Sonntag, 18.11.2018

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Rebekah Keat unschuldig wegen Dopings gesperrt

Australische Triathletin suchte weltweit nach entlastendem Beweis - 08.07.2009

«Das alles hat mich sehr, sehr stark gemacht», sagt Rebekah Keat heute. © PR


Ein Langdistanz-Triathlon ist eine Herausforderung. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen. Ein Kampf gegen die Schmerzen, die Müdigkeit, die Erschöpfung. Am 1. April 2007 war der Ironman Australia für Rebekah Keat noch viel mehr. Er wurde zum Kampf gegen die Demütigungen und das Misstrauen, das ihr seit einem positiven Dopingbefund drei Jahre zuvor entgegengeschlagen war.

Kein Trainer wollte sie betreuen, kein Triathlet mit ihr die Vorbereitung machen. «Als ich die Ziellinie in Port Macquarie überquerte - das wird immer ein unvergesslicher Moment bleiben. Ich hatte gewonnen, nur allein dank harter, harter Arbeit. Die Mission war beendet.«

Locker, offen, humorvoll

Ansonsten neigt Rebekah Keat im Telefon-Interview - seit sechs Wochen bereitet sie sich in der Schweiz auf den Challenge in Roth vor - kaum zum Pathos, erzählt locker, offen, humorvoll. Doch sobald sich das Gespräch um den Dopingtest und seine Folgen dreht, ist zu spüren, wie sehr sie diese Erfahrung immer noch aufwühlt.

Alles begann 2004 mit einem Test. In Keats Doping-Probe fanden die Kontrolleure nach dem Ironman Western Australian das Steroid Norandrostendion, das den Muskelaufbau unterstützt und auf der Dopingliste steht. Die Australierin wurde für zwei Jahre gesperrt, die Akte geschlossen. Vergebens beteuerte Keat immer wieder ihre Unschuld, alle hielten es für die reflexhafte Reaktion einer Überführten. Eine aber glaubte der Verzweifelten und machte sich gemeinsam mit ihr auf die Suche, die Unschuld der zweifachen Junioren-Weltmeisterin zu beweisen. «Ohne meine Zwillingsschwester Simone hätte ich das alles nicht durchgestanden«, wird Rebekah Keat hinterher immer wieder sagen.

Detektivischer Spürsinn

Der Verdacht: Mit verunreinigtem Nahrungsergänzungsmitteln soll Keat unwissentlich das Steroid zu sich genommen haben. Also suchten die Schwestern auf der ganzen Welt mit detektivischem Spürsinn nach der betreffenden Produktcharge, sammelten die Ware ein, fanden nicht nur ein Wada-Labor, das die entsprechenden Tests durchführte, sondern zwei Mitstreiter, die sich aus demselben Grund um ihren Ruf betrogen fühlten: Den kanadischen Triathleten Mike Vine sowie die amtierende Zeitfahr-Weltmeisterin Amber Neben (USA), die derzeit für die Rad-Equipe Nürnberger Versicherung fährt.

Das Ergebnis: Eine nicht ausreichend gesäuberte Produktionsstraße im Werk hatte zu der Verunreinigung geführt. Die Sportler waren komplett rehabilitiert. Aber sind sie das wirklich? «Klar sehe ich immer noch einige Fragezeichen bei manchen Konkurrenten«, sagt Keat, «keiner kann mir zudem die Jahre zurückgeben. Aber das alles hat mich sehr, sehr stark gemacht.«

So stark, dass sie seit ihrer Rückkehr besser ist als je zuvor. So stark, dass sie 2007 bei ihrem Sieg in Australien den letzten Teil der Radstrecke im Stehen fuhr, weil ihr Sattel defekt war. So stark, dass die 31-Jährige im April beim Ironman Australia nur Hawaii-Siegerin Chrissie Wellington ziehen lassen musste.

Bittere Erfahrungen

Ihre Geschichte hat sie in Triathlon-Kreisen ein bisschen berühmt gemacht, die Magazine hoben sie auf die Titelseiten. Sie selbst versteht die bitteren Erfahrungen als Auftrag, anderen Sportlern in Schulungen immer wieder ans Herz zu legen, misstrauisch in Sachen Nahrung zu sein.

Und wie stark wird sie in Roth sein? Immerhin gewann sie Anfang Juni den Halbdistanz-Challenge in Niederbronn-les-Bains sowie zwei Wochen später im Kraichgau. Rebekah Keat lacht, verspricht ein heißes Frauenrennen: «Wir werden uns gegenseitig pushen, vielleicht reicht es für einen neuen Weltrekord«.

Im vergangenen Jahr wurde sie bei ihrem Debüt Fünfte (9:02:34 Stunden), noch heute schwärmt sie vom Feuerwerk am späten Abend, von der unvergleichlichen Atmosphäre, dem wunderbaren Gefühl, «wie eine Königin behandelt zu werden«. Spätestens da hatte sie verstanden, warum so viele australische Triathleten ihr immer wieder sagten: «Hawaii ist Pflicht - aber Roth erst recht.« Gibt es also gar nichts, was ihr am Sonntag ein bisschen Angst einjagt? Keat lacht. «Doch - Chrissie Wellington.« 

Ulrike Assmann

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