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Noch Luft nach oben: Druck lähmt FCN-Talent Löwen

Youngster unterlief in Braunschweig erneut ein böser Fehler - 28.11.2017 05:19 Uhr

Nicht immer ging Eduard Löwen (rechts, im Duell mit Braunschweigs Maximilian Sauer) aus den Zweikämpfen als Sieger hervor. © Foto: Sportfoto Zink


Ob es nun ehrliche Begeisterung war oder vielleicht doch nur der listige Versuch, einen jungen Spieler mental ein bisschen zu beeinflussen, lässt sich kaum ergründen. Dass Eintracht Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg gegenüber dem Onlineportal Sportbuzzer Eduard Löwen mal eben zum "im Moment wohl besten Zweitliga-Spieler" hochgejazzt hatte, erzeugte bei den Club-Verantwortlichen jedenfalls nur genervtes Kopfschütteln – zumal Löwen an diesem Nachmittag prompt so gar nicht ausgesehen hatte wie der im Moment wohl beste Zweitliga-Spieler.

Sichtlich bedröppelt wartete Löwen nach dem 3:2-Sieg seiner Elf in der Mixed Zone des Eintracht-Stadions, wo gerade die stolzen Torschützen Hanno Behrens und Mikael Ishak den Pressevertretern ihre Glücksgefühle schilderten. Der leidende Löwen hingegen sollte erklären, warum er denn in der 64. Minute am eigenen Strafraum gegen zwei Braunschweiger ein ebenso unnötiges wie waghalsiges Dribbling riskiert hatte, was prompt einen Ballverlust und den Gegentreffer zum 1:2 nach sich zog.

"Natürlich muss ich in der Situation den Ball einfach wegschießen", gestand Löwen seinen Lapsus zerknirscht ein. "Dass das gleich wieder mit einem Tor bestraft wird, ist Pech und regt mich selbst enorm auf." Vor allem, weil der 20-Jährige vor acht Wochen mit einem ähnlichen Malheur als letzter Mann bereits die 1:2-Heimpleite gegen Arminia Bielefeld auf seine Kappe nehmen musste. Damals hatte Michael Köllner seinen erklärten Lieblingsschüler noch in Schutz genommen und auf einen gewissen "Reifeprozess" gesetzt.

Nach dem erneuten Patzer gab sich der Trainer weniger nachsichtig. "Das hat uns auf der Bank schon rasend gemacht, um es mal vorsichtig auszudrücken. Gut, dass ihr Journalisten da oben auf der Tribüne nicht alles hören könnt", sagte Köllner, dem natürlich auch nicht entgangen war, dass Löwen bereits Braunschweigs Ausgleich durch einen Stellungsfehler begünstigt hatte.

Rasant ausgebremst

Generell vermittelt der abseits des Platzes schon allein durch seinen tiefen Glauben sehr geerdete Jungprofi am Ball zuletzt einen etwas selbstverliebten bis aufreizend lässigen Eindruck, was vielleicht auch gar nicht verwundern darf. Viel ist in den vergangenen Monaten auf das erst zum "U 20"- und dann zum "U 21"-Nationalspieler aufgestiegene Talent eingeprasselt – eine rasante Entwicklung, die man mit 20 Jahren erst einmal verdauen und richtig einzuschätzen lernen muss.

Übertriebene Lobeshymnen á la Lieberknecht sind da wohl eher kontraproduktiv. Mitunter scheint es sogar, als habe der feine Fußballer im Bemühen, ständig etwas Besonderes bieten zu wollen, das einfache Spiel verlernt. "Edu macht gerade vieles zu kompliziert", findet auch Köllner.

Dennoch will der Trainer nun "nicht den Stab brechen" über Löwen – wohl auch weil er weiß, dass er seiner multifunktionalen "Allzweckwaffe" mit ständigen Positionswechseln und Rochaden einiges abverlangt. Diesmal musste Löwen in der Abwehr den verletzten Linksverteidiger Tim Leibold vertreten, rückte phasenweise aber auch auf die Außenbahn vor.

"Im Normalfall kann ich damit gut umgehen, aber heute ist es mir irgendwie schwergefallen, immer hin und her zu wechseln", sagte Löwen, um sofort artig zu betonen, dass natürlich "nicht der Trainer schuld" sei, "ich kann niemandem einen Vorwurf machen außer mir selbst".

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Umso erleichterter war der in der 74. Minute ausgewechselte Modellathlet, "dass die Mannschaft das Spiel noch gedreht hat, ich bin ihr sehr dankbar". Und dem Kollegen Ishak würde Löwen für dessen späten Doppelpack nur allzu gerne "einen ausgeben". An diesem Tag war der schwedische Top-Torjäger definitiv der bessere Zweitliga-Spieler. 

Uli Digmayer

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