Mittwoch, 20.03.2019

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Tapferer Einsatz

Symphoniker servierten "Glaube. Liebe. Hoffnung" - 27.01.2019 18:59 Uhr

Violinistin Fabiola Kim war zu Gast bei den Symphonikern. © Foto: HRtreyyanto


Fabiola Kim ist die geborene Solistin. Wie eine Eins steht sie auf dem Podium der Meistersingerhalle, ein Bündel aus Kraft und Energie, selbstbewusst und einfühlsam zugleich. Ob sie im ersten Satz von Mendelssohns Violinkonzert mit kraftvollem Bogen das Kopfthema streicht oder die Finger durch den heiteren Elfenparcours des dritten Satzes flitzen lässt: Aus dem technisch makellosen Spiel der Absolventin der Juilliard-School in New York meint man weniger heilige Versenkung in den Kunstgottesdienst herauszuhören, als eine gewisse amerikanische Unbefangenheit; auch und vor allem im Umgang mit einem so unverwüstlichen Reptil wie diesem e-Moll-Klassiker.

Dass es trotz ordnender Hand des Maestros En Shao im Finale beim Zusammenspiel mit den Symphonikern kurzzeitig etwas wackelt (übrigens keine Seltenheit), ist kaum der Rede wert. Kims brillantem, gleichfalls schmachtendem Ton hört man deutlich den über das amerikanische Ausbildungssystem eingeflossenen russischen Einfluss an. Man würde die 28-Jährige, die bereits vor einiger Zeit die Konzerte von Jean Sibelius und Samuel Barber mit den Symphonikern eingespielt hat, hierzulande gerne häufiger im Konzert hören.

Wo nichts ist, kann nichts werden

Ob man das von Xia Guans zweiter Sinfonie sagen kann – auch sie wurde bereits von den Symphonikern aufgenommen –, sei dahingestellt. Natürlich darf man sich der Musik des chinesischen Komponisten (Jahrgang 1957) nicht mit dem auf Darmstädter oder Donaueschinger Frequenzen eingestellten Hörgerät avantgardistischen Komponierens nähern. Doch auch wer die Vielfalt liebt, hätte sich in dem mit "Hope" überschriebenen Werk etwas mehr eigene Stimme und Handschrift gewünscht.

Tapfer versuchen Orchester und Dirigent dem dreiviertelstündigen Bekenntniswerk (Satzüberschriften wie "Warmth" oder "The Light" weisen es als solches aus), Leben einzuhauchen. Doch wo nichts ist, kann auch nichts werden – außer einer geschickt instrumentierten Monumentalfassade, die sich sehr deutlich an ihre Vorbilder anlehnt. Wurde gerade noch – streng wie ein Kondukt – das ganze Stück von einer Mahler-artigen Fanfare eröffnet, schaut schon nach wenigen Minuten der alte Onkel Schostakowitsch vorbei. Typisch für den: das elegisch-ausladende, von heftigen Episoden mit markigen Rhythmen und viel Schlagzeugeinsatz unterbrochene Largo zu Beginn.

Doch wo der russische Komponist seiner Musik, nicht zuletzt durch ihre politische Konnotation, immer auch einen außermusikalischen Sinn mit auf den Weg gibt, hinterlässt Xia Guan allein den Eindruck zweckfreier Semantik. Handwerklich ist das immerhin sehr gut gemacht und von Orchester und Dirigent engagiert vorgetragen. Das Stöbern nach Xia Guans musikalischen Orientierungsvorlagen (nennen wir sie mal so) entfaltet nach einiger Zeit sogar einen gewissen Unterhaltungswert.

Nächstes Symphoniker-Konzert am 10. Februar um 16.30 Uhr, Dirigent und Klaviersolist: Howard Shelley. Karten unter Telefon 0911/216-2777. 

STEPHAN SCHWARZ-PETERS

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