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Tore im zweiten Versuch: Ishak ist beim FCN angekommen

Die Geschichte einer Wanderschaft – mit Nürnberg als vorläufigem Ziel. - 13.10.2017 11:06 Uhr

"Ich bin in den letzten Monaten kein besserer Fußballer geworden": Mikael Ishaks Dank gilt der Mannschaft – ein wenig Glück wie beim erst im zweiten Versuch verwandelten Elfmeter gegen Bochum kann aber gewiss auch nicht schaden. © Sportfoto Zink / WoZi


Über die Gründe, warum es in der jüngeren Vergangenheit läuft und davor nicht, redet Mikael Ishak gerne und offen. Eine gute Dreiviertelstunde, bevor er zum Training in der Kabine sein muss. Für ein anderes Zwischenergebnis erinnert sich der Club-Torjäger übrigens auch. Als er am Dienstagmittag vom Trainingsplatz spaziert, findet am anderen Ende der Welt in der WM-Qualifikation gerade ein Play-off-Spiel statt. Australien gegen Syrien, Hinspiel 1:1, im Rückspiel steht es zur Halbzeit ebenfalls 1:1.

Schweden, Syrien, Stolz

Der Stürmer des 1. FC Nürnberg hätte locker dabei sein können in Sydney. Aber Mikael Ishak wollte nicht. In ziemlich regelmäßigen Abständen hatten sich Vertreter des syrischen Fußball-Verbandes zuletzt bei ihm gemeldet, erzählt Ishak, auf der Suche nach Verstärkungen für ihre Landesauswahl. "Sehr stolz" habe ihn das Werben der Funktionäre gemacht, sagt Ishak, "es ist immer schön, wenn sich jemand für einen interessiert."

Dennoch fehlt ihm ein wenig der Bezug zur Heimat seiner Vorfahren. Bereits in den 80er Jahren sind die Eltern und mindestens zehn weitere Familien aus seiner näheren Verwandtschaft mit teilweise zehn Kindern und mehr nach Schweden ausgewandert. Mit dem Ziel, "eine Existenz aufzubauen, wo es sicher ist", sagt Ishak; als Christen hätten es die Ishaks und viele andere Aramäer schon vor 30, 40 Jahren schwer gehabt in Syrien. Sie lebten in einem kleinen Dorf und mussten aufpassen, wegen ihres Glaubens nicht in Konflikte verwickelt oder gar verfolgt zu werden.

"Wir gehen immer in die Kirche"

In Schweden fanden die Ishaks und all die anderen Übersiedler zwar endlich Ruhe, mussten aber ganz von vorn anfangen. Sie nahmen das gerne in Kauf, um endlich in Frieden leben zu können. "Der Glaube ist für uns sehr wichtig, wir gehen immer in die Kirche", sagt der Club-Profi, der 1993 in Stockholm auf die Welt kam – und Syrien nur aus Erzählungen kennt.

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Den Fußball entdeckte Mikael Ishak verhältnismäßig spät für sich, mit zehn, elf Jahren. In der Jugend von Assyriska FF Södertälje, einem 1971 von syrischen Einwanderen gegründeten Verein. Zufall sei das alles gewesen, sagt Ishak heute, sein Talent blieb aber nicht lange unbemerkt. Ishak erzielte schon als Jugendlicher Tor um Tor und zählte bereits als 17-Jähriger zum Aufgebot der ersten Mannschaft, die damals in der Zweiten Liga zu Hause war.

Fortan sollte es weiter steil bergauf gehen; im Winter der Saison 2011/12 holte ihn der 1. FC Köln in die Bundesliga, 19 torlose Einsätze später komplimentierten sie den Junioren-Nationalspieler per Leihgeschäft nach St. Gallen weiter. Auch in Parma und Crotone fand Ishak nicht mehr zur Form früherer Tage – und nahm im Sommer 2014 kurzentschlossen ein Angebot des dänischen Erstligisten Randers FC an, seinem fünften Club in zweieinhalb Jahren. Mit seinen 31 Liga-Toren darf sich Ishak, wie er lächelnd erzählt, noch heute "erfolgreichster Torjäger des Vereins" nennen. In seiner Premieren-Saison bei Randers FC bildete er mit dem ehemaligen Fürther Millionen-Fehleinkauf Djiby Fall ein gefürchtetes Angriffsduo.

"Das war ein bisschen viel auf einmal"

Heimisch ist er inzwischen auch in Nürnberg geworden, obwohl sich sein Start im Januar mindestens kompliziert gestaltete. Ishak fasst die ersten Wochen wie folgt zusammen: "Die Frau hochschwanger, ich verletzt, der Trainer gefeuert, das war ein bisschen viel auf einmal." Mittlerweile ist sein einst malades Innenband längst wieder intakt und der kleine Leon ein halbes Jahr alt. Und der Papa führt die Torschützenliste in der Zweiten Liga an – auch weil ihm Alois Schwartz’ Nachfolger viel Vertrauen schenkt.

Dass es plötzlich so wunderbar läuft für ihn, möchte Ishak nicht überbewertet wissen. "Ich bin in den letzten Monaten kein besserer Fußballer geworden", sagt er, "als Stürmer muss man einfach richtig stehn." Letztlich profitiert er davon, dass sich die ganze Mannschaft gesteigert hat – und ihn mit präzisen Vorlagen füttert. Vier seiner sechs Treffer erzielte er mit dem ersten Kontakt. So wie früher gerne die Nürnberger Legende der Neuzeit.

Üben mit Mintal

Wenn es der Terminplan zulässt, gibt ihm Marek Mintal tatsächlich die eine oder andere Nachhilfestunde. Ishak schwärmt von Mintals Qualität ("ein wirklich großer Spieler"), Mintal schwärmt von Ishaks Einstellung ("immer motiviert"). Und die Zusammenarbeit scheint sich allmählich zu rentieren. "Marek redet auch viel über Tore", sagt Ishak, "das Wichtigste für ihn ist: Egal wie, der Ball muss rein."

Der Ball muss rein: Mikael Ishak hat verstanden. Seine vielen Erfolgserlebnisse in letzter Zeit haben sich bis nach Syrien herumgesprochen; mit ihm in der Spitze wäre es vielleicht noch weitergegangen in der Qualifikation, so aber ist die syrische Nationalmannschaft nach dem 1:2 in Sydney aus dem Rennen.

Daumendrücken Richtung Norden

Von der WM-Teilnahme im nächsten Jahr darf Ishak trotzdem noch träumen; Schweden kann es über die Playoffs ja noch schaffen. Immerhin sechs U21-Europameister von 2015 standen am Dienstag in Amsterdam im Aufgebot des A-Teams, Mikael Ishak wird im November also kräftig die Daumen drücken. Für seine neue, aber nicht einzige Heimat.

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Wolfgang Laaß

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