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Sonntag, 20.01.2019

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Sportlicher Ehrgeiz und Vernunft

Der schwierige Spagat der Nürnberger Ringer - 27.11.2012

An Kampfkraft mangelte es den „07ern“ in dieser Saison nie. Einer ihrer Besten war Stoyan Iliev (rotes Trikot). Den vorbildlichen Sportler will der Klub auf jeden Fall halten. © Roland Fengler


Aber nicht alle „Grizzlys“ haben schon Zeit, ihre Wunden zu lecken. Für die zweite Mannschaft geht die Saison in der zweiten Bundesliga Nord noch bis Weihnachten. Da freilich können die Johanniser ganz entspannt auftreten – die Zurückstufung in die Oberliga ist nach dem Abstieg der „Ersten“ beschlossene Sache.

Udo Schmitt


Schon „ab Mitte der Saison“ ahnte Udo Schmitt, „dass der Abstieg nicht zu vermeiden ist“. Das große Verletzungspech (Christoph Pscherer, Marco Dürmeier, Mario Besold, Marc Pöhlmann, Georgi Sredkov und viele mehr) ist das eine. Doch der kommissarische Abteilungsleiter, der nach dem Rückzug von Guido Fischer im Sommer die Verantwortung übernahm, gibt auch zu, dass die finanziellen Probleme das Handeln mitbestimmten.

Die Entscheidung, in vielen Kämpfen die „teuren Stars“ wie Fredrik Schön oder Sredkov nicht einzusetzen, verteidigt er. Zusätzlich wurden schon früh im Saisonverlauf weitere Kosten eingespart, indem die Abteilung auf die Dienste des eben erst verpflichteten Trainers Cornel Rusu verzichtete. Dessen Part übernahm Christoph Pscherer; ein weiteres Engagement des erst 22-Jährigen ist denkbar.

Letztlich habe man so den Abstieg in Kauf genommen, gibt Schmitt zu: „Man muss für den Verein denken. Ob es langfristig die bessere Lösung gewesen wäre, in der Bundesliga zu bleiben, bezweifle ich. Dann hätte auch die zweite Mannschaft in der zweiten Liga bleiben müssen.“ Und weiter: „Manchmal muss die Vernunft über den sportlichen Ehrgeiz siegen. Wir müssen schauen, was wir können, und das ist die zweite Liga.“

Freilich habe es auch andere Stimmen gegeben. „Vielleicht sind einige im Förderverein anderer Meinung“, räumt Schmitt ein: „Aber die Leute, die lange im Verein sind, haben das eingesehen.“ So hofft er auf neue sportliche Anreize im Ringer-Unterhaus: „Es ist doch interessanter, in der zweiten Liga vorne mitzuringen, als in der ersten Liga in einer halbleeren Halle.“

Der Kassensturz für dieses Jahr steht noch aus (die Zuschauerzahlen gingen angesichts der Niederlagenserie deutlich zurück), auch ist es noch zu früh, um über Personalien zu sprechen. Sicher ist jedoch, dass Sredkov keinen neuen Vertrag bekommt, während Stoyan Iliev, das Freistil-Ass der 60-kg-Klasse, unbedingt gehalten werden soll: „Er ist ein sehr guter Typ und hat sich auch privat bestens integriert bei uns“, sagt Schmitt, der auch weiterhin an vorderster Front für die Ringerabteilung arbeiten wird.

Und da wird er noch einiges zu tun haben: Mit sehr guten Leistungen haben zum Beispiel sein Sohn Fabian (55kg/griechisch-römisch) und Neuzugang Deniz Menekse (60kg/griechisch-römisch) heuer auf sich aufmerksam gemacht und möglicherweise auch Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen geweckt. „Die sportliche Entwicklung steht bei ihnen im Vordergrund, und es hat auch Gewicht, was die Bundestrainer vorgeben“, weiß Schmitt. In der eigenen Nachwuchsschmiede stünden aber schon wieder „sehr gute Kadetten wie Marcel Sandeck oder Erkan Celik“ bereit.

Eine Rückkehr von Tim Schleicher von Aalen nach Johannis indes hält Schmitt derzeit für kaum realistisch: Schleicher sei eben erst nach Goldbach umgezogen, außerdem habe er sich eine Bänderverletzung zugezogen und ist momentan außer Gefecht.

  

Hermann Hempel E-Mail

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