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Studenten sollen rudern wie die Römer

Historiker der Uni Erlangen-Nürnberg bauen Patrouillen-Boot nach - 15.12.2016 20:31 Uhr

Mit Brustpanzer, Helm und Schwert ausgestattet schlägt Teilzeitrömer Thomas Albert auf die Eiche im Sebalder Reichswald ein. Aus ihrem Stamm entsteht später der Kiel. Das harte Holz ist besonders beständig unter Wasser. © Foto: Roland Fengler


Es ist kalt im Sebalder Reichswald. Zu kalt für einen römischen Soldaten in Sandalen und ohne Hose. „Beinkleider haben sie erst 300 Jahre später erfunden“, sagt Thomas Albert. Er hat in Erlangen Ur- und Frühgeschichte studiert und mimt heute den Legionär, der einen Baum fällt, um ein Patrouillenboot zu bauen. 16 Meter lang und 2,5 Meter breit soll es sein, damit 20 Mann darin rudern können. „Wir wollen testen, wie schnell sie damals wirklich unterwegs waren“, sagt Historik-Professor Boris Dreyer. Er hat die Idee, ein römisches Boot originalgetreu nachzubauen, schon einige Jahre mit sich herumgetragen. Jetzt wird sie Wirklichkeit. Im Sebalder Reichswald fiel gestern der erste Baum für das Projekt.

Aus der 28 Meter hohen Eiche wird der Kiel, das Rückgrat des Schiffs. 20 Kiefern werden zu Spanten und Planken, dem Gerippe und der Außenhülle. Und für den neun Meter hohen Mast und die Ruder wird eine Tanne gefällt. Das Holz im Wert von rund 2000 Euro schenkt der Forstbetrieb Nürnberg der Universität.

„Wenn du ein Schiff bauen willst, trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, sondern lehre sie, die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer“, zitiert Forstbetriebsleiter Roland Blank den französischen Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry. „Aber ganz ohne Männer, die das Holz beschaffen, kommt man eben doch nicht aus.“ Seine Mitarbeiter fällen die Bäume dann doch mit der Kettensäge, nachdem Zeitsoldat Albert fürs Foto etwas Vorarbeit mit einer Axt geleistet hat. Ein Sägewerk schneidet und trocknet die Stämme dann und liefert sie in die Nähe des Walderlebniszentrums bei Tennenlohe. „Eine Werft hatten wir im Reichswald wirklich noch nie“, sagt Blank.

Im April beginnt der Bootsbau. Trotzdem ist es besser, die Bäume jetzt zu fällen, weil „Wer sein Holz um Christmett fällt, dem sein Haus wohl zehnfach hält“, zitiert Blank eine alte Bauernregel. Im Winter wandert die Feuchtigkeit aus Ästen und Stamm in die Wurzeln, das macht das Holz trocken und stabil. „Ich wünsche den Schiffsbauern, dass ihr Boot zehnmal so lange hält wie das Original.“

Das Vorbild ist 1900 Jahre alt

Das Vorbild steht in Oberstimm bei Manching im Museum und ist 1900 Jahre alt. „Vor uns haben schon andere Unis Römerschiffe nachgebaut wie Regensburg und Hamburg, aber wir nutzen die neuesten Erkenntnisse“, sagt Historiker Dreyer. Es gibt keine Pläne oder Skizzen. „Die Römer haben hunderte Patrouillenboote gebaut, das war so selbstverständlich, dass sie keine Aufzeichnungen hatten oder sie nicht aufgehoben haben.“ Mit den Schiffen kontrollierten sie die Grenzen auf den mittelfränkischen Gewässern, überbrachten Nachrichten und konnten die einfachen Flöße der Germanen zum Kentern bringen. „Wir wissen aus der überlieferten Mitteilung eines Kaisers, dass sie von Regensburg bis Ostserbien auf der Donau flussabwärts nur elf Tage unterwegs waren“, sagt Dreyer. Mit Segel und Rückenwind waren bis zu sechs Knoten möglich, das sind rund elf Kilometer pro Stunde. „Solche Angaben wollen wir testen.“

Nach einem Jahr, im Mai 2018, soll die „Fredericana Alexandrina“ fertig sein. Pünktlich zum 275. Geburtstag der Universität, damit im Jubiläumsjahr alle Bürger zwischen Nürnberg, Fürth und Erlangen mit an Bord gehen können. Außerdem ist eine Fahrt zu Partneruniversitäten entlang der Donau bis zum Schwarzen Meer geplant. Im Werftzelt können Interessierte zuschauen oder auch selbst Hand anlegen. Studenten aller Fachrichtungen können den Schiffsbau sogar als Seminar belegen.

Wer beim Bau des Römerbootes mithelfen möchte, kann am Mittwoch, 18. Januar, um 16.15 Uhr zur Informationsveranstaltung kommen, in der Kochstr. 4 in Erlangen, Raum 2058. www.egea-ev.de/projekte 

Christina Merkel

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