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Kirchenmusikdirektor (KMD) Karl Schmidt bereicherte mit erlesen ausgewählten Orgelwerken und schuf so die notwendigen Atem- und Sitzpausen für die Chorknaben. Die Sparkasse Nürnberg ermöglichte als Sponsor dieses einmalige Konzert.
Der Knabenchor zählt zu den besten Chören der Welt. In einem ambitionierten Programm ließ er a cappella-Chorwerke von der Renaissance (Gotik) bis zur Moderne erklingen. Dem neuen Chorleiter gelang es in einem nahtlosen Übergang, das von seinem Vorgänger Karl-Friedrich Beringer in 30 Jahren erarbeitete hohe Niveau zu halten. Das ist beim jährlichen Wechsel eines Knabenchors nicht einfach.
Von Glockengeläut und herzlichem Beifall begleitet zogen etwa 70 Chorknaben in das ehrwürdige Gotteshaus ein und stellten sich in schwarzem Chorumhang mit weißem Kragen vor dem Altar auf. Allein der optische Eindruck faszinierte. Auf ihren schmalen Schultern ruhten hohe Erwartungen der aus nah und fern gekommenen Zuhörer. Sie wurden vollends erfüllt.
Dekan Thiessen und Matthias Benk, Vorsitzender der Sparkasse Nürnberg als Sponsor des Konzerts, dankten für den zahlreichen Besuch und versprachen ein erlesenes Benefizkonzert zu Gunsten der Dachrenovierung. Unter dem Leitwort „Du höchstes Licht, ewiger Schein“ drang Licht in die Herzen der Menschen, so wie es Martin Lehmann am Ende des Konzerts wünschte.
Bei der vierstimmigen Motette „Mach dich auf, werde Licht“ von Max Reger (1873-1916) bestach der Chor durch Leichtigkeit und Frische der Stimmen, auch bei schwierigen Sätzen immer in makelloser Intonation. Mit ihren obertonreichen Stimmen verliehen die Knaben ihren Interpretationen ein adäquates Klangkolorit. Kristallklare Transparenz des polyphonen Stimmengeflechts, sowie eine wunderbare Textklarheit - bei Motetten unerlässlich - waren vorzügliche Markenzeichen, ebenso die lang ausgesungenen Notenschlüsse.
Was den Chor aber besonders auszeichnet, war der Umgang des Dirigenten mit der Dynamik. Feinste Nuancen vom Fortissimo bis zum hauchdünnen, kaum hörbaren Pianissimo gelangen wunderbar natürlich fließend - und zogen die Zuhörer in den Bann. In andächtiger Stille lauschten sie den erlesenen Darbietungen und schlossen die begabten Knaben sogleich in ihre Herzen.
Von Heinrich Schütz (1585-1672) erklang die Motette für Doppelchor „Aus der Tiefe ruf ich, Herr, zu dir“. Sie wurde in mystischem Ernst, fließender Polyphonie und Wortgebundenheit der Musik, einem dramatischen Schwung bei flächigem Klang der Chöre stilsicher und überirdisch schön gestaltet. Über den gleichen Text eine Vertonung von Christoph Willibald Gluck (1714-87) in barockem Stil und klassischer Eleganz. Von Johann Christoph Bach (1642-1703), einem Vorfahren des Thomaskantors, wurde „Fürchte dich nicht!“ in polyphonen Sequenzen und linearem Stil vorgetragen.
Von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-47) sang der Chor in mildem Licht und romantischer Empfindsamkeit „Richte mich, Gott“ und im achtstimmigen Doppelchor, Knabensopran, -tenor und -bass „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Der verzweifelte Aufschrei des Gottessohnes in der von schwebender Melancholie begleiteten Musik ging unter die Haut. Auch der Chorgesang hüllte sich in Düsternis. Mit zarten Stimmen tröstlich erbauend trugen sie „O selig Licht in Ewigkeit“ vor. Jubilierend als Doppelchor mit langem Atem folgte „Singet dem Herrn ein neues Lied“.
„Die Schöpfungsgeschichte“ von Willy Richter (1839-1901) erklang geheimnisvoll in expressiven Tönen und einem beschwörenden Fugato. Von dem Litauer Vytautas Miskinis (geb. 1954) hörte man in gemäßigt modernem Stil - für die Buben eine Leistung! - mit flirrenden Sekundreibungen ein inniges „Kyrie“.
Klanglich und rhythmisch flexibel erwies sich der Chor bei „Herr, höre meine Stimme“ von dem ehemaligen Windsbacher Helmut Duffe (geb. 1948), von drei Chören klangprächtig interpretiert. Ein delikat zelebrierter „Morgengesang“ für sechsstimmigen Chor von Max Reger ließ ein höchste Erwartungen erfüllendes Chorkonzert enden.
KMD Karl Schmidt bereicherte das Konzert mit festlicher Orgelmusik in farbigen Registern an der renovierten Orgel. Als äußeres Zeichen tief empfundenem Dankes überreichte der Dekan Präsente an Martin Lehmann und Kantor Karl Schmidt. Für den herzlichen, lang anhaltenden Beifall bedankte sich der Chor mit einem feinsinnigen „Nachtlied“ von Max Reger.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.
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