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Wolfgang Wolf: "Ich nicke bestimmt nicht alles ab"

FCN-Fußballchef sieht den Club mit Trainer Weiler auf einem guten Weg - 27.01.2015 05:58 Uhr

Fußballchef Wolfgang Wolf (links, mit Chefscout Christian Möckel) will beim Club Entscheidungen nicht nur abnicken, sondern mit seiner Meinung durchaus auch mal anecken – natürlich nur zum Wohle des Vereins.

Fußballchef Wolfgang Wolf (links, mit Chefscout Christian Möckel) will beim Club Entscheidungen nicht nur abnicken, sondern mit seiner Meinung durchaus auch mal anecken – natürlich nur zum Wohle des Vereins. © Foto: Sportfoto Zink


NZ: Herr Wolf, 2004 waren Sie mit dem 1. FC Nürnberg schon einmal in Belek – als Trainer. Welchen Spieler von damals hätten Sie denn auch heute gerne im Kader?

Wolf: Wir hatten damals für die 2. Liga schon eine außerordentlich starke Offensive. Mintal, Vittek, Ciric, Krzynowek, der junge Kießling kam so langsam – da gab es viele Variationsmöglichkeiten. Gerade so einer wie Marek Mintal, der im richtigen Moment da war und das Ding links wie rechts reingemacht hat, täte uns sicherlich auch heute gut. Das war einfach ein Instinktfußballer mit einer unglaublichen Schusstechnik, so etwas kann man nicht lernen.

NZ:  Man hat damals oft vom „Geist von Belek“ geschwärmt, der die Mannschaft noch zum Aufstieg getragen hat. Funktioniert’s diesmal auch?

Wolf: Das hat sich entwickelt durch die spezielle Situation mit Alemannia Aachen, die ja mit uns im gleichen Hotel waren und gegen die wir dann noch das „Geisterspiel“ bestreiten mussten. Da herrschte schon eine ganz besondere Atmosphäre, die Luft war zum Schneiden. Aber die Mannschaft hat zusammengehalten und ist zu einer verschworenen Gemeinschaft geworden. Die Chemie bei uns hat einfach gestimmt. Und das ist jetzt ähnlich. Man merkt, dass durch den Trainerwechsel wieder neues Vertrauen entstanden ist. Klar ist noch nicht alles Gold, was glänzt. Aber man ist dabei, wieder etwas zu entwickeln.

NZ: Im besten Fall ein Aufstiegsteam?

Wolf: Wir können jetzt nicht vom Aufstieg reden, dafür sind in der Tabelle einfach noch zu viele Mannschaften vor uns. Und einige Vereine haben sich enorm verstärkt, Leipzig hat noch einmal neun Millionen investiert, oder auch Kaiserslautern. Und Ingolstadt läuft da oben ein bisschen weg. Ich halte es so, dass wir nur von Spiel zu Spiel denken sollten. Wir müssen schauen, dass wir uns stabilisieren, dass sich die Mannschaft weiterentwickelt und wieder an das glaubt, was der Trainer ihr vorgibt – und dann warten wir mal ab, was am Ende passiert.

NZ: Sie hatten bei den täglichen Trainingseinheiten hier in Belek stets einen prima Beobachtungsposten in luftiger Höhe. Wie beurteilen Sie die Arbeit von René Weiler?

Wolf: So stelle ich mir Trainerarbeit vor. René analysiert genau, wo die Schwächen sind, was er taktisch erarbeiten möchte, und wie er die Spieler voranbringt. Er nimmt sich viel Zeit und arbeitet mit seinem Trainerteam sehr akribisch. Das gefällt mir, und da schaue ich gerne zu.

NZ: Wo genau sehen Sie noch Optimierungsbedarf?

Wolf: Der Trainer will schnell nach vorne spielen lassen, mit nur zwei, drei Ballkontakten. Unser Problem ist, dass wir die Chancen noch nicht so nutzen. Aber immerhin erspielen wir uns wieder Tormöglichkeiten, die Spieler kennen die Passwege, der erste Schritt ist also gemacht. Und man merkt einfach, dass die Mannschaft wieder Spaß am Fußball hat.

NZ: Personelle Alternativen sind allerdings rar, Ausfälle wichtiger Stammspieler könnten kaum kompensiert werden. Mit Sebastian Kerk wurde bislang erst ein Neuzugang vorgestellt. Ist die Kasse wirklich so leer, oder ist es einfach schwer, als aktuell mittelmäßiger Zweitligist gute Spieler überhaupt für den Club zu begeistern?

Wolf: Wir wollten René Weiler zunächst einmal Zeit geben, seine Ideen zu verwirklichen und die Mannschaft kennenzulernen. Wenn dann jemand wie Kerk auf dem Markt ist, muss man handeln. Der ist jung und noch nicht ausgereift, sprüht aber vor Spielfreude. Sollten wir jetzt noch was machen, wäre es ein Vorgriff auf die neue Saison. Der Spieler muss uns sofort weiterhelfen. Wir brauchen keinen Mitläufer, das wäre Aktionismus.

NZ: Noch einmal – es ist also nicht nur eine Frage des Geldes?

Wolf: Eine Frage des Geldes ist es am Ende des Tages natürlich auch. Wir können jetzt keine Unsummen ausgeben, weil wir ja auch gar nicht wissen, wo unser Weg hinführt. Ich finde, man sollte auch unserem aktuellen Kader ein bisschen Vertrauen schenken. Peniel Mlapa etwa habe ich hier in der Türkei so gut gesehen wie noch nie bei uns, vielleicht startet er ja durch. Auch Danny Blum ist neu dabei, das sind schon wieder mehr Alternativen für die Offensive. Natürlich haben wir keine 20 gleichwertigen Profis. Aber es sind momentan einige junge Spieler hinten dran, die können wir ja nicht nach einem halben Jahr wieder wegschicken. Unsere Aufgabe ist es auch, Talente wie Stark, Pachonik, Bihr, Dittgen, Radlinger oder Teuchert weiterzuentwickeln.

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NZ: Sie sind auf Wunsch des Aufsichtsrates zum Club zurückgekehrt, um Sportvorstand Martin Bader, den Sie ja einst als Manager nach Nürnberg geholt hatten, mit Ihrer Fachkompetenz zu unterstützen. Es gibt Menschen, die meinen, Sie wären doch nur Baders loyaler Erfüllungsgehilfe, der eh nichts zu melden hat und alle Entscheidungen brav abnickt.

Wolf: Ich weiß, da wird viel erzählt. An der Entscheidung, Ismaël zu holen, war ich auch beteiligt, davon kann ich mich nicht freisprechen. Er hat uns überzeugt, es hat leider nicht geklappt. Für mich war wichtig, dass ich im direkten Umfeld der Mannschaft Veränderungen vornehmen konnte. Da habe ich absolut freie Hand. Mein Steckenpferd ist außerdem unser Nachwuchs, die „U 17“, „U 19“, „U 21“. Es ist aber auch klar, dass ich nicht jede Personalie abnicke. Ich versuche schon, die Ideen, die der Trainer und ich im Kopf haben, durchzusetzen. Das ist mit Weiler leichter als mit Ismaël. Ich habe bereits in den ersten Gesprächen gemerkt, dass wir in vielen Dingen gleich ticken. Wichtig ist, dass man Vertrauen zueinander hat. Wir diskutieren intern alles, vertraglich ausarbeiten muss es dann natürlich Martin Bader. Dafür ist er der Vorstand und hat seinen Etat. 

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NZ: Sie haben direkt nach Ismaels Beurlaubung angekündigt, künftig noch mehr Verantwortung übernehmen zu wollen. Heißt das auch, in der Öffentlichkeit präsenter zu sein?

Wolf: Ich muss meinen Charakterkopf nicht jeden Tag in den Medien sehen oder bei Pressekonferenzen dabei sein. Das ist der Bereich des Trainers. Für mich ist wichtig, dass ich bei der Personalpolitik Einfluss nehmen kann.

NZ: Mehr als vorher?

Wolf: Mit Ismaël ist es von Anfang an nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Das musste ich akzeptieren und schlucken. Jetzt ist die Zusammenarbeit so, wie ich mir das als Sportlicher Leiter vorstelle, mit Weiler und auch mit Chefscout Christian Möckel und Martin Bader. Obwohl wir nicht immer einer Meinung sind. Aber das wäre ja auch schlimm.

NZ: Man darf also davon ausgehen, dass es intern durchaus kontroverse Diskussionen gibt und auch mal richtig kracht?

Wolf: Klar. Man muss das dann eben ausdiskutieren und gemeinsam eine Lösung finden.

NZ: Eine Rückkehr auf die Bank hatten Sie kategorisch ausgeschlossen und dies auch nach Ismaëls Demission sofort bekräftigt. Fühlen Sie sich mit Ihrem jetzigen Job ausgefüllt?

Wolf: Momentan bin ich zufrieden. Ich stand lange genug als Trainer in der ersten Reihe. Jetzt arbeite ich Weiler bei den Personalien zu, halte ihm den Rücken frei und versuche, gemeinsam mit Bader, Möckel und Weiler die richtigen Entscheidungen zu treffen.

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NZ: Der neue Aufsichtsrat hatte nach der Trennung von Ismaël angekündigt, die Entwicklung des Vereins in den vergangenen eineinhalb Jahren kritisch zu analysieren. Dabei steht auch Martin Baders Arbeit auf dem Prüfstand. Mal ehrlich: Sollte diese Bewertung negativ ausfallen, würde Sie dann der Posten des Sportvorstands reizen?

Wolf: Es ist die Aufgabe und das Recht des Aufsichtsrats, die Arbeit der Verantwortlichen zu hinterfragen. Auch wir tun das täglich und versuchen, das Bestmögliche für den Verein herauszuholen. Aber ich bin nicht hierher gekommen, um Manager des 1. FCN zu werden. Ich bin überzeugt, dass wir da mit Martin Bader gut aufgestellt sind.

NZ: Sollte sich der Aufstieg heuer nicht mehr realisieren lassen, dürfte es in der nächsten Saison kaum einfacher werden. Droht dem Club ein Schicksal wie 1860 München, Kaiserslautern oder Bochum, die als gefühlte Erstligisten seit Jahren in der 2. Liga herumdümpeln?

Wolf: Man kann natürlich nie ausschließen, dass man mal zwei, drei Jahre in der 2. Liga bleibt. Aber wir müssten nächste Saison nicht wieder wie nach dem Abstieg komplett bei null anfangen. Wir hätten dann bereits ein mannschaftliches Gerippe, das man gezielt verstärken kann, und einen Trainer, der weiß, was er will. Es gilt jetzt einerseits zu schauen, was in der Rückrunde noch geht, aber auch schon die Weichen für die nächste Saison zu stellen. Diesen Spagat müssen wir hinkriegen.

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Fragen: Uli Digmayer (Nürnberger Zeitung)

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