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VAG droht Konkurrenz: Bald private Anbieter in Nürnberg?

Stadt muss das Nahverkehrsnetz neu vergeben - Angebot nur als Gesamtpaket - 12.04.2018 10:33 Uhr

Rein und raus: Private Anbieter könnten neuen Wettbewerb in Nürnbergs Nahverkehr bringen. © Mark Johnston


Da kommt im Jahr ganz schön was zusammen. 21,7 Millionen Nutzwagenkilometer legen die Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen der städtischen Verkehrsbetriebe zurück. Um dieses Streckennetz geht es, wenn die Stadt Nürnberg in den nächsten Tagen im europäischen Amtsblatt verkündet, dass sie dieses ab Ende 2019 wieder vergeben möchte.

Was nicht in der Ausschreibung steht: Im Rathaus und in der VAG-Zentrale am Plärrer geht man davon aus, dass kein anderer Anbieter in der Lage ist, solch ein komplexes und verwobenes Streckennetz wie in Nürnberg aus dem Stand übernehmen kann. Man will also dem EU-Recht Genüge tun, aber gleichzeitig soll möglichst alles beim Alten bleiben. Dazu gibt es das Netz nur als Ganzes. "Wir möchten nicht, dass sich private Anbieter die Rosinen herauspicken", erklärt Michael Ruf, Leiter des Stabs Stadtentwicklung und enger Vertrauter von Oberbürgermeister Ulrich Maly. Wie zum Beispiel die Ringbus-Linien, auf denen Fahrgäste unterwegs sind.

Der Stadtrat hat am Donnerstag dem Veröffentlichungstext der Direktvergabe (so der Fachbegriff) im EU-Amtsblatt zugestimmt.

Detaillierte Vorgaben

In dem Dienstleistungsauftrag ist haarklein festgehalten, was der künftige Betreiber (eben wohl wieder die VAG) alles erfüllen muss. Das reicht von den erwähnten Streckenkilometern (zuzüglich künftiger Linien) über die Instandhaltung und Erneuerung der Infrastruktur (Wagen, Schienennetz und Bahnhöfe) bis hin zur tariflichen Bezahlung der Mitarbeiter. Die Bedien- und Taktzeiten zu den Haupt-, Neben- und Schwachverkehrszeiten sind ebenso vorgegeben wie die Öffnungszeiten des Kundencenters in der Innenstadt.

Volker Wolfrum vom Finanzreferat der Stadt, der mit Ruf in den vergangenen Monaten an den Entwürfen für den Text gearbeitet hat, ist sich sicher, dass kein anderes Unternehmen diesen Auftrag anstreben wird. Auch weil das Defizit der VAG bei rund 80 Millionen Euro liegt. "Pro Jahr", betont er. "Das kann keiner einsparen, weil es viele fixe Kosten gibt."

Doch die Verordnung aus Brüssel verlangt nun einmal, dass der Auftrag eben EU-weit und transparent veröffentlicht wird. Ab Dezember 2019 läuft dann die neue Phase für das Nahverkehrsangebot. Über 22,5 Jahre, so Ruf und Wolfrum. Also bis ins Jahr 2043. In Zweckverbands-Vereinbarungen ist auch der Bus- und U-Bahnverkehr in die Nachbarstädte und ins Umland (inklusive der Nightliner) geregelt. "Für die Kunden", da sind Ruf und Wolfrum zuversichtlich, "wird sich in Nürnberg durch das neue Verfahren nichts ändern."

Bilderstrecke zum Thema

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Andreas Franke Leiter der Lokalredaktion E-Mail

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