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Tennis-Herren booten Kühnen aus

Deutsche Mannschaft sorgt für Aufsehen vor dem World Team Cup - 17.05.2012 14:35 Uhr

DÜSSELDORF  - Das deutsche Tennis-Team steht beim World Team Cup wie immer ganz besonders im Blickpunkt. Dieses Mal hat die Mannschaft schon vorher Aufsehen erregt. Mit der Ausbootung von Teamchef Patrik Kühnen haben die Spieler für ein Novum gesorgt.

Die deutschen Tennis-Herren werden sich beim World Team Cup in Düsseldorf nicht von Patrik Kühnen betreuen lassen, stattdessen wird Ex-Profi Summerer als Kapitän fungieren.
Die deutschen Tennis-Herren werden sich beim World Team Cup in Düsseldorf nicht von Patrik Kühnen betreuen lassen, stattdessen wird Ex-Profi Summerer als Kapitän fungieren.
Foto: dpa
Die deutschen Tennis-Herren werden sich beim World Team Cup in Düsseldorf nicht von Patrik Kühnen betreuen lassen, stattdessen wird Ex-Profi Summerer als Kapitän fungieren.
Die deutschen Tennis-Herren werden sich beim World Team Cup in Düsseldorf nicht von Patrik Kühnen betreuen lassen, stattdessen wird Ex-Profi Summerer als Kapitän fungieren.
Foto: dpa

Auf dem Siegerfoto von 2011 scheint noch alles in bester Ordnung. Gemeinsam lächeln Patrik Kühnen und das deutsche Tennis-Team nach dem Gewinn des World Team Cups in die Kameras. Doch ein Jahr später wirkt das Bild wie aus einer längst vergangenen Zeit. Denn wenn Florian Mayer, Philipp Kohlschreiber, Philipp Petzschner und Christopher Kas von diesem Sonntag an im Düsseldorfer Rochusclub die Mission Titelverteidigung in Angriff nehmen, wird Kühnen fehlen. Ausgebootet und bloß gestellt von seinen eigenen Spielern muss der Davis-Cup-Teamchef zu Hause bleiben, weil sich die vier Profis lieber von ihren Privattrainern betreuen lassen.

Regelkonform ist die Vorgehensweise der Mannschaft, weil in den Statuten der inoffiziellen Weltmeisterschaft steht, dass der Kapitän der Auswahl den Teamchef bestimmt. Doch noch nie zuvor in der traditionsreichen Geschichte des Wettbewerbs hat es ein deutscher Spieler gewagt, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Selbst in unruhigen Zeiten mit Boris Becker und Michael Stich saß am Rolander Weg stets der Davis-Cup-Coach auf der Bank. Dieses Mal ist es Tobias Summerer, der persönliche Trainer von Mayer.

«Ich mache ganz normal weiter»

«Was soll ich dazu noch sagen, was nicht schon gesagt ist», meinte Kühnen kurz vor der Veranstaltung. «Ich muss die Entscheidung der Spieler akzeptieren, sie wollen sich mit ihren eigenen Trainern auf die French Open vorbereiten.» Doch so einfach ist die Situation nicht. Schließlich soll Kühnen im September mit jenen Spielern, die er jetzt in Düsseldorf nicht betreuen darf, im Relegationsspiel gegen Australien den Abstieg aus der Weltgruppe des Davis Cups verhindern.

«Ich mache ganz normal weiter. Ich werde bei den French Open sein, in Halle und auch in Wimbledon», sagte Kühnen. Business as usual also, das versuchte unlängst auch Kohlschreiber zu vermitteln. Das Team wolle «ganz sicher» im Davis Cup weiter mit Kühnen zusammenarbeiten. «Es gab Unstimmigkeiten und Ungereimtheiten», gestand Kohlschreiber immerhin. Aber: «Wir wollten definitiv keinem damit schaden.»

Nicht geschützt gefühlt

Wenn Kohlschreiber und Co. das wirklich ernst meinen, dann war ihre Vorgehensweise zumindest naiv. Denn natürlich redet vor dem Beginn des World Team Cups niemand über das Sportliche, sondern alle über die Personalie Kühnen. Er gehe weiter davon aus, dass er seinen am Jahresende auslaufenden Vertrag mit dem Deutschen Tennis Bund (DTB) verlängere, sagte Kühnen. Auch DTB-Vizepräsident Charly Steeb sieht das so. Gespräche hat es, seit Mitte April das Votum gegen Kühnen bekannt wurde, aber noch nicht gegeben.

Auslöser der pikanten Situation war das verlorene Erstrundenspiel im Davis Cup gegen Argentinien im Februar, bei dem Kohlschreiber krank fehlte. Routinier Tommy Haas kritisierte den Augsburger damals für seine Abwesenheit, Kohlschreiber fühlte sich von Kühnen nicht geschützt. Als der Davis-Cup-Coach dann wenig später beim Turnier in Miami auch noch als Privattrainer von Haas auftauchte, sahen Kohlschreiber, Mayer und Kas wohl die Zeit für eine Retourkutsche gekommen. Petzschner sitzt als möglicher Doppelpartner von Haas bei den Olympischen Spielen ein bisschen zwischen den Stühlen.

Ob in dieser Gemengelage ein erneuter Triumph in Düsseldorf gelingt? Schwer vorstellbar, zumal die deutschen Herren auf der ATP-Tour weiter schwächeln. Kühnen wird den World Team Cup im Fernsehen verfolgen. Eine Reise als Zuschauer an den Rhein schenkt er sich. 

Von Lars Reinefeld (dpa)


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