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Stefanies Gefühl für Glas – auch in 9000 Metern Tiefe

Der Beruf des Feinoptikers - 18.05.2013 07:00 Uhr

Präzision ist gefragt – nicht nur, wenn die angehende Feinoptikerin Stefanie Spiegler die Zentriermaschine bestückt. © Sill Optics


„Aber nach dem Praktikum bei Sill Optics in Wendelstein war klar: Das will ich lernen!“ Für den Beruf des Feinoptikerin braucht sie vor allem viel Gefühl für Glas – aber auch technisches Verständnis.

„Die erste Zeit war hart“, erzählt Stefanie, die rund neun Monate ihrer Ausbildung hinter sich hat. „Wir mussten sechs Wochen in der Lehrwerkstatt Glaswürfel fein schleifen und mit Pech polieren. Erst fielen sie mir aus der Hand, später hatte ich Blasen an den Fingern. Danach standen Gott sei Dank zwei Wochen in der Glasfachschule Zwiesel mit Blockunterricht an.“

Luisa Moritz setzt auf Genauigkeit

„Man übt immer wieder Neues. Die Anforderungen steigen mit der Zeit“, hat Azubi Luisa Moritz, inzwischen im dritten Ausbildungsjahr, erfahren. „Bei einer Zentriermaschine muss man, wenn man eine Linse einlegt, beispielsweise wissen, welche Phasen einzustellen sind, welcher Radius. Das erschien mir am Anfang ziemlich kompliziert.“ Anfangs brauchte sie dafür eine Stunde.

Heute gelingt es ihr in 15 Minuten. Dennoch gebe es für jeden Arbeitsablauf ein oberstes Gesetz: „Das heißt: Genauigkeit.“

Etwa 60 verschiedene Sorten Glas werden bei Sill Optics eingesetzt, um Linsen und Objektive in verschiedenen Größen zu fertigen. Tätigkeiten sind dann: Feinschleifen, Polieren, Zentrieren und Vergüten. Letzteres bedeutet, dass die Linsen, die nur etwa 96 Prozent des Lichts durchlassen, beschichtet (vergütet) werden. Diese Schicht vermindert dann Reflexionen am Übergang vom Glas zur Luft.

„Viele Produkte sind Einzelanfertigungen. Die Arbeit ist so unglaublich abwechslungsreich und spannend.“, fasst Luisa zusammen. Sie hat ihre Wahl nicht bereut: „Ich hoffe, dass ich nach der Ausbildung im Februar übernommen werde und möchte später einmal die Meisterprüfung machen.“

Von den 180 Mitarbeitern des Wendelsteiner Herstellers sind über die Hälfte Feinoptiker. Täglich werden hier 1400 Präzisionslinsen mit Durchmessern von vier bis 400 Millimetern, mit Spezialmaschinen auch einmal bis zu 1,50 Metern, produziert. Im Einsatz sind neueste CNC-Maschinen.

Gebraucht werden die Produkte, die Stefanie und Luisa bearbeiten, unter anderem für Mikroskope, Autoscheinwerfer, spezielle diagnostische Kameras oder Laser. Sie finden sich aber auch in Mess-U-Booten. Diese haben riesige Präzisionsfenster, so groß wie Medizinbälle – Dome genannt. Durch sie, besser gesagt, durch ihren entsprechenden Schliff, sind im Meer noch in 9000 Meter Tiefe exakte Messergebnisse möglich. Diese Anwendung zeigt: Mit Brillengläsern hat dieser Beruf nichts, rein gar nichts zu tun.

Firmenchef Berndt Zingrebe, selbst gelernter Feinoptiker mit Studium in Feinwerktechnik, erwartet von Ausbildungsbewerbern nicht unbedingt einen höheren Schulabschluss: „Ich nehme auch jemanden mit Quali. Wichtig sind aber neben Sensibilität für den Werkstoff unbedingt gute Noten in Mathematik. Rechnen muss man einfach können! Alles andere entwickelt sich. Die jungen Leute haben ja Zeit. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre.“

Weitere Informationen:

Berndt Zingrebe, 09129/902314, Mail: berndt.zingrebe@silloptics

www.arbeitsagentur.de (Berufenet), Arbeitsagentur Nürnberg, Richard-Wagner-Platz 5, 0911/5290

Ausbildungsvergütung: Im ersten Lehrjahr erhält ein Azubi 814 Euro, im zweiten 916 Euro



  

Elisabeth Porzner-Reuschel

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