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Schwere Zeiten für Fußball-Fans

"Völlig enttäuschend": Fanprojekt Nürnberg kritisiert den Sicherheitsgipfel - 18.07.2012 13:07 Uhr

Heino Hassler, Mitarbeiter des Fanprojekts.

Heino Hassler, Mitarbeiter des Fanprojekts.


Ein Verhaltenskodex für Fußballfans, die Verlängerung der Maximaldauer von Stadionverboten von drei auf zehn Jahre und mehr Geld für die Fanprojekte: So liest sich das Maßnahmenpaket, auf das sich die großen deutschen Fußball-Vereine mit den Verbänden und Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Dienstag in Berlin geeinigt haben, um die Sicherheit in den Bundesliga-Stadien zu erhöhen.

Bei Heino Hassler, dem Leiter des Fanprojekts Nürnberg, stoßen diese Maßnahmen auf wenig Gegenliebe. Besonders unverständlich ist für ihn die Erhöhung der Maximaldauer von Stadionverboten von drei auf fünf, in schlimmen Fällen gar auf zehn Jahre. Von immer neuen Repressionen hält Hassler auch nach mehr als 20 Jahren Fanarbeit nichts. "Wir machen schon jetzt immer wieder die Erfahrung, dass auch bei kleinen Vergehen mit voller Härte durchgegriffen wird", so Hassler. Wenn in Zukunft gar zehn Jahre Stadionverbot möglich sind, wird davon auch Gebrauch gemacht werden, fürchtet er.

Auch ansonsten sieht der erfahrene Fanarbeiter in den Beschlüssen vom Dienstag eine Luftnummer. "Die Fanprojekte sehen keinen Cent mehr", regt sich Hassler zum Beispiel über die angebliche Mittelaufstockung auf. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erhöht zwar seinen Anteil an der Finanzierung von 33 auf 50 Prozent. Doch mehr Mittel springen dadurch für die nicht nur in Nürnberg ohnehin chronisch klammen Fanprojekte nicht heraus. "Dafür muss man die Pressemitteilung der Verbände aber schon genau lesen", so Hassler verärgert.

Seinem Verein, dem 1. FC Nürnberg, stellt Hassler dagegen ein gutes Zeugnis aus in Sachen Fanarbeit. "In dieser Hinsicht hat sich vieles zum Positiven verändert. Der Dialog zwischen Verein, Fanprojekt und Fans hat sich in den vergangenen Jahren stetig verbessert", so Hassler.

Von echtem Dialog keine Spur

Von DFB und DFL kann er das nicht behaupten. "Leider rasseln die Verbände ständig mit dem Säbel. Seit dem abrupten Abbruch der Gespräche über Pyrotechnik im Herbst wird immer wieder von Dialogbereitschaft gesprochen. Was wir erleben, ist oft das genaue Gegenteil", sagt er.

In diesem Eindruck fühlt Hassler sich auch dieses Mal bestätigt. Fanprojekte und Fanorganisationen waren zu dem Sicherheitsgipfel wieder einmal nicht eingeladen. Von den Ergebnissen haben Heino Hassler und die Kollegen von der Koordinationsstelle Fanprojekte in Frankfurt bisher nur über die Pressemitteilung erfahren. 

Gary Cunningham

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