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Pollmann vertritt derzeit den Tiertrainer Marcel Combé, der die Schulung ansonsten leitet. Zum sechsten Mal findet die Veranstaltung jetzt statt. Eine Mitgliedschaft beim Tierheim ist verpflichtend.
„Ursprünglich haben wir die Schulung ohne Mitgliedschaft angeboten. Da sind wir aber so überrannt worden, dass wir pro Monat zwei Schulungen hätten anbieten können,“ erklärt Herbert Sauerer, erster Vorsitzender des Tierheim Feucht - Tierhilfe Nürnberg.
Dennoch bleibe der Zulauf immens: Bislang seien knapp 280 Teilnehmer geschult worden. Nur leider, wie Ulrike Lang, die Leiterin des Tierheims, eingesteht, besteht trotzdem akuter Mangel an Gassigehern. Vor allem unter der Woche fehlt es an Freiwilligen.
Viele der Teilnehmer nicken bei den Stichworten, die Trainerin Pollmann in den Raum wirft. Manche Zuhörer wirken überrascht und ernüchtert. Vor allem die Gesichter der Kinder werden länger und länger, als die Trainerin erklärt, dass man einen Hund erst ab 18 Jahren führen dürfe - Kinder könnten höchstens mit einer zweiten Leine „helfen“.
Geduldig erklärt Pollmann die Gründe für die zahlreichen Verbote, die vor allem der Sicherheit von Hund und Mensch dienen. Vieles habe außerdem versicherungstechnische oder gesundheitliche Gründe. Leckerchen zum Beispiel. Die seien streng verboten. Manche Hunde verteidigen ihr Futter und werden aggressiv. Zudem haben die Vierbeiner feste Futterzeiten.
Fresse der Hund nicht, weil er noch satt von den Leckerli sei, müsse der Pfleger von einer Krankheit ausgehen. Kostspielige Untersuchungen seien die Folge. Vom Stress für die Tiere ganz zu schweigen. Wer daher beim Füttern erwischt werde, bekomme nach einer Verwarnung die Gassi-Lizenz entzogen.
Die Liste der diversen Verbote und Gebote ist lang: Spielzeuge, den Hund von der Leine lassen, woanders Gassi gehen als im angrenzenden Wald, dem Hund Kommandos beibringen, Zecken entfernen, das Tier abtrocknen, allzu überschwängliche Begrüßungen in den Gängen des Tierheims, abgehauenen Hunden hinterherlaufen - alles untersagt.
Wichtig seien jedoch ein Handy mit der Nummer des Tierheims und eine Tetanus-Impfung. Außerdem solle man auf Durchfall oder Auffälligkeiten beim Hund achten. Im Grunde gehe es nur darum, das Tier gesund von A nach B zu bringen, wie Pollmann betont.
Der Mensch sei dabei von Anfang an Nebensache. „Die ersten zehn Minuten hat der Hund sowieso nichts anderes zu tun als zu laufen, zu schnuffeln und sein Geschäft zu erledigen. Danach checkt das Tier vielleicht mal, wer da hinten an der Leine hängt,“ erklärt die Hundetrainerin.
Man solle außerdem stur weitergehen, wenn man auf andere Hunde träfe. Auf keinen Fall stehen bleiben oder in die Nähe der fremden Vierbeiner kommen - das provoziere das Territorialverhalten des Hundes. Sollten dennoch einmal zwei Vierbeiner aneinander geraten, helfe eine Wasserflasche.
Wer mit den Händen dazwischen greife, werde gebissen. Nach der Schulung werden die Gassigeher-Ausweise an diejenigen Verteilt, deren Mitgliedsantrag bereits bearbeitet wurde. Wer erst heute einen ausfüllt, muss ein paar Wochen warten.
Tierfreunde wie Sandra Lenski schrecken die Regeln und die Einstiegshürden nicht ab. Die Angestellte bei der Bundesagentur für Arbeit hat drei Hunde zu Hause und meldet sich jetzt trotzdem als freiwillige Gassigeherin. „Das macht man aus Überzeugung,“ beantwortet Lenski die Frage, ob das nicht ziemlich stressig sei.
„Außerdem geben die Hunde einem so wahnsinnig viel zurück, wenn man Zeit mit ihnen verbringt.“ Einer ihrer Hunde sei ein schwieriger Fall gewesen und habe lange im Tierheim gesessen. „Ohne freiwillige Gassigeher hätte er nie wieder das nötige Vertrauen zu Menschen gewonnen und wäre unvermittelbar geblieben.“
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.
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