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Jeder der beteiligten Musiker ist eine Granate auf seinem Instrument, so dass man abschließend keinen der Künstler zum Star des Abends küren kann: Alle vier der sympathischen jungen Männer sind Stars und dennoch bemüht, sich nicht in den Vordergrund zu spielen. Die ganze Bandbreite des Jazz haben die Musiker im Programm, selbst Komponiertes, Interpretationen von Klassikern, angefangen von Bebop-Nummern über Traditionelles, Balladen, Melodisches ebenso wie eher freie Rhythmen, aber auch moderne Funk-Groove-Töne erklingen im Kellerraum.
Der Chef, Andi Kissenbeck, der an der Orgel mit einem Leslie-Lautsprecher für den original Hammond-Sound sorgt, erzählt zu (fast) jedem Stückchen eine Hintergrundgeschichte, tut dies mit wenigen Worten, zurückhaltend, aber humorvoll. Der Musik-Professor, der so gar nicht wie ein Professor aussieht, hat seine Männer gut im Griff, verständigt sich mit ihnen ohne Worte, ein Blick genügt und der Solist weiß, dass die Band wieder einsteigen will, und nimmt sich zurück.
Erst war er Nachwuchstalent, dann Geheimtipp, dann Shooting Star und nun ist er eine feste Größe, die nicht nur aus der regionalen Szene nicht mehr wegzudenken ist: Der Gitarrero Torsten Goods verblüfft mit seiner Halbakustischen die Zuhörer stets aufs Neue und setzt am Ende der Show als Sahnehäubchen noch ein paar Gesangsstücke drauf.
Seine wieselflinken Finger und die unnachahmlichen Gitarrenläufe ziehen das Publikum in ihren Bann, ebenso wie Tenorsaxofonist Peter Weniger, der an diesem Abend alles gibt, seinem Horn die unterschiedlichsten Töne entlockt, bis er schwitzt im kühlen Kellerraum und dann bescheiden lächelnd den stürmischen Zwischenapplaus des Publikums entgegennimmt. Er macht alles mit seinem Instrument, lässt schnelle boplastige Spannungsbögen auf balladige, melodiös-harmonische folgen, er macht, dass das Saxofon krächzt, dann wieder geschmeidig-lyrisch-rein klingt.
Auch der Schlagzeuger Tobias Backhaus überrascht mit einer enormen musikalischen Vielfalt am Set. Auffallend, dass der junge Mann keineswegs vor Drum-Soli zurückschreckt, sich nicht lang bitten lässt, sondern mit großem Vergnügen jede Gelegenheit ergreift, um zu zeigen, was in Trommeln und Becken steckt.
Andi Kissenbeck schließlich zeigt, dass die Hammond-Orgel keineswegs zum unbrauchbaren Musikmöbel der Sechziger Jahre verkommen ist und lässt die Finger über die Manuale fliegen, während die Füße auf den Pedalen umherhupfen oder zumindest den Takt klopfen. Überhaupt spielt das Quartett viel auf Geschwindigkeit, ohne dass es dabei sonderlich angestrengt wirkt. Musik mit Seele und netten kleinen Gags, witzige musikalische Gimmicks, erfrischend knappe informative und humorvolle Zwischenmoderation - die vier machen alles richtig. Vielseitigkeit ist bei ihnen angesagt, Virtuosität, Kompliziertes, das nicht kompliziert wirkt, und gleichzeitig haben sie keine Angst vor Harmonien, elegischen Weisen, ja nicht einmal vor Tanzmusik.
Gegen Ende der Vorstellung geraten sie fast ein bisschen ins Improvisieren, Torsten Goods, der charismatische Klampfer, scattet, der Teufelskerl am Saxofon gerät in Ekstase, der Drummer lässt‘s krachen und der Bandleader lächelt zufrieden, während er die Tasten bearbeitet und einmal mehr beweist, dass der Hammond-Sound nicht bei Franz Lambert stehen geblieben ist.
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