Mittwoch, 19.12.2018

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Verein vs. Ismaik: Verhärtete Fronten bei 1860-Machtkampf

Wie geht es weiter? Die Weichen stehen auf Regionalliga - 04.06.2017 15:55 Uhr

Der TSV 1860 München droht im Amateur-Fußball-Sumpf zu versinken - derweil spielen sich in der Führungs-Etage diverse Machtkämpfe ab. © dpa


Alle gegen einen. Die Fronten beim TSV 1860 München verhärten sich - und die Tonlage im Machtkampf zwischen Verein und Investor wird zunehmend rauer. Die Vereinsführung warf Hasan Ismaik am Pfingstwochenende sogar vorsätzliche Irreführung vor. "Wir nehmen befremdet zur Kenntnis, dass unser Mitgesellschafter öffentlich den Verein zum Sündenbock erklärt", hieß es in einer Stellungnahme. Jeder beschuldigt die Gegenseite - ein Miteinander erscheint undenkbar.

Die Zukunft des deutschen Meisters von 1966 bleibt nebulös. Fix ist nach dem Abstieg aus der 2. Liga und der von Ismaik verweigerten Zehn-Millionen-Euro-Geldspritze für die 3. Liga nur das Aus für den Profifußball bei den "Löwen". Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat dem Traditionsverein zwar die Tür zur Regionalliga geöffnet. Aber ohne einen handlungsfähigen Geschäftsführer fehlt dem Verband der Ansprechpartner, der den Antrag für die Aufnahme stellen könnte. Immerhin sieht BVB-Präsident Rainer Koch "keine unüberwindbaren Hürden" für eine Aufnahme der "Löwen" als 19. Viertligaverein.

Präsidium begehrt gegen Ismaik auf

Nach dem Rücktritt von Präsident Peter Cassalette begehren die verbliebenen Präsidiumskollegen gegen Ismaik auf. Die devote Haltung unter Cassalette, als alle Vorgaben und Entscheidungen von Ismaik "bis fast zur Selbstverleugnung" mitgetragen worden seien, wie es Vizepräsident Heinz Schmidt ausdrückte, sollen Geschichte sein.

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Fliegende Eisenstangen und Bengalos: Fan-Chaos nach 1860-Abstieg

Jetzt ist es amtlich: Der TSV 1860 München steigt nach einem 1:1 und einer 0:2-Pleite gegen Jahn Regensburg in die 3. Liga ab. Bei den Fans lagen zehn Minuten vor dem Ende des Relegationsrückspiels die Nerven blank. Eisenstangen, Sitzschalen und Bengalos flogen in der Münchener Arena aufs Spielfeld.


Der Verein versuchte am Wochenende Handlungsfähigkeit zu beweisen. Der bisherige stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende Robert Reisinger fungiert als Übergangspräsident. Der ehemalige Leiter der 1860-Fußballabteilung (2009 - 2013) deutete an, wie er sich die Zukunft vorstellt. "Mein Ziel ist es, mit Hilfe unserer exzellenten Jugendarbeit auch den Erwachsenenbereich wiederaufzubauen", äußerte Reisinger. "Ich hoffe, dass die überwiegende Mehrheit der Mitglieder in dieser schwierigen Zeit hinter uns steht." Am 2. Juli findet die nächste Mitgliederversammlung statt - ein ganz entscheidender Tag.

Ismaik will 50+1-Regel anfechten

Wichtige Weichen für die Zukunft müssen aber schon vorher gestellt werden. An ein gemeinsames Vorgehen von Verein und Investor ist dabei kaum noch zu glauben. Ismaik denkt angeblich nicht an ein Ende seines Engagements an der Grünwalder Straße, das ihn bislang einen hohen zweistelligen Millionenbetrag kostete. Der Jordanier will vielmehr die rechtlich durchaus fragwürdige 50+1-Regel im deutschen Fußball anfechten, die sein Durchregieren bei 1860 München verhindert.

"Ich wollte das nie machen, aber jetzt werde ich gegen 50+1 klagen", kündigte der Geschäftsmann in der Süddeutschen Zeitung an. Die Regel schreibt vor, dass die Mehrheit an entscheidungsrelevanten Anteilen einer Fußballabteilung stets in Vereinsbesitz sein muss.

Vorerst ist es nur eine Drohkulisse, die Ismaik aufbaut. BFV-Chef Koch konterte dennoch: "Ganz klar: Beim Bayerischen Fußball-Verband gilt in allen Ligen die 50+1-Regel." Der Verband werde nicht dulden, «dass die führenden Funktionsträger des Vereins von außen 'rechtlich beherrscht' werden sollen», verdeutlichte Koch. Ohne 50+1 keine Regionalligalizenz lautete die Ansage des DFB-Vizepräsidenten.

Nach der Kündigung von Geschäftsführer Ian Ayre, mit dem Ismaik die "Löwen" in die Bundesliga und in den Europapokal führen wollte, ist die Bestellung eines Nachfolgers eine der dringlichsten Aufgaben. Der BFV wird 1860 nach internen Beratungen eine Frist für die Einreichung der Regionalliga-Unterlagen setzen. Immerhin: Im Gegensatz zu den drei Profiligen gibt es im Zulassungsverfahren "keine Prüfung der Wirtschaftlichkeit". Es könnte also auch ohne Geld von Ismaik gehen. 

dpa

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