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Dienstag, 22.01.2019

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Ausgaben sind immer noch Tabu-Thema

Interview mit der Vorsitzenden der Stiftung "Deutschland im Plus" - 18.12.2018 19:18 Uhr

Christiane Decker, Jahrgang 1960, ist Vorsitzende der Stiftung „Deutschland im Plus“mit Sitz in Nürnberg. Die Stiftung engagiert sich für private Überschuldungsprävention in Deutschland. Sie hat drei Säulen als Grundlage: 1. Analyse: Entstehung von Schulden und wie man sie umgehen kann; 2. Prävention: Projekte für Schulen sowie für Migranten und die selbst entwickelte Budgetplaner-App „Mein Budget“; 3. Schnelle Hilfe bei Überschuldung per Telefon oder Internet. © Foto: Stiftung


Frau Decker, wie kann man vermeiden, in die Schuldenfalle zu rutschen?

Christiane Decker: Zunächst empfiehlt es sich immer sein Budget im Blick zu haben und sich zu fragen: "Was kann ich mir überhaupt leisten? Kann ich den Kredit zurückzahlen, ohne dass ich finanziell komplett eingeschränkt bin?" Besonders vor Weihnachten locken viele Schnäppchen oder Nullzins-Finanzierungen, von denen man sich nicht zu sehr verleiten lassen sollte. Hinzu kommt der Wunsch, anderen eine Freude bereiten zu wollen. Aber man sollte sich bewusstmachen, dass es oft auch günstigere Alternativen gibt: Kinder freuen sich zum Beispiel ebenso über einen gemeinsamen Spieleabend wie über neues Spielzeug und auch Selbstgemachtes kommt immer gut an.

Wie bringe ich Kindern bei, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen?

Decker: In der Vorweihnachtszeit bietet sich zum Beispiel eine Weihnachtskonferenz in der Familie an: Vielleicht braucht es nicht immer eine neue Anschaffung, vielleicht sind die Wünsche ganz andere? Auch empfehlen wir, dass Eltern frühzeitig mit Kindern über ihr Budget reden. Wenn ein neues Fahrrad benötigt wird, kann gemeinsam und über eine längere Zeit gespart werden? Können Oma und Opa hier auch noch etwas dazugeben? In Deutschland sind Gehalt und Ausgaben leider immer noch Tabu-Themen. Das muss sich ändern. Geld geht alle etwas an und wir sollten versuchen, auch bei Kindern das Bewusstsein dafür zu schärfen. Die Referenten unserer Stiftung sind mit dem Modul "Konsum geplant, Budget im Griff" in deutschen und österreichischen Schulen unterwegs und analysieren mit den Schülern in Rollenspielen, anhand kleiner Filme und sogar Tweets, wie beispielsweise Schulden entstehen und welche Ausgaben nach der Schule auf den Einzelnen zukommen.

Wie früh sollte mit der Sensibilisierung angefangen werden?

Decker: Sehr früh. Es fängt schon beim Taschengeld an, das regelmäßig und nicht nach Bedarf gegeben werden sollte. Denn das Gehalt wird später ja auch nicht dann gezahlt, wenn man es gerade braucht. Es ist natürlich nicht immer leicht, "Nein" zu sagen und auch Ebbe-Phasen durchzuhalten. Aber nur so lernen Kinder dazu. 

Interview: MARINA WILDNER

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