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Viele, wenn nicht alle Wege führen dort hin

Zwischen Pegnitz und Piazza vom 24. März 2012 - 23.03.2012 13:22 Uhr

Vor ein paar Tagen saß ich im Zeitungs-Café Hermann Kesten. Draußen schien die Sonne, und ich dachte: Der Frühling ist wieder da! Bei diesem herrlichen Wetter bekommt man schon richtige Frühlingsgefühle und damit auch wieder Lust zum Reisen.

Hatte die Reiselust auch den Schriftsteller Hermann Kesten 1953 nach Rom geführt? Für ihn war es keine Bildungsreise, wie sie viele deutsche Künstler und Autoren schon lange vor ihm unternommen hatten. War „la dolce vita“ (das süße Leben) an seinem über 20 Jahre währenden Aufenthalt nella città eterna (in der ewigen Stadt) schuld? Immerhin schrieb der Ehrenbürger der Stadt Nürnberg 1968 auch seinen Essay „Die Lust am Leben – Boccaccio, Aretino, Casanova“.

Das Dolce Vita ist inzwischen zum Wahrzeichen Roms und der ganzen Halbinsel geworden. Dank dieser „Marke“ stimulieren Restaurants, Cafés, Hotels, Wellnessanlagen oder Modemarken weltweit die Glückshormone der Menschen. Irgendwie bleibt es mir aber heute noch ein Rätsel, warum ausgerechnet ein Land wie Italien, das ständig von Krisen geschüttelt wird und wo der Glücks-Index im Vergleich zu den europäischen Ländern eher bescheiden ist, die Lust und den Genuss am Leben repräsentiert und mit diesem Versprechen die Nordeuropäer zu positiven Fantasien animiert? Wahrscheinlich weil das milde Klima, die Sonne, das gute Essen, ein Motorroller und die Liebe wohl reichen, um den Menschen glücklich zu machen!

1953 erschien auch der Film „Vacanze romane“ („Ein Herz und eine Krone“) mit Audrey Hepburn und Gregory Peck: Hatte dieses Bild der Stadt zur Kestens Entscheidung beigetragen, Rom als seinen Wohnsitz zu wählen? Vielleicht konnte er sich gegen die schicksalhafte Redensart: „Tutte le strade portano a Roma“ (Alle Wege führen nach Rom) einfach nicht wehren! In Italien besagt diese Redensart, dass es immer einen, wenn auch langen oder gewundenen Weg zum Ziel gibt.

In der deutschen Sprache heißt es aber: „Viele Wege führen nach Rom“: Wahrscheinlich hat man die ziemlich egozentrische Vorstellung nicht geteilt, dass Rom der geistige und auch physische Mittelpunkt der Welt sei, und wollte damit nur sagen, dass es mannigfaltige Möglichkeiten gibt, ein Ziel zu erreichen. In den glorreichen alten Zeiten der Stadt liegt auch Herkunft der Redensart: „Roma non fu fatta in un giorno“ (Rom wurde nicht an einem einzigen Tag erbaut), die bedeutet, dass alle wichtigen Unternehmen Zeit und Geduld brauchen – handelt es sich hier nicht eher um eine Art Plädoyer für die typisch römische Gelassenheit? Aber vielleicht ho capito Roma per Toma (habe ich das völlig missverstanden; wörtlich: habe ich Roma statt Toma verstanden)!

Wer war Hans Dürer?

Die Frage „Was führt Sie nach Rom?“ beschäftigte auch die Autorin Ulrike Rauh in ihrem neuesten Buch „Spaziergänge durch Rom“. Die Nürnberger Schriftstellerin führte nicht nur ihre Italienliebe ins Herz Italiens, sondern auch der „Auftrag“, ein Buch über die Hauptstadt zu schreiben. In einem römischen Palazzo entdeckte sie ein Bild von Hans Dürer – dem jüngeren Bruder von Albrecht Dürer. Beide Dürer waren aber wahrscheinlich nie in Rom, obwohl sich Albrecht so sehr gewünscht hatte, caput mundi (die Hauptstadt der Welt) einmal zu besichtigen. 

Nicoletta De Rossi E-Mail

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