Dienstag, 20.11.2018

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Was wird aus den Atombunkern?

Wenn der Bund die Schutzräume aufgibt - 19.01.2011 07:00 Uhr

Der Atombunker unter dem Hauptbahnhof ist mit fast 2500 Plätzen der größte Schutzraum in Nürnberg. Vor zwei Jahren hat der Förderverein Nürnberger Felsengänge Führungen durch die Anlage angeboten, die – wie auch Führungen durch andere Bunker – auf großes Interesse stießen. © Roland Fengler


Schützenhilfe bekommt der Verein jetzt von der Ausschussgemeinschaft „Die Bunten“ im Stadtrat, die ebenfalls einen Bunker für Besichtigungszwecke konservieren möchte. Auch in der Stadtverwaltung hat man begonnen, sich mit dem Thema zu beschäftigen – Entscheidungen sind aber noch nicht gefallen.
 

Im Stadtgebiet existieren 20 ABC-Bunker zum Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Kampfstoffen. Sechs davon sind mit einer aufwändigen Technik ausgestattet, das heißt, sie verfügen etwa über Kühlanlagen, Dieselaggregate und Brunnen. Die anderen 14 besitzen nur eine einfache Technik mit Lüftern und Filteranlagen. Von den 20 Bunkern befinden sich zwei im Eigentum des Bundes, zwei im Besitz des Freistaats Bayern, zehn gehören der Stadt Nürnberg. Den Rest machen Privatanlagen aus, die anders genutzt werden, zum Beispiel als Tiefgaragen. Alle 20 Anlagen zusammen würden im Ernstfall gerade einmal zwei Prozent der Nürnberger Bevölkerung Schutz bieten.

Bilderstrecke zum Thema

Einblicke in den Wodanbunker

Anfang Januar wird der Bunker in der Wodanstraße für Besucher geöffnet. Fotograf Eduard Weigert hat vorab einige Bilder machen dürfen.


Die Kommune muss nach dem Zivilschutzgesetz die Bunkeranlagen warten und das Personal dafür zur Verfügung stellen, erläutert Bernhard Hegendanz, im Hochbauamt für Bunkerverwaltung zuständig. Der Bund finanziere notwendige Reparaturen sowie Betriebsstoffe wie Öl, Wasser und Strom.

Das sei der bisherige Stand, so Hegendanz. Nun aber wolle der Bund die Atombunker nach und nach aufgeben – allerdings sei bisher nicht klar, „nach welchem Fahrplan“. Die bundeseigenen Schutzräume in der Landgrabenstraße und im Bleiweißviertel wurden bereits geräumt und die Liegenschaften „rückabgewickelt“, wie es im Fachjargon heißt. Hegendanz vermutet, dass die privaten Anlagen als nächstes freigegeben werden. Sobald der Bund die Order erteile, werde auch die Stadt ihre Bunker aufgeben und für eine anderweitige Nutzung heranziehen, beispielsweise als Lagerräume. Entschieden sei in diese Richtung allerdings noch nichts.

Hegendanz weiß, „dass es Wünsche gibt“, zumindest einen Schutzraum für Besichtigungszwecke zu erhalten. Eine mündliche Anfrage dazu sei vom Förderverein Nürnberger Felsengänge gekommen. Dessen stellvertretender Vorsitzender Oliver Schmidtgen bestätigt, dass sein Verein Interesse hat, künftig regelmäßig Besuchergruppen und Schulklassen Führungen durch einen ABC-Bunker anzubieten: „Das wäre für Schüler, die gerade die Zeit des Kalten Krieges durchnehmen, doch ein anschaulicher Geschichtsunterricht.“

Nun machen sich auch „Die Bunten“ im Stadtrat für die Erhaltung eines Schutzraums stark. Sie haben einen Antrag zur Behandlung des Themas im zuständigen Ausschuss gestellt. Laut FDP-Stadträtin Christiane Alberternst „stehen die ABC-Bunker für ein wichtiges Kapitel deutscher und europäischer, ja der Weltgeschichte“. Sie machten eindrucksvoll deutlich, welche Auswirkungen die atomare Aufrüstung auf die Bevölkerung hatte und welche Folgen ein Atomkrieg gehabt hätte. Kommende Generationen sollten daher die Möglichkeit haben, Geschichte nicht nur aus dem Lehrbuch zu lernen, sondern eigene Eindrücke an Orten wie solchen Schutzräumen zu sammeln. 

Ute Wolf E-Mail

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