich aber irgendwann einfach dreimal geschlagen geben müssen. Und das sportliche Gesamtbild überlagerte dann eben die persönliche Glanzleistung. "Es freut mich natürlich, dass ich heute zum ersten Mal spielen durfte und mich auch einige Male auszeichnen konnte", sagte Mathenia nach seinem insgesamt 72. Bundesliga-Einsatz, hätte das aber "gerne gegen drei Punkte eingetauscht".

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Dass der Aufsteiger davon überhaupt eine Halbzeit lang hatte träumen dürfen, lag neben einem von Hanno Behrens verwandelten Foulelfmeter vor allem an: Mathenia. Nürnbergs neuer Schlussmann flog, fing und faustete, machte sechs Hoffenheimer Großchancen zunichte, worunter vor allem Andrej Kramaric zu leiden hatte, und bügelte auch noch einen Kamikaze-Rückpass von Mikael Ishak couragiert aus. "Natürlich bist du dann ein bisschen im Flow", befand Mathenia. Dieser Flow hatte Fabian Bredlow zuletzt gefehlt, nach insgesamt 13 teils nicht gerade unhaltbar scheinenden Gegentoren in Dortmund und Leipzig war der Bonus des Aufstiegskeepers aufgebraucht.

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Der Wechsel kam dann auch nicht mehr überraschend, zumal Trainer Michael Köllner vor der Saison von einer "brutal engen Entscheidung" gesprochen hatte, in der es letztlich nur um "Nuancen" ginge. Dass diese Nuancen damals für den drei Jahre jüngeren Konkurrenten sprachen, hatte der im Sommer vom Hamburger SV gekommene Mathenia klaglos akzeptiert. "Ich bin prinzipiell ein Typ, der sich da nicht so sehr unter Druck setzt", betonte der gebürtige Mainzer: Statt zu hadern, habe er sich "in den Dienst der Mannschaft gestellt und sehr demütig und hart an mir gearbeitet. Ich wusste, dass ich irgendwann gebraucht werde."

Vierter Anwärter

Am achten Spieltag war es dann soweit. Nach Patrick Rakovsky, Thorsten Kirschbaum und Bredlow ist Mathenia nun der vierte Keeper, der versucht, in Nürnberg auf Dauer das Erbe von Vereinsikone Raphael Schäfer anzutreten. Und obwohl Köllner prinzipiell keine Stammplätze vergibt und auch auf der Torwartposition auf das Leistungsprinzip pocht, darf sich Mathenia nun erst einmal als Stammkraft fühlen.

Vielleicht auch, weil der ruhig und sachlich wirkende Schlussmann, dem am Samstag nicht nur Abwehrchef Georg Margreitter "eine gute Ausstrahlung" attestierte, die Tücken des Abstiegkampfes bereits aus seiner Zeit bei Darmstadt 98 und dem HSV kennt. "Ich habe ja schon einiges erlebt in der Bundesliga und weiß, was es braucht, um die Liga zu halten. Und das sehe ich in unserem Team: Wir arbeiten tagtäglich an uns und sind ein verschworener Haufen", macht Mathenia dem Club Mut.

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Exemplarisch für diesen Zusammenhalt stehen könnte ausgerechnet der degradierte Bredlow. "Großes Lob an Fabian, er hat das sehr kollegial aufgenommen und mir zum guten Spiel gratuliert", berichtete Mathenia. Auch das änderte aber nichts daran, dass der verhinderte Held seine starke Premiere nicht wirklich genießen konnte: "Ich gehe jetzt trotzdem traurig nach Hause." 

Uli Digmayer

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