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Teuer zur Uni mit Bussen und Bahnen

Studentenwerk zögert aus Angst vor einer Klage - 31.10.2011 17:38 Uhr

Zu seinen Vorlesungen in Erlangen braucht Jurastudent Daniel M. Richter aus Neustadt an der Aisch mit Bus und Bahn im öffentlichen Nahverkehr eine Stunde. Dafür muss er jeden Monat tief in die Tasche greifen.

Zu seinen Vorlesungen in Erlangen braucht Jurastudent Daniel M. Richter aus Neustadt an der Aisch mit Bus und Bahn im öffentlichen Nahverkehr eine Stunde. Dafür muss er jeden Monat tief in die Tasche greifen. © Vogl


236,20 Euro bezahlen Studenten, damit sie im Wintersemester vier Monate lang in Nürnberg, Fürth, Stein und Erlangen zu ihren Vorlesungen fahren können. Die VAG bietet dafür ermäßigte Wertmarken an. Während der vorlesungsfreien Zeit sieht die Sache aber schon anders aus. Wer in die Bibliothek muss, um für seine Hausarbeiten zu recherchieren oder für Prüfungen zu pauken, der kann im Großraum nicht auf ein günstiges Studententicket zurückgreifen. In den Semesterferien im Sommer können Studenten noch mit einem Ferienticket für 25,30 Euro verbundweit fahren. Ein Ticket für die Winterferien gibt es hingegen nicht.

Noch nicht einmal das Fahrrad darf mit

„Die Semesterwertmarken helfen mir auch nicht weiter“, sagt Daniel M. Richter, der in Erlangen im siebten Semester Jura studiert. Der 25-Jährige wohnt in Neustadt an der Aisch, selbst die teuersten Semestermarken gelten jedoch nur für Nürnberg, Fürth, Erlangen und Stein. Deshalb muss er auf die Mobicard ausweichen. „168 Euro kostet meine Karte jeden Monat. In der vorlesungsfreien Zeit steige ich dann auf die günstigere Variante um“. Dann kommt ihn sein Ticket nur auf 81 Euro monatlich, gilt aber erst ab 9 Uhr morgens. „Wenn ich dann früher in Erlangen sein möchte, muss ich eben zusätzlich ein Einzelticket ziehen, das kostet noch mal 8,50 Euro pro Fahrt“. Um den Weg in die Uni kommt er in seinen Ferien nicht herum. Die meisten Klausuren finden zwar am Ende der Vorlesungszeit statt, danach stehen aber meist Hausarbeiten an. Auf das Auto umsteigen will er trotzdem nicht, obwohl die Ticketpreise ein großes Loch in seinen Geldbeutel reißen. Einmal wollte der 25-Jährige, der nebenbei als Personalberater jobbt, die Fahrtkosten von der Steuer absetzen. Aber nicht einmal das war möglich, das Finanzamt machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

„Die Fahrpreise sind für Studenten viel zu teuer“, ärgert sich auch Miriam S. „Und dann darf ich noch nicht einmal mein Fahrrad kostenlos mitnehmen“, sagt sie. Dabei muss die 25-jährige Nürnbergerin, die in Erlangen oft schnell von einem Seminar zum nächsten, manchmal bleiben ihr nur wenige Minuten zwischen den Veranstaltungen. Sie beneidet Studenten in anderen Regionen Deutschlands, die oft sehr viel günstiger unterwegs sind. So kostet das Studententicket in Nordrhein-Westfalen für ein halbes Jahr nur 125 Euro. Das ist im Vergleich zu den Semestermarken im Großraum Nürnberg so günstig, weil alle Studenten beim Studentenwerk dafür bezahlen, egal, ob sie das Angebot nutzen oder nicht. Da es in der Metropolregion kein solches Solidarmodell gibt, ist es eben teurer.

Die VAG hat bereits Berechnungen angestellt, wie ein solches Modell bei ihr aussehen könnte. Monatlich müssten Studenten demnach 22 Euro zusätzlich ans Studentenwerk bezahlen. Aus Angst vor Klagen liegen die Pläne vorerst aber auf Eis. Das bayerische Wirtschaftsministerium hatte schon 2003 die Ansicht vertreten, dass die Höhe des Beitrages unverhältnismäßig hoch und ein Semesterticket daher nicht genehmigungsfähig sei. Deshalb hat auch das Studentenwerk Erlangen-Nürnberg Bedenken geäußert. Würden Studenten, die ein solches Ticket nicht nutzen, klagen, so müsste das Studentenwerk die eingezogenen Beiträge wieder zurückzahlen. Wegen der erbrachten Leistung würden VGN und Verkehrsunternehmen den bezogenen Betrag jedoch einbehalten. Eine finanzielle Katastrophe für das Studentenwerk. 

Julia Vogl

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