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Paukenschlag beim HC Erlangen: Andersson muss gehen

Handball-Bundesligist trennt sich von schwedischem Trainer - 07.10.2017 16:33 Uhr

Der HC Erlangen hat sich von Trainer Robert Andersson getrennt. © Sportfoto Zink/OGo


Aus dem Himmel fielen den ganzen Vormittag über schon Tropfen, als sich der Aufsichtsrat des HC Erlangen um 12 Uhr zu einer außerordentlichen Sitzung einfand. Der Regen, der graue Himmel, alles passte vortrefflich zur Stimmung der vergangenen Tage beim Handball-Bundesligisten, der zwar nicht katastrophal in diese Saison gestartet ist, aber schon seit längerem eine Entwicklung genommen hat, die die Verantwortlichen beunruhigte.

Robert Andersson, der Trainer, hatte dem Vernehmen nach keine Ahnung davon, dass er da bereits sein letztes Training beim HC Erlangen geleitet hatte. Denn die elf Aufsichtsratsmitglieder beschlossen einstimmig und ohne große Widerworte, so berichtet es einer, der dabei war, die sofortige Beurlaubung des 47 Jahre alten Schweden.

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Der war im März 2015 aus Südschweden noch als Retter gerufen worden. Der Aufsteiger hatte sich mit einer für die hohen Anforderungen der Bundesliga nicht ausreichend talentierten Mannschaft aufgemacht, die Klasse zu halten, es war mehr ein Abenteuer als ein Projekt. Der langjährige Trainer und Gymnasiallehrer Frank Bergemann musste gehen, als der Abstieg schon nur noch durch ein mittleres Wunder abzuwenden gewesen wäre. Das sollte Robert Andersson schaffen, ein zweifacher olympischer Silbermedaillengewinner, ein Vollprofi.

Das Wunder geschah nicht mehr, dafür folgte unter Andersson und Geschäftsführer Stefan Adam ein Umbruch von der besseren Studententruppe zum Profiklub. "Robert hat ungemein viele positive Impulse gegeben", sagte Rene Selke, der Geschäftsführer, "wir sind ihm ungemein dankbar für seine Arbeit."

Andersson war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt, ihn umgab die Aura eines absoluten Fachmanns, eines großen Taktikers und Kenners der Branche. Selbst internationaler Spitzenspieler im Weltklasse-Team Schwedens, übertrug er bald seine Professionalität und Disziplin auf den Erlanger Handball, dem ja immer ein wenig der Makel des Amateurhaften anhaftete. Andersson entwickelte Spieler wie Ole Rahmel, Nicolai Theilinger und Nikolai Link zu Nationalspielern, hob insgesamt das Niveau auf Bundesligaklasse. Der HCE wurde variabler, gefestigter, selbstbewusster und dank der in der gesamten Bundesliga gefürchteten Andersson-Saisonvorbereitung physisch stärker.

Erlangen kehrte überlegen und mit einem neuen Selbstverständnis als Zweitliga-Meister in die Bundesliga zurück, Andersson wurde zum Trainer des Jahres gewählt. Auch in der Bundesliga ging der Höhenflug erst einmal weiter, Rang neun, die beste Platzierung eines Aufsteigers in den vergangenen zehn Jahren, folgte. Doch ab der Winterpause begann die Entwicklung und die Euphorie zu stagnieren. 4:14 Punkte zum Abschluss der Bundesligasaison, dazu ein seltsamer Spannungsverlust in Großteilen des Teams ließen aufhorchen.

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Im Sommer wurde die Mannschaft noch einmal punktuell verstärkt, unter anderem durch Europameister Johannes Sellin. Die Hoffnung, die vielen Neuen würden mit ihrer Lockerheit, ihrer Klasse die um sich greifende Müdigkeit aufbrechen, misslang. "Es hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten der Eindruck verfestigt, dass im Team eine große Verunsicherung herrscht", so Selke. "Wir haben eine extreme Leistungsfähigkeit, ein großes Talent im Team, das aber nicht mehr auf die Platte gebracht werden kann." Deshalb, so der Geschäftsführer, wollte man handeln, über die Trainerposition "einen neuen Impuls setzen".

Robert Andersson, der nicht zu erreichen war, nahm die Entscheidung laut Selke sehr gefasst und professionell auf, "er war sich ja auch bewusst, dass die Entwicklung so nicht mehr gepasst hat", sagte Rene Selke. Übernommen wird die Mannschaft nun vorerst von Tobias Wannenmacher, dem bisherigen U23-Trainer, der schon in Auerbach zeigte, dass seine große Stärke vor allem in der Motivation von Spielern liegt.

"Wir müssen jetzt die Lockerheit und den Spaß am Handball zurück ins Team bringen", fordert Selke, das soll mit Wannenmacher gelingen, "auch wenn uns klar ist, dass diese Entscheidung mutig ist." Unterdessen will der HC Erlangen weiter "den Markt sondieren“ und einen Nachfolger suchen, der zu hundertprozent ins Konzept des Vereins passt. "Hier haben wir zuletzt Gespräche geführt, die aber nicht das erwünschte Ergebnis gebracht haben", verrät Selke.

Bis jemand gefunden ist, darf Wannenmacher, der auf diesem Niveau noch nicht Trainer war, "eine große Chance bekommen", so der Geschäftsführer. "Es kann aber auch gut sein, dass das eine längerfristige Lösung wird, wenn es funktioniert." Wannenmacher könnte also auch wieder der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt sein. 

Christoph Benesch

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