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Stark: Debüt in aufgeladener Atmosphäre

Auch der 18-Jährige bekommt den Frust der Fans zu spüren, obwohl er ordentlich gespielt hat - 29.04.2013 06:59 Uhr

Das wohl größte Talent des 1. FC Nürnberg: Der 18 Jahre alte Niklas Stark ist ab sofort Profi. © Sportfoto Zink


Extremer hätte der Kontrast kaum ausfallen können für Niklas Stark. Am Samstagnachmittag schauten ihm in Sinsheim 28675 Menschen beim Fußballspielen zu, am Sonntagmittag exakt 28525 weniger. Auf dem Sportgelände an der Grünauer Allee in Unterhaching. Am 24. Spieltag der U19-Bundesliga Süd/Südwest.

Es dürfte sein viertletzter Einsatz gewesen sein in einer Nürnberger Jugendmannschaft, vielleicht auch schon sein vorletzter. Es hängt davon ab, wie lange er noch gebraucht wird. Nach dem klaren 5:2-Erfolg hat der kleine Club rechnerisch noch Chancen auf den Klassenverbleib, müsste hierfür allerdings in drei Spielen acht Punkte aufholen.

Abgeklärt, mit klugen Pässen

Solange noch etwas möglich ist, soll Stark weiter die U19 verstärken. Unter der Woche wird der 18-Jährige aber künftig mit den Profis trainieren und möglicherweise auch weitere Einsatzminuten bekommen. Die sportliche Leitung hält unheimlich vom 18-Jährigen, der bei seinem Bundesliga-Debüt mit klugen Pässen und geschickter Zweikampfführung auffiel und sehr abgeklärt wirkte. Dass es beim Männerfußball auch anders zur Sache geht, bekam Stark bei seinem heftigen Zusammenstoß mit Hoffenheims Torwart zu spüren. Wenigstens gab‘s dafür einen Elfmeter.

Nach dem Schlusspfiff schlich natürlich auch Stark mit zu den knapp 5000 Club-Fans, von denen einige Hundert aus Protest gegen die Derbyniederlage während der 90 Minuten geschwiegen hatten. Ihre Laune ist beim 1:2 in Hoffenheim nicht besser geworden, so dass sich auch der junge Stark hinterher einiges anhören musste – obwohl er gegen Fürth gar nicht dabei war.

Das Verhältnis zwischen den Spielern und den „Ultras“ hat zuletzt etwas gelitten. „Deshalb haben wir auch vorerst keine Lust mehr, diese Mannschaft zu unterstützen“, stand nach dem 0:1 gegen Fürth auf ihrer Internetseite; ob es ein ernsteres Zerwürfnis ist oder nur vorübergehender Liebesentzug, werden erst die nächsten Wochen zeigen. Hanno Balitsch regte sich hinterher jedenfalls mächtig auf: „Ich kann nicht verstehen, dass man die Derby-Niederlage – auch wenn die Emotionen da natürlich besonders hochkochen – nicht mit ein bisschen Abstand etwas sachlicher zu sehen versucht“, sagte Balitsch bei Liga total, was einigen offenbar schwerfällt. Also sind sie nachtragend.

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Mit 1:2 hat der 1. FC Nürnberg bei der TSG 1899 Hoffenheim verloren. Viel erschreckender als das Ergebnis: die desolate Leistug der meisten Spieler. Entsprechend waren die Noten der User.


Dass die Leistung der Nürnberger in der Rhein-Neckar-Arena ebenfalls problemlos einen Stimmungsboykott begründet hätte, dürfte auch Balitsch klar sein, dessen Fehlpassquote einen Schwindel erregenden Wert erreichte. Auch Timothy Chandler ist weiter komplett außer Form und scheint derzeit alles dafür zu tun, um bloß nicht nominiert zu werden für die US-Auswahl, die am 2. Juni in Washington auf Deutschlands B-Vertretung trifft. Vielleicht braucht er aber wirklich ein paar Wochen Urlaub, um seinen Akku wieder aufzuladen.

Auch Niklas Starks bisherige Saison war anstrengend, besonders für den Kopf, demnächst stehen noch die Abiturprüfungen an. Erst danach will und kann er sich endgültig auf den Fußball konzentrieren; im Januar durfte er bereits mit ins Trainingscamp der Profis an die Costa del Sol fliegen, wo er sein Potenzial nicht nur andeutete. Sondern überzeugte.

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Seitdem „ist er in unserem Fokus“, sagt Michael Wiesinger, der ihn am Samstag in der 46. Minute für Markus Feulner brachte. „Ordentlich“ habe er gespielt, fand Wiesinger – der Stark mitgenommen hatte, weil sich Muhammed Ildiz am Freitag einer Blinddarm-Operation unterziehen musste und damit für die restlichen Saisonpartien ausfällt. Ildiz‘ Pech ist Starks Glück – noch am Samstagabend beförderte ihn Wiesinger mit sofortiger Wirkung zum Profi. Seit der E-Jugend ist Stark im Verein, früher hat er auch gerne mal in Club-Bettwäsche geschlafen.

Heute nicht mehr, sonst wäre er ja sein eigener Fan. Trotzdem dürfte Stark am Sonntagabend früh das Licht ausgeknipst haben, das Wochenende ging an die Substanz. Am Mittag, an der Grünauer Allee in Unterhaching, hielt er immerhin 57 Minuten durch, macht insgesamt über 100 in knapp 20 Stunden. An die er noch länger zurückdenken wird. 

VON WOLFGANG LAASS

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