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Wochenende der Erlanger Sensationen

Die SG Mittelfranken übertrifft bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Berlin alle Erwartungen - 18.12.2017 14:00 Uhr

Ein Happy End der 50m-Rücken-Staffel der Frauen (Trainer Roland Böller, Annalena Wagner, Varinka Albert, Lisa Mursak, Helene Schall). © SG Mittelfranken


Das lange Wochenende in Berlin, es hatte ja mit bitteren Tränen begonnen. Schon auch mit einem ersten schier sensationellen Ausrufezeichen, über drei Sekunden war die 4x50m-Staffel der Rückenschwimmerinnen unter dem Deutschen Rekord geblieben, aber zwanzig Minuten später wurde die Bestzeit auf eigenartigen Wegen, nun ja, den Ausguss hinab gespült (wir berichteten). An einer Jetzt-erst-recht-Mentalität, fand Trainer Roland Böller, wolle man arbeiten, "aber momentan tut das noch zu sehr weh".

Der einzige, ganz große Erfolg bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Berlin schien damit auf tragische Weise aus den Händen entrissen, noch bevor die ersten Achtungserfolge, auf die Böller mit seiner Leistungsgruppe eigentlich hoffte, eintreffen konnten. Ein paar A-Finalteilnahmen, das war das Ziel für das doch verhältnismäßig junge Team der SG Mittelfranken, das mit 16 Schwimmern an den Start gegangen war.

Drei Tage später aber musste sogar der erfahrene Trainer gestehen, dass ihn seine Mannschaft "positiv überrascht" hatte. Ja, Roland Böller, der schon Schwimmern wie Andreas Lösel, Teresa Rohmann, Daniela Götz oder der mehrfachen Welt- und Europameisterin Hannah Stockbauer aus dem Erlanger Röthelheimbad bis in die Weltspitze verholfen hatte, sprach gar von "sensationellen Leistungen" und einer "Riesengeschichte".

Nicht nur, weil der 17-Jährige Peter Varjasi eine völlig sensationelle Goldmedaille bei den Erwachsenen über 50 m Brust gewann (27,11 Sek.), oder das Quartett Lisa Mursak, Daniela Karst, Varinka Albert und Katrin Gottwald über 4x50m Lagen überraschend Bronze holten (1:55,01 Min.). "Es war nicht nur die Bilanz, sondern auch die enorme Steigerung von nahezu jedem Einzelnen, die zeigt, welche Qualität und welches Potenzial wir besitzen", so Böller. Denn auch Annalena Wagner, Nikita Rodenko, Daniela Karst oder Lisa Mursak, um nur wenige zu nennen, verbesserten ihre Bestzeiten und schwammen zu einigen Juniorenmeistertiteln und in A-Finalläufe. "Das verdient wirklich großen Respekt", lobte Böller.

Als Ursache für die Leistungsexplosionen sieht der Trainer die starke Vorbereitung, vor allem im Trainingslager in Südafrika. "Wir hatten auch danach kaum Krankheiten und ein immens hohes Niveau in der Trainingsarbeit." Auch wenn man bei Schwimmen ja immer von einer Individualsportart spreche, so Böller, wurde gerade in den harten Wochen der Vorbereitung der Teamaspekt deutlich: "Alle haben sich gegenseitig nach vorn gebracht, jeder für sich richtig Gas gegeben. Es war viel Zug drin, dafür haben sich alle grandios belohnt."

Das Beste dabei: "Wir sind noch nicht am Limit", sagt Böller. Dass Weltspitze in Erlangen möglich ist, zeigt allein die Geschichte, zu der Böller mit seinen fleißigen Schwimmern immer wieder neue Kapitel hinzufügt.

Ach ja: Fast schon kitschig, wurde kurz vor der Abreise aus Berlin auch noch das Rekord-Trauma vom Anreisetag verjagt: Annalena Wagner, Varinka Albert, Lisa Mursak und Helene Schall gelang mit der 4x50m-Rückenstaffel erneut eine Rekordzeit. Die 1:54,82 Min. waren zwar nicht mehr ganz so schnell wie am Freitag, aber trotzdem blieben sie wieder deutlich unter den 1:56,94 aus dem Jahre 2000. Berlin begann und endete also mit Tränen – zum Abschluss rollten aber die der Freude. H 

CHRISTOPH BENESC

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