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Developer Week: Humanoider Roboter "Roboy" zieht Blicke an

Entwickler-Konferenz auf dem Nürnberger Messegelände - 15.06.2015 19:59 Uhr

Rafael Hostettler und der von ihm entwickelte humanoide Roboter: "Roboy" kann sich wie ein Mensch bewegen und beispielsweise Hände schütteln. © Roland Fengler


Kopf und Augen sind kindlich-groß, aus dem Brustkorb lugen jede Menge Kabel, Federn und Sensoren: Der Roboter "Roboy" ähnelt von der Statur her einem Menschen, ist aber eindeutig ein Produkt der Technik. "Das Ziel war, einen Roboter zu bauen, der den menschlichen Körper möglichst imitiert", sagt Rafael Hostettler von der TU München am Montag in Nürnberg. Das Besondere an "Roboy" ist sein Bewegungsapparat - der Roboter hat Muskeln, Sehnen und Gelenke, wenn auch nicht ganz so viele wie sein menschliches Vorbild.

Das Ziel: besser verstehen, wie der menschliche Körper funktioniert. Dort spielen mehr als 600 Muskeln reibungslos zusammen, zahllose Gelenke ermöglichen diffizile Bewegungsabläufe und eine perfekte Koordination. "Noch fehlt aber das grundlegende Verständnis, wie die Natur da funktioniert", erläutert Professor Tamim Asfour vom Karlsruher Institut für Technologie.

Dabei wäre dieses Wissen enorm hilfreich. Zum einen könnten Roboter den Menschen damit noch mehr schwierige oder unangenehme Aufgaben abnehmen, etwa in der Industrie. Zum anderen aber könnte vielen Menschen ganz unmittelbar geholfen werden: indem etwa Ärzte verstehen, was bei bestimmten Krankheiten passiert.

Das Gleichgewicht behalten

Die Forscher haben es zum Beispiel geschafft, dass "Roboy" im Sitzen das Gleichgewicht behält, auch wenn man ihn kräftig anrempelt. Das Wissen, welche Muskeln dafür in kürzester Zeit reagieren müssen, könnte bei der Sturzprävention für alte Menschen helfen. Auch nach Schlaganfällen oder anderen Erkrankungen, bei denen das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen wird, könnte "Roboy" einen Weg zur Linderung der Folgeerscheinungen zeigen.



Andere Entwicklungen der Roboterforscher finden heute schon ihren Widerhall im Alltag, etwa in Assistenzsystemen fürs Auto. So warnt der Bordcomputer beim Rückwärtsfahren davor, dass gerade jemand in die Gefahrenzone läuft - dafür braucht die Maschine die Fähigkeit der visuellen Wahrnehmung.

"Humanoide Roboter sollte man als Technologieträger ansehen, wo auf engstem Raum alle Probleme von Sensorik, Motorik und Informationsverarbeitung gelöst werden müssen", schildert Asfour. Er arbeitet an einem Haushaltsroboter, der durch Beobachten und Erfahrungen lernt und inzwischen einen Tisch decken, den Kühlschrank befüllen oder Teig kneten kann.

Grundlagenforschung

Noch seien die Wissenschaftler dabei, die Grundlagen zu erforschen, sagt Asfour. Doch in einigen Jahrzehnten könnte es Roboter geben, die die verschiedensten Fähigkeiten wie Laufen, Sprechen und Lernen kombinieren. Zwar könnten einige Roboter dann auch bösartige Züge annehmen, räumt Asfour mit Blick auf Science-Fiction-Horrorszenarien ein. Er betont aber zugleich: "Sie werden lernen können - aber sie werden nur so lernen können, wie wir sie programmiert haben zu lernen."

Wie hilfreich dies sein kann, haben vor kurzem Forscherteams aus aller Welt in Kalifornien demonstriert. Dort sollten Roboter in einem Katastrophenszenario Wände einreißen, Ventile öffnen und Schalter umlegen. "Das alles hätte in Fukushima helfen können, Schlimmeres zu verhindern", erläutert Asfour. 

Elke Richter, dpa

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