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Oscar Pistorius schreibt Olympia-Geschichte

Australier steht als erster an beiden Beinen amputierter Läufer im 400-Meter-Halbfinale - 04.08.2012 15:23 Uhr

London  - Oscar Pistorius ist bei den Olympischen Spielen in London als erster an beiden Beinen amputierter Läufer an den Start gegangen und hat Geschichte geschrieben. Die 400-Meter-Vorrunde überstand er problemlos – nach einem langen Kampf um Anerkennung.

Der Australier Oscar Pistorius startet beim 400-Meter-Vorlauf bei den Olympischen Spielen in London.
Der Australier Oscar Pistorius startet beim 400-Meter-Vorlauf bei den Olympischen Spielen in London.
Foto: afp
Der Australier Oscar Pistorius startet beim 400-Meter-Vorlauf bei den Olympischen Spielen in London.
Der Australier Oscar Pistorius startet beim 400-Meter-Vorlauf bei den Olympischen Spielen in London.
Foto: afp

Mit Sonnenbrille, smart lächelnd und auf seinen zwei Carbon-Prothesen stehend winkte Oscar Pistorius noch einmal, bevor er seine historische Runde im Olympiastadion von London lief. „Ich war so nervös am Morgen“, sagte der 25-jährige Südafrikaner am Samstag nach seiner viel diskutierten Premiere als beidbeinig amputierter 400-Meter-Läufer bei Olympischen Spielen. „Ich wusste nicht, ob ich weinen sollte oder nicht. Es war ein Auf und Ab der Gefühle.“

Als der „Blade Runner“ unter dem frenetischen Jubel der 80 000 Zuschauer auf Bahn 6 in den Startblock stieg, hatte Pistorius seine Emotionen wieder im Griff und zog als Vorlauf-Zweiter mit 45,44 Sekunden problemlos in das Halbfinale am Sonntag ein. Besser war in seinem Lauf nur Luguelin Santos (Dominikanische Republik), der 45,04 Sekunden schnell lief. „Es war einer der aufregendsten Momente meines Lebens“, sagte Pistorius. „Ich danke meinem Team, das mir vertraut hat.“

Video zum Thema
London, 03.08.12: Der Südafrikaner Oscar Pistorius schreibt Geschichte – als erster behinderter Leichtathlet nimmt der vierfache Paralympics-Sieger an den Olympischen Spielen teil. Doch der Start des beinamputierten 400-m-Läufers ist umstritten.

IAAF wollte Teilnahme verweigern

Pistorius hatte 2008 gegen das Startverbot durch die IAAF vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) mit Erfolg geklagt. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF wollte ihm die Teilnahme an seinen Titelkämpfen und den Olympischen Spielen in der Annahme verweigern, dass Prothesen einen Vorteil verschaffen würden. „Viele behinderte Athleten laufen bei Wettbewerben und den Paralympics mit den gleichen Prothesen wie ich.

Bisher ist kein anderer damit unter 50 Sekunden gelaufen“, hielt er immer wieder dagegen. Pistorius verwies darauf, dass er seit 2004 mit den gleichen „Blades“ renne. Seine Bestzeit steht bei 45,07 Sekunden – und die komme nicht von ungefähr. „Ich trainiere härter als 95 Prozent meiner Konkurrenten“, betonte Pistorius. „Ich glaube an Fairness. Man hat mich getestet, es gibt einfach keinen Vorteil.“

Das Halbfinale als Ziel

Bei der Weltmeisterschaft 2011 in Daegu/Südkorea war er bis ins Einzel-Halbfinale gekommen und hatte mit der südafrikanischen Staffel Silber gewonnen. „Ich will bei Olympia auch ins Halbfinale laufen, das ist realistisch“, sagte der Langsprinter. Mit dem Sprint-Quartett seines Landes hofft er auch in London auf Edelmetall. Es wäre die erste Medaille für einen behinderten Sportler bei Olympischen Spielen seit 60 Jahren. 1948 und 1952 gewann der Ungar Karoly Partyka im Schießen jeweils Gold.

Er hatte seine rechte Hand bei einer Granaten-Explosion verloren. Pistorius will nach den Sommerspielen auch bei den Paralympics in London an den Start gehen will. Bei den Spielen der Behinderten 2008 in Peking gewann er Gold über 100, 200 und 400 Meter. Seine Karriere will er nach dem London-Doppelstart fortsetzen und bis zu den nächsten Olympischen Spielen in Rio de Janeiro weitermachen. 

Von Andreas Schirmer, dpa


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