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Trotz Abstiegssorgen: Club-Profi Erras genießt die Bundesliga

Defensivmann geht mit "einer Riesenfreude" in jedes Spiel - 15.03.2019 05:55 Uhr

Hochmotiviert: Auch gegen Leipzig fegte Patrick Erras resolut dazwischen. © Foto: Sportfoto Zink


Hört man Patrick Erras reden, könnten weniger gut informierte Menschen durchaus glauben, der 1. FC Nürnberg sei in der Bundesliga bereits aller Abstiegssorgen ledig. Mit "einer Riesenfreude" solle man das nächste Spiel angehen und "dabei Spaß haben", schlug Erras gestern vor und schien dabei geflissentlich zu ignorieren, dass sich der Spaßfaktor in dieser trostlosen Saison für den überforderten Aufsteiger doch meist eher in Grenzen hält.

Erras’ fast kindliche Begeisterung ist freilich erklärbar. Gerade für den 24-Jährigen ist es eben keine Selbstverständlichkeit, überhaupt in der Bundesliga dabei sein zu dürfen. Vor fast auf den Tag genau drei Jahren verletzte sich der talentierte Defensivstratege im Training schwer. Fast alle Bänder im rechten Knie waren zerfetzt, sogar die Sportinvalidität drohte. Der Traum von der Bundesliga schien für den damals von Borussia Mönchengladbach umworbenen Senkrechtstarter brutal geplatzt, "ich habe nur geschaut, überhaupt wieder auf die Beine zu kommen", erinnert sich Erras. Doch längst ist dieses dunkle Kapitel seiner noch jungen Karriere abgehakt, "ich denke da kaum mehr dran", beteuert das Eigengewächs. Umso schöner sei es aber, "jetzt hier zu stehen und über die Bundesliga sprechen zu können, das ist ein überragendes Gefühl".

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Die Bilanz ist erschreckend, die Negativserie inzwischen sogar geschichtsträchtig. Im Tabellenkeller wird es immer dunkler. Und das, obwohl sich die Leistung der Spieler und der Mannschaft als Ganzes in den letzten Wochen doch verbessert hat. Doch eine gute Halbzeit gegen Hoffenheim war nicht genug, um Punkte mit nach Nürnberg zu nehmen. Dementsprechend fallen auch die Noten - vor allem die der Offensive - aus.


Zumal sich der Rückkehrer lange gedulden musste. Ein Bänderriss beim wichtigen Auswärtssieg in Kiel hatte Erras zum Ende der Aufstiegssaison erneut zurückgeworfen. Als er dann endlich wieder fit war, blieb Ondrej Petrak im defensiven Mittelfeld gesetzt. Nur zweimal stand Erras in der Vorrunde in der Startelf, die Auftritte in Dortmund (0:7) und München (0:3) erwiesen sich allerdings als eher undankbare Aufgaben.

Weil es Petrak an den Adduktoren zwickt, durfte Erras nun gegen Leipzig und Hoffenheim ran, und es war wohl auch sein Verdienst, dass der Club zumindest defensiv etwas stabiler wirkte. "Es ist ein super Gefühl, wieder dabei zu sein", schwärmte Erras. Noch schöner wäre es freilich, am Ende nicht immer mit leeren Händen dastehen zu müssen. "Ich glaube, wir haben gute Spiele abgeliefert, aber leider nichts mitgenommen. Das muss jetzt unser Ziel sein", hofft Erras auf das Ende der mittlerweile 19 Spiele währenden Sieglosserie – auch wenn die Trauben am Sonntag in Frankfurt einmal mehr extrem hoch hängen dürften.

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"Ein sehr starker Gegner, der drei richtig gute Stürmer vorne drinhat", weiß Erras um die Offensivpower des so furios aufspielenden Pokalsiegers. Umso wichtiger sei es, "dass wir eine gute Ordnung haben, als Mannschaft in die Zweikämpfe kommen und nicht ins offene Messer laufen". Ein bisschen Mut macht das 1:1 im Hinspiel, als dem Club nur Sekunden zum dritten Saisonsieg fehlten: "Da hat man gesehen, dass alles möglich ist."

Dass überhaupt noch alles möglich ist für das Schlusslicht, das glaubt Erras natürlich auch. In der zweiten Halbzeit gegen Hoffenheim habe man gesehen, "dass es vom Engagement her bei uns absolut stimmt", auch die Stimmung im Training sei "richtig gut, alle wollen und geben Gas". Und sollte es am Ende nicht ganz überraschend doch zurückgehen in die 2. Liga, weiß zumindest Erras, dass es im Leben eines Fußballprofis weitaus Schlimmeres gibt. 

Uli Digmayer

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