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Senkrechtstarter mit Gottvertrauen: Löwen stabilisiert sich

Der Club-Aufsteiger zeigt sich nach turbulenten Monaten reflektiert - 09.01.2018 14:03 Uhr

"Schon krass, wie schnell das alles ging": Der hier schussgewaltige Eduard Löwen nimmt es mit manchen Hindernissen auf. © dpa


+++ Rot-Schwarzes Spanien: Der Ticker aus dem Club-Camp +++

Am Montagmittag, ein paar Minuten nach dem Training, war wieder so ein Moment. Mit nacktem Oberkörper stand Eduard Löwen auf seinem Zimmerbalkon und schaute etwas ungläubig hinunter. Auf den Fußballplatz, auf die Dünen, aufs Meer. Seine Hände hatte er vors Gesicht geschlagen. Als könne er nicht ganz glauben, was er da so alles sieht.

Zehn Monate im Turbolader

Trainingslager im Winter kannte Eduard Löwen lange nur aus Erzählungen. Mit der U 21, damals noch betreut von Michael Köllner, trat er am Dreikönigstag 2017 stattdessen noch bei Hallenturnieren wie in Gräfenberg an. Jetzt ist er Profi - der in zehn Monaten schon mehr durchgemacht hat als andere in ihrer ganzen Karriere.

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Seinem überraschenden Debüt in der 2. Liga Anfang März gegen Bielefeld, das auch Michael Köllners Debüt war, folgten weitere 30 Einsätze in der ersten Mannschaft. Die meisten davon gerieten ihm ansprechend, einige richtig gut, andere weniger. Ganz normale Leistungsschwankungen seien das, betont sein Mentor immer wieder, nicht schlimm. Erst recht bei einem 20-Jährigen.

Dass auch Eduard Löwen hin und wieder zu verzweifeln schien an seiner eigenen Sprunghaftigkeit, gibt er gerne zu. Manchmal, das sagt er auch, ist er sich selbst ein Rätsel. Etwa, wenn das Zuspiel eines Kollegen nicht zentimetergenau auf seinem Schlappen landet. Dann winkt Eduard Löwen auch schon mal ab oder schüttelt den Kopf. "Das kritisiere ich an mir", sagt er, "ich muss mich da einfach besser unter Kontrolle haben."

Krass und schnell

Noch so ein Punkt, der ihn beschäftigt. Wie so vieles gerade. Die freien Tage zwischen den Jahren hat er genutzt, um im familiären Umfeld wieder zur Ruhe zu kommen. Und um seinen persönlichen Aufstieg zu analysieren. "Schon krass, wie schnell das alles ging", sagt er und schaut zum Fenster hinaus auf den Fußballplatz, auf die Dünen, aufs Meer. "Man denkt natürlich nach."

Manchmal, so hatte man zumindest den Eindruck, dachte er vielleicht sogar ein bisschen zu viel nach. Über sich, seine Karriere, die anderen aus der deutschen U 21-Nationalmannschaft. Über Gräfenberg und Bielefeld und Länderspielreisen nach Aserbaidschan oder Israel. Irgendwann, so hatte man zumindest den Eindruck, wusste Eduard Löwen selbst nicht mehr so genau, was er richtig gut kann und was weniger gut. Die englische Woche mit den drei Siegen in Duisburg, gegen Bochum und in Fürth war auch seine. Die Fachwelt staunte über den kräftigen jungen Mann, der Innenverteidiger spielen kann und Stürmer und überall im Mittelfeld. Ihm ging das genauso. Bis eines Tages seine Unbeschwertheit verloren ging; jeder Schritt, jeder Ballkontakt fiel ihm plötzlich schwer, Pässe landeten häufig beim Gegner, sein missglücktes Dribbling als letzter Mann gegen Bielefeld kostete sogar einen wichtigen Punkt.

"So klaglos akzeptiert man das nicht", sagt Löwen in der Retrospektive; erste Hilfe fand er wie so oft in der Bibel: "Der Glaube an Jesus, daran kann ich mich festhalten, das gibt mir Kraft." Und ermöglicht ihm einen differenzierten Blick auf sein Leben. "Man darf nie vergessen, wo man herkommt." Dass andere in seinem Alter mehr verdienen als er, viel mehr? Egal. Neid ist ihm fremd. "Ich gönne es jedem", sagt Löwen, "ich mag nur die nicht, die es zur Schau stellen."

Wie ein undankbares Kind

So klingt einer, der mit sich im Reinen ist – und eigentlich nur spielen möchte, auch im heutigen Test gegen KAA Gent. Wenn er das nicht darf, kann er sich selbst nicht leiden. "Wie ein undankbares Kind" habe er seinen Musterschüler bereits erlebt, wenn er ihn mal aus taktischen oder erzieherischen Gründen auf die Bank setzen musste, erzählt Köllner. Stundenlang hat er sich mit Löwen unterhalten und scheint durchgedrungen zu sein mit seinen Argumenten. "Edu verstand es früher nicht immer richtig", sagt der Trainer, "aber mittlerweile hat er es verstanden." Dass kein Einzelner größer ist als der Verein.

Also versucht Eduard Löwen auch in Spanien, sein unliebsames, lästiges Alter Ego endlich loszuwerden. Seine Formkurve wird von Tag zu Tag etwas steiler, die große Lust auf Fußball kehrt allmählich zurück, ebenso seine Unerschrockenheit. Die Mannschaft braucht ihn, das weiß er natürlich. Mindestens genauso, wie er die Mannschaft braucht. Alles andere ist nicht so wichtig. Wichtig ist ihm, den Tag mit Jesus zu beginnen und mit Jesus zu beenden. Der Aufstieg? "Liegt in Gottes Händen." Und natürlich auch ein bisschen auf seinen Füßen.

Über die ferne Zukunft macht er sich keine Gedanken, "was bringt's", fragt Eduard Löwen. Sein Vertrag läuft noch bis 2020, "ich bin in Nürnberg Profi geworden, mir geht es gut hier", in Spanien ganz besonders. "Es ist einfach der Hammer, morgens aufzustehen und das Meer zu sehen", sagt Eduard Löwen. "Und davor noch einen Fußballplatz." 

Wolfgang Laaß

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