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Siemens-Tochter an der Börse: Ein guter Tag für Joe Kaeser

Konzernchef folgt mit schrittweiser Auflösung dem Diktat der Finanzmanager - 16.03.2018 15:13 Uhr

Siemens-Chef Joe Kaeser baut den Konzern um: Der Börsengang der Medizinsparte spült dem Unternehmen rund vier Milliarden Euro in die Kassen. © dpa


 Ein guter Tag für Siemens-Chef Joe Kaeser. Der kommt mit seinen Plänen, aus dem Industriekonzern einen "Flottenverband" weitgehend selbstständiger Unternehmen zu formen, eine großen Schritt voran. Ähnliches soll mit der mit Alstom zusammengelegten Bahntechnik passieren, die Windsparte hat er durch den Zusammenschluss mit der spanischen Gamesa bereits aus dem Konzern herausgebrochen.

Ob es auch ein guter Tag für das über 170 Jahre alte Unternehmen und seine Mitarbeiter war, ist keineswegs sicher. Erstens ist die Medizinsparte bisher der größte Ertragsbringer von Siemens – eine Perle also. Je mehr sie aus dem Konzern entfernt wird – weitere Aktienverkäufe werden wohl folgen – , desto weniger profitiert der Konzern insgesamt von dieser Ertragssäule.

Und das führt – zweitens – zum eigentlichen Problem der Strategie Kaesers. Er folgt mit seiner schrittweisen Auflösung des Konzerns dem kurzatmigen Diktat der Finanzmanager, die es am liebsten mit klar strukturierten, berechenbaren Investitionsobjekten zu tun haben, nicht mit einem unter einem Konzerndach vereinten Konglomerat an unterschiedlichsten Aktivitäten. Gerade diese Sammelsurium unterschiedlichster Standbeine aber hat Siemens bisher vor allzu großem Schaden bewahrt, wenn einmal ein Bereich nicht so lief.

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Es gab ja immer mehrere Stützen, die das Gesamtunternehmen mit seinen heute 380.000 Mitarbeitern stützten konnten. Wer aber ist künftig da, wenn es der verselbstständigten Medizinsparte einmal schlecht gehen sollte? Wer fängt die Mitarbeiter auf, die dann vielleicht nicht mehr gebraucht werden? Und wer liefert dann das Geld für notwendige Investitionen? Kaesers verfolgt eine riskante Strategie – und das auch noch ohne erkennbare Not. 

Klaus Wonneberger

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