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Spur der Unterstützer führt in die Nürnberger Hooliganszene

Der mit Haftbefehl gesuchte frühere V-Mann Ralf Marschner hielt Kontakt zu extremistischen Club-Anhängern - 20.04.2018 13:54 Uhr

Gewaltbereite Fußballfans hielten Kontakte zu Neonazis (hier ein Symbolbild). © Foto: Luca Zennaro/dpa


Ralf Marschner wohnte von 1990 bis 2007 in Zwickau, war dort in der militanten Neonaziszene verankert, spielte in einer Rechtsrock-Band und betrieb zwei Läden fürs rechte Milieu. Nach Behördenangaben war er in "szenetypische Straftaten" verwickelt, so wurde beispielsweise wegen des gewalttätigen Angriffs auf eine Flüchtlingsunterkunft 1991 gegen ihn ermittelt.

1992 wurde er vom Bundesamt für Verfassungsschutz angeworben und stieg rasch zur wichtigsten Quelle des Geheimdienstes auf. Sein interner Name: "Primus", also "der Erste". Sein ehemaliger V-Mann-Führer beschrieb ihn im Untersuchungsausschuss des Bundestages als "einzig relevante Quelle" der rechten Szene im Osten.

Ein Zeuge will den NSU-Terroristen Uwe Mundlos als Mitarbeiter bei Marschners Zwickauer Firma erkannt haben. Mundlos soll dort "als eine Art Vorarbeiter" in den Jahren 2000 und 2001 unter dem Alias-Namen Max-Florian B. eingesetzt worden sein. Das hieße: Ein bezahlter Informant des Verfassungsschutzes beschäftigte einen Terroristen in den ersten Jahren nach dem Untertauchen des gesuchten Trios. In diese Zeit fiel der erste Bombenanschlag des NSU in der Nürnberger Scheurlstraße und die Morde an Blumenhändler Enver Þimþek und am Änderungsschneider Abdurrahim Özüdoðru in Nürnberg.

Marschner konnte in Deutschland bislang nicht vorgeladen werden. Denn er setzte sich ins Ausland ab, lebt und arbeitet in Liechtenstein und der Schweiz. Gegen ihn liegt seit 2012 ein Vollstreckungshaftbefehl wegen Insolvenzverschleppung vor.

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Die kaltblütigen Morde des NSU: Eine Chronologie

Jahrelang hielten die Rechtsterroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt das Land in Atem. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen auf das Konto der beiden männlichen Täter etliche Bankraube, Attentate und zehn Morde gehen. Wir erinnern an die Opfer und Verletzten.


1997 hatte Marschner in seinem Propaganda-Magazin "Voice of Zwickau" den Text "Pressefreiheit, das Recht zu lügen. . .?" veröffentlicht, den das Bundesamt für Verfassungsschutz anhand einer Schriftanalyse 2012 Uwe Mundlos zuschrieb. Auf der letzten Seite grüßt Marschner "Troublemaker-Florian aus Nürnberg, Alex und Dicker". Recherchen von NN und BR zeigen: Hinter diesen Spitznamen stecken rechtsextreme Hooligans aus Nürnberg, die der 1. FCN-Fan-Gruppe "Red Devils" angehört haben sollen. Einer von ihnen gründete einst die Marke "Troublemaker Streetwear". Alle drei listeten die Behörden seit Ende der 1990er Jahre als Rechtsextremisten mit Verbindungen zu lokalen Neonazis. Vor allem sollen Kontakte zu den führenden fränkischen Neonazis Matthias Fischer und Christian W. bestanden haben. Dies bestätigte auch ein Ex-Aktivist NN und BR.

Als die bundesweite Mordserie begann, zogen Fallanalytiker des bayerischen Landeskriminalamts auch rassistische Motive in Betracht. Aufgrund dieser These führte die Nürnberger Kriminalpolizei sogenannte Gefährderansprachen bei Rechtsextremisten im Großraum durch. Einer der Kontaktierten war Hooligan Florian K., der in Marschners Magazin gegrüßt wurde. Dieser wollte nichts mit der Mordserie zu tun haben und zeigte sich "ungehalten über die Ansprache", wie es ein Beamter in einem internen Vermerk beschrieb, der der Redaktion exklusiv vorliegt.

Jedoch: Nach diesen Kontakten riss die Mordserie an Migranten ab. Für NSU-Kenner ein mögliches Indiz dafür, dass die Ansprachen bei den neun Nürnberger Neonazis Wirkung zeigten: Die rechte Szene war gewarnt.

Jonas Miller

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