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Torlinientechnologie in Nürnberg getestet

Fraunhofer-Institut forschte drei Jahre an einem Magnetfeld im Tor - 07.06.2012 15:05 Uhr

Nürnberg  - Gehören erhitzte Debatten wie um das Wembley-Tor bald der Vergangenheit an? Künftig könnte ein Schiedsrichter an seiner Uhr ablesen, ob der Ball tatsächlich die Torlinie überquert hat. Der Weltverband FIFA öffnet sich der Technologie auf dem Rasen.

"Drin oder nicht drin?" Diese Frage kann womöglich eine Technologie beantworten, die das Fraunhofer-Institut die letzten drei Jahre entwickelt hat.
"Drin oder nicht drin?" Diese Frage kann womöglich eine Technologie beantworten, die das Fraunhofer-Institut die letzten drei Jahre entwickelt hat.
Foto: Sportfoto Zink
"Drin oder nicht drin?" Diese Frage kann womöglich eine Technologie beantworten, die das Fraunhofer-Institut die letzten drei Jahre entwickelt hat.
"Drin oder nicht drin?" Diese Frage kann womöglich eine Technologie beantworten, die das Fraunhofer-Institut die letzten drei Jahre entwickelt hat.
Foto: Sportfoto Zink

Drin oder nicht drin? Die Frage, ob der Ball nun die Torlinie überquert hat oder nicht, kann der Schiedsrichter möglicherweise bald an seiner Uhr ablesen. Das für Regelfragen zuständige International Football Association Board (IFAB) will bei einer Sitzung am 5. Juli über die mögliche Einführung der Torlinientechnologie entscheiden. Im Rennen sind zwei Varianten.

Bilderstrecke zum Thema
Wembley-Tore ade? Am Donnerstag wurde in Nürnberg eine Technologie des Fraunhofer-Instituts präsentiert, die klären soll, ob sich ein Ball vor oder hinter der Linie befunden hat.

Eine davon ist am Donnerstag in Nürnberg vorgestellt und noch einmal ausführlichen Tests unterzogen worden: Das System GoalRef. Seit fast drei Jahren erforschen Experten des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS) aus Erlangen daran. Die Technologie basiert auf einem Magnetfeld am Tor. Passiert der Ball die Torlinie, wird ein entsprechendes Funksignal dem Schiedsrichter auf dessen Uhr übermittelt.

Keine Bastelei, sondern Wissenschaft


„Der Diebstahlschutz im Kaufhaus basiert auf einer ganz ähnlichen Technik“, sagte Fraunhofer-Ingenieur Thomas von der Grün. Und so wie dort ein Alarm ausgelöst werde, wenn die Sicherung an der Ware nicht entfernt worden ist, so übermittle die Technik im Stadion ein Signal an den Unparteiischen. Was einfach klingt, ist aber ein durchaus großer Aufwand. Die Entwicklung sei keine „Fingerübung“, gewesen, betonte Institutsleiter Albert Heuberger. „Das ist keine Bastelei, da ist Wissenschaft gefragt.“ Zu den Entwicklungskosten wollte er sich nicht äußern.

Nach gravierenden Fehlentscheidungen bei der WM 2010 hatte FIFA-Chef Joseph Blatter seine ablehnende Haltung zu technischen Hilfsmitteln aufgegeben und Tests angekurbelt. Zwei Technologien zur Torlinienfrage sind mittlerweile noch im Rennen: GoalRef aus Mittelfranken und eine Torkamera, die sogenannte Hawk-Eye-Technik aus England. Beide Varianten lässt die FIFA ausgiebig prüfen – in Tests wie beispielsweise am Donnerstag in Nürnberg. Oder auch im Praxiseinsatz bei Spielen in gut gefüllten Stadien. Rund 4000 Torschüsse sollen ausgewertet werden, damit beispielsweise Aussagen über die Fehlerhäufigkeit und die Störanfälligkeit getroffen werden können.

Viele Frage noch offen

Auch nach einer Grundsatzentscheidung am 5. Juli dürften noch viele Fragen offen bleiben: Sollten beide Technologien akzeptiert werden – darf sich dann jede Liga aussuchen, womit sie arbeitet? Ab wann sind die Hilfsmittel erlaubt? Wie schnell können beispielsweise die Tore in den Stadien umgerüstet werden? Welche Kosten kommen auf Verbände und Vereine zu? Die FIFA habe bei diesem Thema die WM 2014 im Blick, sagte Sprecher Alex Stone.

Grundsätzlich gelte: „Das System ist ein Hilfsmittel für den Schiedsrichter. Aber es darf seine Arbeit nicht verkomplizieren.“ Erfahrungen mit der Kameratechnik gibt es bereits im Tennis und im Cricket, GoalRef ist im Handball erprobt. Daraus ließen sich aber keine Rückschlüsse auf den Fußball ableiten, betonte Stone. Wichtig sei: „Fußball ist ein schneller Sport.“ Die Entscheidung über ein Tor müsse in Sekundenschnelle fallen, noch bevor der nächste Spielzug eingeleitet werden könne. 

dpa


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