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Razzia erschüttert Azzurri

Polizei durchsucht Trainingslager der italienischen Nationalmannschaft - 28.05.2012 15:54 Uhr

ROM  - Eine Razzia sorgt vor der EM für einen Schock in Italiens Fußball. Mit Festnahmen und Durchsuchungen auch bei der Nationalelf treibt die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen im Wettskandal voran. Nationalspieler Criscito wird aus dem EM-Kader gestrichen.

Stefano Mauri, Kapitän des italienischen Erstligisten Lazio Rom, wurde am Montag von der Polizei festgenommen.
Stefano Mauri, Kapitän des italienischen Erstligisten Lazio Rom, wurde am Montag von der Polizei festgenommen.
Foto: AFP
Stefano Mauri, Kapitän des italienischen Erstligisten Lazio Rom, wurde am Montag von der Polizei festgenommen.
Stefano Mauri, Kapitän des italienischen Erstligisten Lazio Rom, wurde am Montag von der Polizei festgenommen.
Foto: AFP

Knapp zwei Wochen vor der Fußball-EM hat eine Razzia die italienische Nationalmannschaft geschockt. Am frühen Pfingstmontag durchsuchten Polizisten das Trainingszentrum der Azzurri in Florenz. Im Zuge von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Wettmanipulation strich Nationaltrainer Cesare Prandelli Verteidiger Domenico Criscito aus dem vorläufigen Aufgebot. Auch das Haus des Spielers vom russischen Club Zenit St. Petersburg in Genua wurde durchsucht.

Criscito beteuert seine Unschuld: «Ich habe damit nichts zu tun.» Verbands-Vizepräsident und Delegationsleiter Demetrio Albertini zweifelt nicht an dem 25-Jährigen. «Ich glaube seiner Version», sagte er. «Domenico hat sich bei der Mannschaft für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigt.»


Staatsanwalt Roberto Di Martino zufolge werden keine weiteren Spieler der Squadra Azzurra verdächtigt. Die Ermittler nahmen in einer landesweiten Razzia 19 Menschen fest, darunter 13 Profis. Zu diesen zählt auch der Kapitän von Miroslav Kloses Club Lazio Rom, Stefano Mauri.

Ziel des Sportbetrugs

Die Staatsanwaltschaft Cremona ermittelt zudem gegen Juventus Turins Coach Antonio Conte, dessen Haus ebenfalls durchsucht wurde. Als Trainer des AC Siena soll er in der vergangenen Saison an Ergebnisabsprachen beteiligt gewesen sein. Sein ehemaliger Spieler Filippo Carobbio hatte Conte schwer belastet. Polizei und Staatsanwaltschaft beschäftigen sich in erster Linie mit Partien der vergangenen Saison unter Beteiligung von Lazio, Lecce, Genua, Siena und Novara.

Unter den festgenommenen Fußballern ist auch ein früherer Spieler des CFC Genua, der nun bei Padua in der Serie B spielt. Bei einem Profi vom Erstligisten Chievo Verona durchsuchten Beamte das Haus.

Wie die Polizei in Cremona mitteilte, standen auch im Ausland Durchsuchungen an. Die Aktion richte sich gegen eine «international operierende Organisation». Da den Verdächtigen die «Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung mit dem Ziel des Betrugs und des Sportbetrugs» vorgeworfen wird, drohen ihnen im Fall einer Verurteilung mehrjährige Haftstrafen.

«Epizentrum der Wettmanipulation»

Im Trainingslager der Nationalelf waren um 6:25 Uhr fünf Beamte vorgefahren. Sie übergaben Criscito den offiziellen Ermittlungsbescheid und durchsuchten Medienangaben zufolge Räume im Verbands-Trainingszentrum Coverciano.

Bis zu dieser Razzia galt der 25-Jährige als gesetzt für den EM-Kader von Nationaltrainer Prandelli. Bereits vor dem WM-Coup 2006 war der italienische Fußball vom Liga-Manipulationsskandal um Juventus Turin erschüttert worden. Damals waren aber keine Spieler der Nationalmannschaft betroffen gewesen.

Die Staatsanwaltschaften Cremona und Bari haben seit dem vergangenen Jahr bereits Dutzende Personen wegen des Verdachts der Wettmanipulation festnehmen lassen. Darunter war im Dezember auch der ehemalige italienische Nationalspieler Cristiano Doni.

Der frühere Kapitän von Atalanta Bergamo gehört auch zu den Angeklagten eines Prozesses, den der italienische Fußballverband (FIGC) ankündigte. Dabei werden 22 Vereine, 61 Spieler und Manager anklagt. FIGC-Chefankläger Stefano Palazzi bezeichnete Italien als das «Epizentrum der Wettmanipulation». Der Prozess soll nach der EM im Juli beginnen. 

dpa


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