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Nach Insolvenz: Familie Wöhrl startet Comeback-Versuch

Das Management will bis Ende Januar neuen Investor präsentieren - 03.01.2017 13:31 Uhr

Olivier, der Sohn von Gerhard Wöhrl, will nicht aufgeben. Zusammen mit seinen Schwestern, Söhnen von Hans Rudolf Wöhrl und zwei externen Investoren bietet er für eine Übernahme der insolventen Modehaus-Kette. © Stefan Hippel


Eigentlich hat sich Olivier Wöhrl - Enkel des Firmengründers Rudolf und bis zum Insolvenzantrag im September 2016 Vorstandschef der Wöhrl AG - zum Jahresende von den Beschäftigten der Nürnberger Modehaus-Kette verabschiedet. Doch es muss kein Abschied für immer sein.

Wie Olivier Wöhrl am Montag auf Anfrage bestätigte, versucht er zusammen mit seinen beiden Schwestern, mit seinen Cousins und zwei externen Investoren die Firma aus der Insolvenz heraus zu übernehmen: "Dabei verfolgen wir das klare Ziel, Wöhrl möglichst als Ganzes auf Basis der in den vergangenen Monaten eingeleiteten Maßnahmen für die Zukunft neu aufzustellen und eine möglichst gute Lösung für Gläubiger und Mitarbeiter zu finden", teilte er mit.

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Oliviers Vater Gerhard, der zum Jahreswechsel in einer Mail an die Beschäftigten ebenfalls seinen Abschied bekannt gab, hatte darin bereits klargestellt, dass die kommende Generation der Wöhrls "ein sehr herzliches Verhältnis untereinander" pflege.

Nicht tatenlos zusehen

Mit von der Partie könnten künftig also auch die Söhne von Hans Rudolf Wöhrl sein. Er hatte sich im Jahr 2011 aus dem Unternehmen zurückgezogen und seine Anteile komplett an die Familie von Gerhard Wöhrl verkauft. Auch Hans Rudolf Wöhrl hatte nun ein Angebot zur Rettung der Kaufhaus-Kette eingereicht, weil er nicht "tatenlos beim Untergang der Firma Wöhrl zusehen" wollte.

Doch es wurde vom Gläubiger-Ausschuss abgelehnt. "Leider wollte der Bares und keine Beteiligung der Gläubiger", erläuterte Hans Rudolf Wöhrl auf Anfrage. "Schade, aber ich brauche mir nicht den Vorwurf zu machen, es nicht wenigstens versucht zu haben", ergänzte er. Hans Rudolf Wöhrl wollte nach eigenen Angaben die Gläubiger mit einem Viertel an dem künftigen Unternehmen beteiligen, statt sie auszuzahlen. "Damit, so dachte ich, würden sie nicht nur besser als bei jedem anderen Vergleich wegkommen, sondern hätten langfristig sogar die Chance, ein gutes Geschäft zu machen."

Rund 45 Millionen Euro Schulden

Für beides - eine angemessene Bedienung der Gläubiger und ein Millionenbetrag für einen Wöhrl-Neuanfang - hätte er nicht genügend Mittel frei machen können, ohne seine anderen Firmenbeteiligungen zu gefährden, erläuterte er. Schließlich haben allein die Anleihe-Gläubiger Ansprüche von rund 30 Millionen Euro angemeldet. Die Gesamtverschuldung gab das neue Management zu Beginn des Verfahrens mit rund 45 Millionen Euro an. Hinzu kommt ein guter zweistelliger Millionenbetrag, der für den Neuanfang nötig ist.

Hans Rudolf Wöhrl hatte sein Geld nach dem Abschied von der Modehauskette unter anderem in die Expansion der Münchener Textilkette Ludwig Beck investiert, die mit seinem im vergangenen Jahr erworbenen Ableger Wormland seit einigen Monaten auch ein Haus in Nürnberg betreibt.

Die Enkel des Firmengründers, die nun zusammen als Bieter auftreten, sind gemeinsam - wie auch Hans Rudolf Wöhrl - Anteilseigner an der Beteiligungsgesellschaft Tetris, der auch ein Teil der an die Wöhrl-Modekette vermieteten Immobilien gehört.

Weiterer Bieter im Rennen

Neben der Gruppe um die Wöhrl-Enkel scheint mindestens noch ein weiterer Bieter im Rennen zu sein: die Firma Modepark Röther mit Sitz im Landkreis Schwäbisch Hall. Das Unternehmen betreibt knapp 40 Filialen - 39 in Deutschland und eine in Salzburg und ist wie Wöhrl ein Familienunternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern. Auch in Schwabach gibt es einen Modepark Röder. Allerdings werden die Chancen für eine Übernahme nach Angaben aus Unternehmenskreisen als nicht allzu hoch bewertet. Ob es darüber hinaus weitere Interessenten gibt, war nicht zu erfahren.

Gerhard und Hans Rudolf Wöhrl, die das Unternehmen einige Jahre gemeinsam geführt haben, wollen aber anscheinend auch bei einem Neustart unter Führung von Familienmitgliedern keine Rolle mehr spielen: "Für meine Familie und mich war es das bitterste Jahr unseres Lebens", schrieb Gerhard Wöhrl im Rückblick. "Zusehen zu müssen, wie die einst so kraftvollen Firmen nicht mehr in der Lage sind, mit operativem Gewinn zu arbeiten und sich die Verluste zusehends von den Gesellschaftern ausgleichen lassen müssen, hat mir sehr wehgetan." Irgendwann seien die Mittel seiner Familie erschöpft gewesen, begründet Gerhard Wöhrl den Weg zum Insolvenz-Gericht.

SinnLeffers schuld am Niedergang?

Zumal seine Familie mit SinnLeffers eine zweite Baustelle hatte. Der Seniorchef widersprach aber Behauptungen, dass der Erwerb der nun ebenfalls insolventen Modehauskette SinnLeffers direkt für den Wöhrl-Niedergang verantwortlich sei: "Gelitten haben nur meine Kinder als Gesellschafter von SinnLeffers und ich." Er räumt aber ein, dass damit Kapital vernichtet wurde, "welches wir vielleicht in der Krise lieber für Wöhrl verwendet hätten".

Stammbaum Wöhrl © NN-Infografik


Wie es weitergehen könnte mit dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern streift Wöhrl in dem Brief nur am Rande: Ohne eine radikale Sanierung sei Wöhrl nicht überlebensfähig. Und eine Zentrale wie in Langwasser "kann sich ein Händler mit einem Umsatzvolumen wie Wöhrl nicht mehr erlauben in der heutigen Zeit".

Besonders bei den Mitarbeitern dürfte die Mail die Stimmung zum Jahreswechsel nicht gehoben haben. Noch immer scheint zwischen den Arbeitnehmervertretern und dem Management Missstimmung zu herschen. So beklagen Gewerkschaftsvertreter weiter, dass es trotz mehrfacher Aufforderung mit ihnen keine Verhandlungen über das Schicksal der Beschäftigten gebe. 

Josef Hofmann

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