Sonntag, 18.02. - 22:52 Uhr

|

zum Thema

Musterschüler reloaded: Löwen überzeugt beim FCN wieder

Athletischer Allrounder erhält beim 1. FC Nürnberg wieder das Vertrauen - 30.01.2018 11:48 Uhr

Machte im "anstrengendsten Spiel seines Lebens" eine gute Figur: Eduard Löwen. © Sportfoto Zink / DaMa


Wenn es um Eduard Löwen ging, dann wurde Michael Köllner zuletzt immer häufiger zum Pantomimen: Er schmiss Wasserflaschen auf den Boden, schlug die Hände vors Gesicht, hob sie flehend in den Himmel oder winkte einfach ab. Es lief also nicht so recht zwischen dem Fußballtrainer Köllner und dem Fußballspieler Löwen, die eine ganz besondere Beziehung verbindet.

Bilderstrecke zum Thema

Drei Platzverweise und ein Ewerton: Club gewinnt bei Union

Hektik an der Alten Försterei: Der 1. FC Nürnberg gewinnt am Freitagabend mit 1:0 bei Union Berlin. Nach einem frühen Treffer durch Ewerton verwaltet der Club die Führung im Stile einer Spitzenmannschaft - und lässt sich auch von einer hektischen Schlussphase mit drei Platzverweisen nicht aus der Ruhe bringen.


Kennengelernt haben sie sich vor nicht allzu langer Zeit in der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg. Hier der ehrgeizige Trainer, der noch nie im Profibereich hatte arbeiten dürfen, da der Spieler, dem sie beim 1. FC Kaiserslautern keine große Karriere zugetraut hatten. Sie fanden schnell zueinander, vielleicht aufgrund dieses sportlichen Schicksals, das sie verband.

Als dieses Schicksal Köllner plötzlich zum Verantwortlichen für Nürnbergs Zweitliga-Fußballer werden ließ, da nahm er Löwen einfach mit. Das Publikum im Max-Morlock-Stadion wunderte sich fortan über diesen Trainer mit den außergewöhnlichen Ansätzen - und über diesen Spieler, der die Umstellung auf die 2. Liga mit erstaunlicher Leichtigkeit bewerkstelligte. Löwen konnte scheinbar alles, Köllner ließ ihn mal hier spielen, mal dort, überall überzeugte der seit Sonntag 21-Jährige, der nur neben dem Platz jene Demut erkennen ließ, die viele seiner Alterskollegen, die es schneller nach oben geschafft hatten, mit großer Selbstverständlichkeit vermissen lassen.

Löwen wurde U-Nationalspieler für Deutschland, Löwen wurde vor dem Gastspiel in Braunschweig von Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht zum besten Mittelfeldspieler der 2. Liga geadelt - und bedankte sich dafür mit einem katastrophalen Ballverlust, der zu einem Gegentor und beinahe zur Niederlage führte.

"Löwen muss das Vertrauen spüren" 

Spätestens da war die Leichtigkeit verschwunden und begann Köllner mit Löwen zu hadern. Der Alleskönner verschwand auf der Ersatzbank, eingewechselt wurde er nur noch kurz vor Schluss, was Köllner meist genügte, um mindestens ein Element aus seinem Pantomime-Repertoire aufzuführen. "Löwen muss das Vertrauen spüren", so hatte das Köllner in besseren Zeiten immer wieder gesagt. Jetzt schien er selbst keine Lust mehr zu haben, dieses Vertrauen zu geben.

"Schon krass, wie schnell das alles ging", sagte Löwen, als sie jüngst im Trainingslager in Spanien waren, meinte aber eigentlich seinen Aufstieg vom Regionalliga-Spieler zum Zweitliga-Stammspieler, der er da eigentlich nicht mehr war.

Bilderstrecke zum Thema

Club-Noten nach Berlin: Durchwachsene Zeugnisse trotz Sieg

Der zweite Eindruck, den der FCN 2018 im Pflichtspiel-Betrieb hinterlässt, ist ein starker. Der Altmeister verteidigt beim 1:0 in Berlin geschickt, trifft durch einen Brasilianer wuchtig und behält auch in einer turbulenten Schlussphase die Oberhand. So haben Sie den Auftritt gesehen - hier kommen die Club-Noten!


Am Freitag gegen Union Berlin stand er wieder in der Startelf, ein wenig überraschend, weil ihm drei Tage zuvor nach seiner Einwechslung gegen Regensburg auch wieder einiges misslungen war und Köllner das gestenreich kommentierte. Als die 90 Minuten in der Alten Försterei vorüber waren, da durfte Köllner mal wieder sprechen über Löwen. "Bei Edu zeigt die Formkurve wieder nach oben", sagte Köllner und hatte recht.

Abgeklärt und nicht verspielt

So unaufgeregt wie in seiner starken Anfangszeit hatte Löwen als linkes Glied der defensiven Dreierkette agiert, hatte sich nicht beeindrucken lassen vom ein oder anderen Fehler, der ihm im Aufbauspiel passiert war. Er hatte zurückgefunden zur Klarheit im eigenen Vortrag, was auch Hanno Behrens aufgefallen war. "Abgeklärt", nannte der Kapitän Löwens Auftritt, wobei er Lukas Mühl ins Lob miteinbezogen wissen wollte, "da wurde auch mal ein Ball weggehauen, in der Hinrunde war das ab und zu noch zu verspielt".

Verspielt war in Berlin kaum etwas, an diesem Abend, an dem sie viel investieren mussten, um das frühe 1:0 nach Hause zu bringen. Einen "echten Arbeitssieg", nannte Löwen den Erfolg, die Partie "wohl das anstrengendste Spiel meines Lebens, ich habe gerackert ohne Ende". Sein Trainer nahm das zur Kenntnis: Hin und wieder hat man Michael Köllner an der Seitenlinie gesehen, wie er Eduard Löwen applaudiert. 

Bilderstrecke zum Thema

Unter Cluberern: "Immer für eine Überraschung gut"

Drei Punkte und jede Menge zufriedene Fans: Auch in der Cantina Bar in der Nürnberger Nordstadt kam der Sieg des 1. FC Nürnberg bei Union Berlin gut an. Wir haben uns umgehört und mit Anhängern, heimlichen Pressesprechern und Gartenzwergen gesprochen.


  

Fadi Keblawi

7

7 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Sport