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Nach FCN-Höhenflug: Verlustängste machen sich breit

Beim Club ist einiges anders als noch vor zwei, drei Monaten - 13.11.2017 05:57 Uhr

"Das werden wir in den nächsten Wochen wieder korrigieren": Michael Köllner will erkannt haben, warum es derzeit nicht so recht laufen mag beim Club. © Sportfoto Zink / WoZi


Auch die Saison 2017/2018 ist eine Geschichte mit vielen Kapiteln. Fast zehn Monate liegen zwischen dem ersten (Ende Juli) und dem letzten Spieltag (Mitte Mai). Beim 1. FC Nürnberg sind sie deshalb der Ansicht, dass es schlau wäre, die Runde aufzuteilen. In Abschnitte. Oder Etappen. So eine Art Zwischenbilanz zieht der Trainer jeweils zu Beginn der sogenannten Länderspielpausen. Seit Anfang September unterbricht aktuell bereits die dritte den Betrieb in der Zweiten Liga. Vor der ersten war der Club auf Rang sieben notiert, vor der zweiten auf Rang fünf, vor der dritten auf Rang vier. Es gab in den vergangenen Monaten also nur eine Richtung: nach oben.

Genau das hatten sie sich auch vorgenommen im Sportpark Valznerweiher, und zwar nach den jeweiligen Länderspielpausen. Das ist kein Geheimnis. Michael Köllner redet oft darüber, wie es kurz- und mittelfristig weitergehen soll mit seinem Verein. Vielleicht redet er sogar ein bisschen zu oft darüber, wie kürzlich im Palazzo. "Wenn der Club aufsteigt", sagte er der Bild-Zeitung, "lassen wir das Zelt extra aufbauen."

Dass er auch damit Erwartungen weckt, die ja eigentlich, wenn man anderen Funktionären im Verein genau zuhört, zumindest von offizieller Seite vorerst gar nicht geweckt werden sollen, scheint er billigend in Kauf zu nehmen. Getreu seinem Motto: Nur wenn ich selbst begeistert bin, kann ich andere begeistern.

Anrufe von Gott und der Welt

Begeistert ist er fast immer von seinem 1. FC Nürnberg und begeistern kann er natürlich auch, sonst wäre Mitte November ein nach wie vor sehr guter vierter Platz gar nicht möglich. Die Mannschaft folgt ihrem Trainer, hat aber zurzeit ein paar andere Probleme. Unabhängig von der Taktik oder personellen Besetzung. 

Der Club hat in der zweiten Jahreshälfte schon mit Dreier- und mit Viererabwehrkette überzeugt oder sich schwergetan; auch die häufig gestellte Frage, ob ein Stürmer genügt oder doch zwei noch mehr Tore versprechen, ist letztlich nicht entscheidend, wenn Einzelne nicht wie gewohnt funktionieren. "Es ist ja klar, dass unsere jungen Spieler von Gott und der Welt angerufen werden", berichtet Köllner, was der Motivation durchaus abträglich sein kann. Früh störende Gegner wie zuletzt Dresden, Heidenheim und Ingolstadt, lassen sich allerdings nur mit immens hoher Laufbereitschaft im Mittelfeld und Angriff überwinden, um für die Kollegen dahinten auch eine Passoption zu sein. Genau daran haperte es zuletzt aber wiederholt gewaltig. 

Fehler werden korrigiert

"Wenn vorne Stillstand herrscht", sagt Köllner, "haben wir Unsicherheit in der letzten Reihe". Nur selten zielführende Befreiungsschläge oder zuletzt auffällig viele Rückpässe zu Thorsten Kirschbaum sind die beinahe logische Konsequenz. "Er wird zu häufig ins Spiel eingebunden", findet Köllner, aber das und auch einige andere Fehler im System, da ist er sich ganz sicher, "werden wir in den nächsten Wochen wieder korrigieren."

Es gilt, vor allem innere Blockaden zu lösen; richtig unbekümmert scheinen derzeit nicht mehr viele ihren Beruf auszuüben. Wie das eben so ist, wenn eine junge Mannschaft plötzlich weit oben steht in der Tabelle. "Verlustängste" hat der Trainer sogar erkannt, als Folge des stetig zunehmenden Drucks. "Die Mannschaft hat am Anfang der Saison nichts zu verlieren gehabt", glaubt Köllner, zählt mittlerweile aber selbst objektiv betrachtet zum erweiterten Kreis der Aufstiegskandidaten. Zumindest der Chef beschäftigt sich in seiner wenigen Freizeit ja sogar schon damit, wo Mitte Mai gefeiert werden könnte. 

Wolfgang Laaß

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