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"Sandy" zwingt New York-Marathon in die Knie

Bloombergs anfängliche Verteidigung als eklatante Fehlentscheidung kritisiert - 02.11.2012 23:15 Uhr

Der berühmte New York-Marathon findet in diesem Jahr nicht statt, nachdem Wirbelsturm "Sandy" enorme Schäden in der Millionenmetropole verursacht hat. © AFP


Nur 35 Stunden vor dem Startschuss ist der New-York-Marathon für diesen Sonntag abgesagt worden. «Wir möchten nicht, dass eine Wolke über dem Lauf oder seinen Teilnehmern hängt», erklärten New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg und Veranstaltungschefin Mary Wittenberg am Freitag in New York. Zuvor hatte es scharfe Kritik gegeben, weil der Lauf nur wenige Tage nach dem Wirbelsturm «Sandy» mit fast 100 Toten geschmacklos sei und zu viele Kräfte binde.

«Wir können keine Kontroverse über ein sportliches Ereignis zulassen, die die Aufmerksamkeit ablenken würde von all der wichtigen Arbeit, um New York wieder aufzubauen und unsere Stadt wieder in die Spur zu bringen», heißt es in der kurzen Erklärung. Gleichzeitig wurde der seit 1970 jährlich stattfindende Lauf als «integraler Teil des Lebens dieser Stadt» gewürdigt. Noch war unklar, ob der Lauf ganz abgesagt ist oder an einem späteren Tag nachgeholt wird.

«Der Marathon hat unsere Stadt immer zusammengebracht und uns inspiriert mit seinen Geschichten des Mutes und der Entschlossenheit», hieß es weiter. In der Tat hatte der Lauf jedes Jahr stattgefunden - auch 2001, nur wenige Wochen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Für dieses Jahr wurden 47 000 Läufer und zwei Millionen Schaulustige erwartet. Dabei ist der Lauf mehr als ein Sportereignis: Tausende Läufer sind zum Beispiel in Kostümen unterwegs.

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Bei dem verheerenden Wirbelsturm «Sandy» waren in der Nacht zum Dienstag etwa 40 Menschen in New York getötet worden. Tausende sind obdachlos, Hunderttausende waren auch Tage später noch ohne Strom und Wasser. Auch Benzin ist extrem knapp. Der Marathon hätte nicht direkt durch das Katastrophengebiet geführt. Zudem ist die Versorgung der fast 50 000 Läufer aufwendig.

Bloombergs anfängliche Verteidigung des Laufs hatte New Yorks Senatorin Liz Krueger als eklatante Fehlentscheidung kritisiert. «Er bindet erhebliche Kräfte. In keinem der Bezirke läuft es auch nur annähernd normal», hatte sie der «New York Times» gesagt. James Molinaro, der Chef des Stadtbezirks Staten Island, war noch deutlicher geworden: «Mein Gott. Was wir hier haben, ist schrecklich, eine Katastrophe. Wenn sie laufen wollen, lasst sie für sich selbst laufen. Das ist nicht die Zeit für eine Parade.»

Bloomberg hatte hingegen von einer «großartigen Veranstaltung für New York» gesprochen. «Jene, die wir verloren haben, hätten wohl gewollt, dass wir eine Wirtschaft und eine Stadt haben, die für die Hinterbliebenen weitermacht.» Einer Studie zufolge beschert das Rennen New York normalerweise etwa 340 Millionen Dollar.

Nach dem Wirbelsturm hatte der Marathon von den Veranstaltern den Untertitel «Lauf für den Wiederaufbau« bekommen. Der Countdown zum Startschuss lief noch lange nach der Absage weiter. 

dpa

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