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Schwimm-EM: Steffen ist Silber, Biedermann ist Gold

Hallenser triumphierte auf seiner Paradestrecke - Poewe überrascht - 23.05.2012 19:34 Uhr

Daumen hoch: Paul Biedermann triumphierte bei der Schwimm-EM über 200 Meter Freistil.

Daumen hoch: Paul Biedermann triumphierte bei der Schwimm-EM über 200 Meter Freistil. © Robert Schlesinger


Mit hochgerecktem Daumen zeigte sich Paul Biedermann noch im Wasser wieder als Nummer 1 in Europa, eine zufriedene Britta Steffen verschenkte ihre Silbermedaille an den überglücklichen Hallensprecher.

Zum dritten Mal nacheinander schwamm Weltrekordler Biedermann in 1:46,27 Minuten zum Titel über 200 Meter Freistil. Doppel-Olympiasiegerin Steffen verfehlte dagegen am Mittwoch bei der EM in Debrecen in 54,15 Sekunden hinter der Schwedin Sarah Sjöström (53,61) den Titel über 100 Meter. „Die Sarah ist ein sympathisches Mädchen, hat verdient gewonnen. Silber mag ich auch gerne, mehr war einfach nicht drin“, sagte Steffen über die 18-jährige Sjöström. Den Sieg in Debrecen hatte die Berlinerin mitten im harten Olympia-Training nie einkalkuliert.

Ebenfalls Gold ging überraschend an Brustschwimmerin Sarah Poewe, die in 1:07,33 Minuten den ersten deutschen EM-Titel über diese Strecke seit Sylvia Gerasch 1993 feierte. Bronze steuerte Daniela Schreiber über die 100 Meter Freistil knapp hinter Steffen bei. Schon nach drei EM-Tagen hat das deutsche Team mit vier Titeln zwei Siege mehr auf dem Konto als bei den Europameisterschaften in Budapest vor zwei Jahren. Allerdings fehlt in Debrecen ein Großteil der kontinentalen Konkurrenz.

Noch keine ideale Fitness

Nach seinem Sieg über 400 Meter Freistil war Biedermann über die halbe Distanz nach gewohnt verhaltenem Start nach der zweiten Wende in Führung gegangen und gab diese nicht mehr ab. „Jetzt habe ich mal zwei Tage frei, das ist ganz schön. Ich bin noch nicht so fit wie es sein könnte“, sagte der nicht ganz zufriedene Weltrekordler. „Ich bin ja immer selbstkritisch: die letzten 25 Meter hab' ich wieder gehackt wie blöd.“ Tim Wallburger stufte sein um drei Hundertstelsekunden verpasstes Edelmetall als „sehr ärgerlich“ ein.

Für Biedermann war der Titel ein „bisschen Pflicht“, wie Steffen betonte. Sie selbst hat alles auf London ausgerichtet. „Wenn ich jetzt gesund bleibe, bin ich guter Dinge“, sagte die Doppel- Olympiasiegerin. „Ich bin im Moment im Training, da wäre es vermessen, wenn ich so schnell schwimmen würde wie bei den deutschen Meisterschaften“, sagte die 28-Jährige. Wie bereits bei der EM 2006 verschenkte sie eine Medaille an „Menschen, die immer für uns da sind“ – diesmal war es Hallensprecher Kai Steinbrunn.

„Superzufrieden“ war die von Steffen umarmte Schreiber mit „meinem ersten Einzeledelmetall“. Beide waren schon mit der Freistil-Staffel über 4 x 100 Meter zum Sieg geschwommen. Am Dienstag hatte Poewe das Ticket für ihre vierten Olympischen Spiele bejubelt, tags darauf freute sie sich über ihren ersten internationalen Langbahn-Titel. „Ich glaube immer noch nicht, dass ich gewonnen habe“, sagte die gebürtige Südafrikanerin nach ihrer Bestzeit ohne Hightech-Anzug. „Hier wegzugehen mit Olympia-Norm und EM-Titel, wow, das ist unfassbar.“

Würzburger Schwimmer verhalten

Nur vier Hundertstel fehlten Caroline Ruhnau in 1:07,95 als Vierte auf Bronze. Der Würzburger Jan Wolfgarten verfehlte als Sechster im Finale über 1500 Meter Freistil in 15:13,68 Minuten beim Sieg des Italieners Gregorio Paltrinieri die Olympia-Norm um mehr als acht Sekunden. Bereits im Vorlauf über 800 Meter Freistil war Isabelle Härle, die zusammen mit Wolfgarten und Thomas Lurz bei der WM Bronze im Freiwasser-Teamschwimmen gewonnen hatte, deutlich über der Marke geblieben und hatte in 8:43,00 gar den Endlauf verpasst.

Marco Koch kam im Halbfinale über 200 Meter Brust in 2:10,92 Minuten als Zweitschnellster klar weiter, der WM-Dritte Christian vom Lehn knapp mit 2:12,16. Knapp blieb Theresa Michalak im Halbfinale über 200 Meter Lagen in 2:12,76 Minuten um 0,39 Sekunden über der Qualifikationszeit für London; im Finale an diesem Donnerstag soll die Marke fallen. Alexandra Wenk schied im Semifinale ebenso aus wie über 50 Meter Rücken Helge Meeuw und Christian Diener. 

dpa

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