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Sonntag, 15.07.2018

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Nur wenig zu meckern beim TV Roßtal

Handball-BOL der Frauen: Ordentliche Hinrunde für Coach Zahn - 03.01.2018 14:16 Uhr

Simone Strecker vom TV Roßtal (am Ball) hat sich am Kreis in Wurfposition gebracht, Anne Herrmann (blau, links) von der HG/HSC Fürth kann sie nicht mehr daran hindern.


Wenn man sich die Vita von Stefan Zahn genauer anschaut, muss man einfach sagen: Mehr TV Roßtal, mehr Identifikation mit einem Verein geht fast nicht. In der C-Jugend des TVR hat der heute 47-Jährige mit dem Handball begonnen, spielte 20 Jahre für die erste Mannschaft am Kreis und ging nie woanders hin.

Vor fünf Jahren hat Zahn dann die Seiten gewechselt. Erst trainierte er männliche Nachwuchsteams, im Januar 2017 übernahm das Roßtaler Urgestein dann die erste Frauenmannschaft. Auf die Frage, was denn der Unterschied sei zu den Männermannschaften, antwortet Zahn: "Man muss vielleicht mehr Geduld haben."

Im Vergleich zur vergangenen Saison, in der die Roßtaler Frauen trotz des vorletzten Platzes die Klasse halten durften, kann Zahn durchaus zufrieden sein. Nach 22 Partien der Spielzeit 2016/17 standen elf Punkte auf der Habenseite, nun sind es nach elf Vergleichen bereits neun Zähler.

"Es könnte besser sein. Es waren ein, zwei Spiele dabei, die wir unnötig verloren haben", gibt sich Zahn dennoch kritisch. Speziell das 18:18 gegen den aktuellen Tabellenzweiten Ansbach zu Beginn der Saison habe ihm aber gezeigt, "was durchaus möglich ist".

Nur ein Totalausfall

Stefan Zahn, Trainer des TV Roßtal, gibt seinen Spielerinnen Anweisungen. Mit der Hinrunde kann er zufrieden sein – nur ein Spiel wurmt ihn. © Fotos: Daniel Marr/Zink


Eines der Hauptprobleme sei die fehlende Konstanz. "Da müssen wir uns verbessern", stellt Zahn klar. Dass sechs der neun Vorrundenpunkte auswärts geholt wurden, lag seiner Meinung nach auch an den schweren Heimgegnern. Dabei sei einzig die 13:23-Klatsche gegen Wendelstein "ein Totalausfall" gewesen.

Die Saison in ruhigem Fahrwasser störte eigentlich nur die Partie Mitte November in Schnelldorf. Beim 31:28-Auswärtssieg gab es auf und neben dem Platz einige Aufreger. Laut Zahn flogen den Roßtaler Spielerinnen auch "übelste Zuschauerbeleidigungen" weit unter der Gürtellinie entgegen. Diese antworteten erst auf dem Parkett und dann in einem relativ harmlosen Statement auf Facebook, was Schnelldorf nicht auf sich sitzen lassen wollte und sofort den Bayerischen Handball-Verband (BHV) einschaltete.

"Der Facebook-Eintrag war vielleicht nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Aber meiner Meinung nach wurde vom Gegner auch komplett überreagiert", erklärt Zahn. Die Roßtaler löschten das Statement in den sozialen Medien. Kurz danach entschuldigte sich der TVR-Coach am Telefon bei seinem Trainer-Kollegen.

Eine sportliche Antwort soll es aber auch noch geben. "Wir freuen uns auf das Rückspiel", sagt Zahn mit einem Schmunzeln. Sportlich weniger erfolgreich als das Spiel in Schnelldorf liefen die Vergleiche gegen die Fürther Konkurrenten aus Zirndorf (18:26) und Altenberg (20:21).

Speziell die Partie gegen Altenberg, einem direkten Mitstreiter im Kampf gegen den Abstieg, ging nicht spurlos am langjährigen Roßtaler Kreisläufer vorbei: "Das hat mich schon ziemlich gewurmt. Es war ein schlechtes Spiel, aber wir hätten es trotzdem gewinnen müssen."

Ein empfindlicher Rückschlag bei der Mission Ligaverbleib war das allerdings nicht. "Wir liegen im Soll. Wir sind nicht wie die letzten Jahre von Beginn an hinten drin. Man hat es selbst in der Hand", bilanziert Zahn. Besonders die 248 Gegentore, die drittwenigsten der BOL, stimmen ihn positiv: "Wenn man auf die Statistik schaut, bin ich mit der Abwehr zum Beispiel schon ganz zufrieden."

Das ist noch bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass mit Barbara Herz die eigentliche Abwehrchefin seit Ende der vergangenen Saison verletzungsbedingt fehlt. Im Angriff ist dagegen noch viel Luft nach oben. Woran liegt es, dass der TVR erst bei 236 Treffern steht? "Zu 30 Prozent sind es technische Fehler und zu 70 Prozent ist es die Chancenverwertung – die war teilweise schon wirklich fahrlässig", nennt Zahn die Stellschrauben, an denen er drehen will.

Keine Torjägerin

Dass sich keine Roßtalerin unter den Top 15 der Liga-Torjägerinnen findet, ist für den Trainer kein Problem. Im Gegenteil: "Von der Verteilung finde ich es so schon besser. Wenn du nämlich nur eine Torjägerin hast, wird die im Normalfall dann auch mannbezogen gedeckt."

Positiv sieht er die Gesamtentwicklung der Mannschaft, die aufgrund des Altersdurchschnitts von 23 Jahren auch "noch Entwicklungspotenzial hat". Aus der weiblichen A-Jugend drängen dazu mit Blick auf die nächste Saison zwei bis drei Talente nach oben.

Zuvor wartet aber noch die zweite Halbserie, und für die gilt: "Nach Möglichkeit mehr Punkte als in der Vorrunde holen." Dann würde der TVR definitiv die Klasse halten, diesmal auch sportlich. 

MAXIMILIAN SCHMIDT

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