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Software aus Nürnberg global unterwegs

Mittelständische Iso-Firmengruppe steuert auf Wachstumskurs — Beschäftigtenzahl soll weitersteigen - 31.07.2010

„Wir suchen Informatiker und Betriebswirte“: Harald Goeb, Inhaber der Nürnberger Iso-Gruppe, mit Marketingchefin Barbara Nägerl. © Michael Matejka


Informatiker. Bei diesem Wort denken viele an blasse Denkertypen, die über für Normalbürger kryptische Computerdaten brüten und Denglisch reden. Harald Goeb ist Informatiker — und das glatte Gegenteil dieses Klischees: Er hat eine frische Gesichtsfarbe und wache Augen, lacht gerne, spricht verständlich über seine Arbeit — wobei er sein Gegenüber genau beobachtet, ob alles richtig ankommt. Das ist dem Unternehmer, der auch Betriebswirt ist, wichtig. Im Zweifel hakt er nach, erklärt.

1979 hat sich Goeb selbstständig gemacht. Mit seinem Kollegen Walter Eder gründet er die Iso Software Systeme GmbH in München. 1981 wird der Standort Nürnberg eröffnet, der seit Jahren der Firmensitz ist. Das Unternehmen, aus dem sich Eder 1996 zurückzog, wächst stetig. Neben der Zentrale und fünf deutschen Niederlassungen gibt es inzwischen Tochtergesellschaften in Österreich, Polen, Kanada und im arabischen Dubai. Insgesamt stehen heute 340 Beschäftigte auf der Gehaltsliste, 280 davon arbeiten in Nürnberg.

Herz schlägt in Franken

In der Frankenmetropole schlägt das Herz der Iso-Gruppe, daran hat die internationale Expansion nichts geändert. Hier in Nürnberg befindet sich das Zentrum der Software-Entwicklung des Mittelständlers. Dieses Wissen am Standort zu halten, betont Goeb, „das gehört zu unserer Firmenphilosophie“.

Und noch etwas zählt dazu: neue Geschäftsfelder zu erschließen. Neben der Entwicklung von Software — angefangen von Programmen für Anlagensteuerungen in der Industrie über Lösungen für Reiseveranstalter bis hin zu Software zur Flugsicherung an Airports — setzt die Iso-Gruppe verstärkt auf SAP-Beratung, speziell auf die Pflege von Datenbeständen und damit die Datenqualität. Diese Informationen schlank und aktuell zu halten, ist für Firmen bares Geld wert: Karteileichen und Mehrfacherfassungen kosten unnötig, etwa bei Kundendaten, „aber auch bei der Materialverwaltung in Industrieunternehmen“, erklärt Goeb mit Blick auf die in seinem Haus entwickelte Software.

Auf das Datenqualitäts-Managementsystem made in Nürnberg setzt zum Beispiel der Tüv Süd. Auch große Industriefirmen nutzen die fränkische Lösung — Namen will Goeb jedoch nicht nennen.

Kein Geheimnis macht der Mittelständler dagegen aus dem Umsatz. Nach 24,8 Mio. € im Krisenjahr 2009 peilt der Iso-Chef heuer 29 Mio. € an. Zum Vergleich: 2004 hatte das Unternehmen 18,5 Mio. € erwirtschaftet. Gewachsen ist die Iso-Gruppe sowohl organisch als auch durch Zukäufe. Ende 2007 hatte sie die Mehrheit an dem SAP-Beratungsspezialisten Faber Castell Consulting erworben, der heuer komplett auf die Iso-Gruppe übergeht. Im vergangenen Jahr wurde zudem ein kleines Softwarehaus in Neckarsulm übernommen, das auf die Touristikindustrie konzentriert ist.

Auch den Personalstand, der nach den Worten des Iso-Inhabers in der Wirtschaftskrise bewusst nicht verkleinert worden war, will das Nürnberger Unternehmen weiter ausbauen. „Wir suchen Informatiker und Betriebswirte“, erläutert Goeb und meint damit nicht nur Männer.

Die stellen momentan zwar noch die große Mehrheit: Laut Marketingchefin Barbara Nägerl liegt der Frauenanteil in der Firmengruppe aktuell bei rund 17 Prozent — doch waren es früher noch weniger, wie sie hervorhebt. Und gemessen an der IT-Branche insgesamt mit einer Frauenquote von 13 Prozent sei die Iso-Gruppe überdurchschnittlich, wie Nägerl mit Verweis auf Zahlen des Statistischen Bundesamts für 2009 erklärt.

Noch reine Männerrunde

Der achtköpfige Führungskreis der Iso-Gruppe ist bislang eine reine Männerrunde. Das allerdings ist kein Dogma, wie Goeb sagt. Aber noch seien seine Mitarbeiterinnen nicht so weit, diese Aufgaben wahrzunehmen. „Das kann in ein paar Jahren ganz anders aussehen“, unterstreicht der Firmenchef. Als Patriarch sieht er sich übrigens nicht: Entscheidungen werden seinen Worten zufolge im Führungsgremium demokratisch getroffen. Diese Art Teamwork war nicht von jeher selbstverständlich, erzählt der Unternehmer ganz offen: „Dass dies für die Firma gut und richtig ist, habe ich im Laufe der Zeit gelernt.“

Ans Aufhören denkt der 60-Jährige noch lange nicht, gleichwohl hat er die Nachfolge bereits geklärt. „Führungskräfte der Firma und Mitglieder meiner Familie werden später die Geschäftsleitung bilden“, erklärt Goeb. Doch wie gesagt: Noch ist es nicht so weit. Erst einmal will er weitere neue Geschäftsfelder beackern, wie etwa die IT-Beratung von Banken. Angst, sich zu verzetteln, hat der Mittelständler nicht. Sich breit aufzustellen, gehört zur Devise des Unternehmers: „Das macht resistenter gegenüber Krisen.“ 

VERENA LITZ

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