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Stehpaddler durchpflügen die Kanu-Messe

Trend aus den USA zeigt auf Nürnberger Schau Präsenz — Zeichen der Branche stehen auf Wachstum - 06.10.2010 14:02 Uhr

Braucht keinen Wind, um voranzukommen: Stehpaddler Moritz Martin (im Bild) sieht große Vorteile gegenüber Surfern. Die neue Sportart aus den USA ist auf  der Kanu-Messe nicht zu übersehen.

Braucht keinen Wind, um voranzukommen: Stehpaddler Moritz Martin (im Bild) sieht große Vorteile gegenüber Surfern. Die neue Sportart aus den USA ist auf der Kanu-Messe nicht zu übersehen. © Michael Matejka


auf der dreitägigen Kanu-Messe in Halle 12 geht es bunt zu. Boote werden hier befühlt, umgedreht und Probe gesessen; in einem zehn mal 16 Meter großen Pool zeigen Kanusportler bis einschließlich Donnerstag ihr Können. An den Ständen mischt sich unter Deutsch, Französisch, Italienisch und Tschechisch vor allem Englisch, kommen doch weit mehr als die Hälfte der erwarteten 1800 Fachbesucher und zwei Drittel der Aussteller aus dem Ausland.

Kanus sollen künftig Tretbooten bei Verleih-Stationen Konkurrenz machen.

Kanus sollen künftig Tretbooten bei Verleih-Stationen Konkurrenz machen.


„Stand Up Paddling explodiert gerade“, resümiert Horst Fürsattel, der die Messe 2003 ins Leben gerufen hat, weil er festgestellt hatte, dass der europäischen Kanu-Branche eine Plattform fehlte. Seither sei die Schau kontinuierlich gewachsen, heuer habe sie gar um ein Viertel gegenüber dem Vorjahr zugelegt, sowohl was die gebuchte Ausstellungsfläche als auch die Zahl der vertretenen Unternehmen betrifft. Ob das Stehpaddeln einer kleinen Fangemeinde in Europa vorbehalten bleibt, oder ob die exotische Sportart hawaiianischen Ursprungs die breite Masse erreicht, müsse die Zeit zeigen, sagt Fürsattel.

Trockenen Fußes üben

Freya Hohhmeister hat mit ihrem Kanu Australien umpaddelt.

Freya Hohhmeister hat mit ihrem Kanu Australien umpaddelt.


Ähnlich wie ein Windsurfer balanciert ein Stehpaddler auf einem Brett im Wasser, hält jedoch statt eines Segels ein langes Paddel in den Händen, mit dem er das Gefährt steuert. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand, findet Stehpaddler Moritz Martin: „Gegenüber dem Surfen ist das eine wahnsinnige Erweiterung. Ich bin windunabhängig und kann auch bei Flaute trainieren.“

Wer erst mal trockenen Fußes das Stehen auf einem wackelnden Brett üben will, kann dies auf einem wenige Zentimeter hohen, kreisrunden „Sensoboard“ tun. Ursprünglich als Trainingsgerät für alle Board-Sportarten gedacht, kämen die rund 400 € teuren Modelle inzwischen auch an Olympiastützpunkten sowie in der Rehabilitation nach Sportverletzungen zum Einsatz, erläutert Sensosports-Geschäftsführer Martin.

Neben dem Stehpaddeln könnten der Kanubranche vor allem preisgünstige Boote, die keiner großen Erklärung bedürfen, weiteres Umsatzwachstum bescheren, sagt Fürsattel. Dabei denkt er unter anderem an Verleihstationen an Seen, die bislang nur Ruder- und Tretboote im Angebot haben. „Kanus sind leichter zu transportieren und weniger dem Vandalismus ausgesetzt.“ Diese Vorteile sollen außerdem Campingplatz-Besitzer, Outdoor- und Wassersport-Geschäfte überzeugen, Kajaks & Co. in ihr Produktspektrum aufzunehmen.

„Jeder-Mann-Sportart“, die in der Region möglich ist

Schließlich sei Kanufahren eine „Jeder-Mann-Sportart“, die sich überall betreiben lasse; in der Region unter anderem auf der Wiesent, Pegnitz und Donau. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich dabei individuell anpassen: „Wer extremere Herausforderungen sucht, geht in die Alpen.“ Deshalb sieht der Veranstalter jenseits der circa 1,2 Millionen Deutschen, die bereits regelmäßig Kanu führen und dafür rund 50 Mio. € jährlich ausgäben, noch ein großes Marktpotenzial.

Faltbare Boote, die sich gut im Zug oder einem Rucksack verstauen ließen, seien ebenso wie aufblasbare Gefährte vor allem bei Outdoor-Sportlern beliebt, berichtet der frühere Kanulehrer weiter, der selbst auf der Messe mit Sicherheitslösungen vertreten ist. Allerdings habe er seine Firma mittlerweile fast aufgegeben, weil die internationale Schau nahezu seine komplette Arbeitszeit beanspruche — trotz der Unterstützung, die ihm NürnbergMesse und Afag GmbH böten.

Einer der wenigen Aussteller aus der Region ist der Bamberger Paddel-Hersteller Jochen Mergner. Entgegen dem verbreiteten Trend, in Asien zu produzieren, setzt der Einzelunternehmer bewusst auf eine Fertigung in Deutschland: „So bin ich nah an den Läden dran und kann schnell auf Sonderwünsche reagieren.“ 

VON ASTRID LÖFFLER

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