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Steinwurf auf Club-Mannschaftsbus: "Da hört der Spaß auf"

Köllner macht nach Unruhen rund um Pokalspiel in Rostock seinem Unmut Luft - 02.11.2018 16:11 Uhr

Cheftrainer Köllner sah sich am Mittwoch nicht nur mit den sportlichen Aspekten des Pokalspiels konfrontiert. © Sportfoto Zink / WoZi


Hinter das glückliche Weiterkommen im DFB-Pokal beim Drittligisten Hansa Rostock – nach Elfmeterschießen (4:2) – setzte Michael Köllner schnell einen Haken. Es war nicht der perfekte Auftritt seiner Mannschaft, aber ein moralisch wertvoller. Nur die Störgeräusche vor und während der Partie mochte der Trainer des 1. FC Nürnberg nicht akzeptieren.

Team von Polizei ins Stadion eskortiert

Unbekannte hatten in der Nacht vor der Partie die Heckscheibe des vor dem Hotel geparkten Mannschaftsbusses mit einem Stein eingeworfen. "Da hört der Spaß auf. So was ist für mich total krank. In solchen Momenten zeigt der Fußball, dass er auch unschöne Seiten hat", meinte Köllner und fühlte sich an den Anschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus vor 18 Monaten erinnert.

Ins Ostseestadion war sein Team deshalb von der Polizei eskortiert worden. "Da denkst du, dass du entweder ein Schwerverbrecher oder ein Staatspräsident bist. Das alles kannst du nicht so einfach verdrängen. Meine Frau hat mir ständig geschrieben und gefragt, was bei uns los wäre", erzählte Köllner.

"Ich bin Cheftrainer, nicht der Sicherheitsbeauftragte"

Auch im Stadion gab es für die Nürnberger keinen freundlichen Empfang. Der 48-Jährige berichtete von Schnapsfläschchen, mit denen sie beworfen worden seien. Auch gefüllte Bierbecher waren im Anflug. "Dabei trinken wir kaum Alkohol, deshalb war das Geschenk deplaziert", scherzte Köllner zwar, konnte die hässlichen Szenen wie auch die Auseinandersetzungen gewaltbereiter Anhänger aus beiden Lagern im Vorfeld des Pokalspiels nicht akzeptieren. "Es ist schade, dass Fußballspiele von solchen Sachen begleitet werden. Als Verein kann man sich davon nur distanzieren." Nur ausradieren lasse sich so etwas später eben nicht mehr.

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Und verhindern? "Ich bin Cheftrainer, nicht der Sicherheitsbeauftragte und auch nicht der Innenminister von Deutschland. Ich muss mich auf die Dinge konzentrieren, die ich beeinflussen kann", sagte der Club-Trainer. Die Scheibe des Mannschaftsbusses wurde gestern wieder repariert, und die Mannschaft machte sich am Nachmittag auf den Weg zum Bundesligaspiel nach Augsburg. Ob mit einem mulmigen Gefühl, konnte Köllner nicht ausschließen: "Sicherlich reflektieren wir das, aber wir haben keine Zeit innezuhalten. Deshalb müssen wir mit so etwas klarkommen."

  

Stefan Jablonka

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