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Bananen machen glücklich, sagt man. Aber Klaas-Jan Huntelaar sah ziemlich traurig aus. Eine Banane in der Rechten, sollte er die 1:2 (0:0)-Niederlage des FC Schalke 04 beim 1.FC Nürnberg erklären; viel Entlastendes fiel dem niederländischen Weltklassestürmer nicht ein. „Ich bin völlig unzufrieden“, fasste nebenan sein Trainer Felix Magath die Stimmung zusammen.
Wieder nichts. Weltklasse auf der einen Seite – mit dem von der AC Milan geholten Huntelaar, mit Real Madrids Jahrhundertstürmer Raúl González Blanco –, andererseits Schmitz, Matip und Papadopoulos, dazu der immer noch als fußballerischer Pflegefall geführte Ex-Sommermärchenheld Christoph Metzelder: Es mag weiterhin keine Mannschaft daraus werden. Entsprechend sauer war Magath diesmal; seine Männer, bemerkte er, hätten sich einfach auch partout keine Mühe gegeben, als Team aufzutreten.
Beim 1.FC Nürnberg fiel die Stimmungslage exakt gegenteilig aus. Junge Talente wie Mike Frantz, Ilkay Gündogan, Mehmet Ekici oder Julian Schieber, die Routine eines Per Nilsson oder eines diesmal auffällig starken Timmy Simons, dazu ein wieder höchst verlässlicher Kapitän wie Andreas Wolf: Es wird immer mehr Mannschaft daraus; das war der auffälligste Unterschied beim Treffen der beiden Altmeister, das Nürnberg verdientermaßen mit dem ersten Sieg über Schalke 04 seit mehr als elf Jahren beendete.
„Wir finden jetzt auch nach Rückschlägen Lösungen“, erklärte Mike Frantz unter Verweis auf die Lernerfolge aus der Vorsaison, die für einen großen Teil der Mannschaft (auch) ein Lehrjahr gewesen sei – und Belege eines fortschreitenden Reifeprozesses fanden sich am Samstag tatsächlich genügend. Gegen das Mittelfeld-Trio Jefferson Farfan, Jermaine Jones und Marin Jurado stellte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking sein System früh von einem 4-2-3-1 auf ein 4-4-2 um; Jens Hegeler rückte nach hinten, Frantz in die Spitze. Die anspruchsvolle Rochade gelang, den Weltklassestürmern Raúl und Huntelaar blieben die Nachschubwege abgeschnitten; exakt eine Torchance resultierte aus den ersten 45 Minuten – für Nürnberg, Schieber scheiterte an Nationaltorwart Manuel Neuer.
Und als das Spiel nach knapp einer Stunde noch einmal neu begann, sah man, welches Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten sich Heckings Elf inzwischen erarbeitet hat. Nürnberg verlor seinen Torwart Raphael Schäfer, Schalke seinen Antreiber Jones – mit dem Unterschied, dass Schäfer durch Alexander Stephan ersetzt werden konnte, Schalke aber in Unterzahl weitermachen musste.
Jones, nach einer beherzten Grätsche gegen Ekici vorbelastet, sah Gelb-Rot, weil er gegen Schäfer so unkontrolliert nachgesetzt hatte, dass dieser fünf Minuten später „leicht benebelt“ (Mike Frantz) mit einer schweren Gehirnerschütterung weichen musste. Schalke wirkte zu zehnt zunächst aggressiver, Nürnberg gelang ein prächtiger Konter: Simons steil, Schieber quer, Tor Frantz – 1:0, aber Schalke hielt spiegelverkehrt dagegen. Huntelaar steil, Farfan quer, wieder Huntelaar – 1:1, „das darf nicht passieren“, tadelte Kapitän Wolf, aber wie zehn Tage zuvor beim 2:1 über Stuttgart weckte ein später Gegentreffer einen beeindruckenden kollektiven Widerstandsgeist.
Wolf nahm sich der Angelegenheit höchstpersönlich an, und wie: Eckball Ekici, Kopfball Wolf an den Pfosten, nächste Ecke Ekici, wieder Kopfball Wolf – Volltreffer, 2:1, von Hecking mit der schönen Bemerkung versehen, Andreas Wolf habe „gar keine Luft zur Diskussion um ihn gelassen“. Gegen Stuttgart war noch Wolf des Platzes verwiesen worden und in Frankfurt gesperrt, gegen Schalke imponierte der Kapitän nicht nur mit seinem Kampfgeist.
An der Mannschaft wachsen ihre Teile, an Nilssons Seite erinnert ein wiedererstarkter Wolf in der noch jungen Saison wieder an seine besten Zeiten im FCN-Trikot. Neben beiden gefiel Juri Judt mit einer grundsoliden Vorstellung als rechter Verteidiger, und mit welcher Selbstverständlichkeit Pascal Bieler sich links ins Team fand, verblüffte – Bieler spielt ja immer nur mit, wenn das Temperamentsbündel Javier Pinola gerade eine Gelbsperre absitzt (oder, wie diesmal, verletzt ist). Aber seit das Team an Systemstabilität gewonnen hat, fällt auch die Integration leichter.
„Man sieht, was im Kopf passiert ist“, erklärte Torwart Stephan nach seinem Kaltstart: „Die Mannschaft behält die Ordnung bei und spielt gezielt nach vorne.“ Dem jungen Mann aus Niederndorf bei Erlangen, der vor elf Monaten – nach einer vierwöchigen Sperre gegen Raphael Schäfer – als Bewacher einer Schießbude der ärmste Nürnberger im Krisen-Herbst 2009 war, bescherte es den persönlich ersten Bundesliga-Sieg, am Ende dank Wolfs Energieleistung.
Tolles Tor? Ach ja, sagte Andreas Wolf, schon, „ich bin einfach noch einmal mit voller Wucht rein, aber es war auch eine Super-Ecke von Mehmet“, und überhaupt: Alle hätten sich eben richtig Mühe gegeben, eine gute Mannschaft zu bilden.
Nürnberg: Schäfer (58. Stephan); Judt, Nilsson, Wolf, Bieler – Simons, Gündogan – Hegeler (80. Cohen), Ekici, Frantz (80. Boakye) – Schieber.
Schalke: Neuer; Höwedes, Papadopoulos, Metzelder, Schmitz - Matip – Farfan (76. Jendrisek), Jones – Jurado (46. Kluge) – Raúl (54. Rakitic), Huntelaar.
Schiedsrichter: Fritz (Korb). – Zuschauer: 48548 (ausverkauft). – Tore: 1:0 Frantz (62.), 1:1 Huntelaar (74.), 2:1 Wolf (83.). – Gelbe Karten: Wolf (3) / Höwedes, Metzelder, Schmitz (2). – Gelb-Rote Karte: Jones (53.).

Fr. 25.05.12
Fr. 25.05.12
Fr. 25.05.12
Fr. 25.05.12
Do. 24.05.12