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Die Glückssucher

Kontaktbörse Internet: Ein Selbstversuch mit einer Elite-Partnervermittlung - 21.08.10

Online-Dating hört sich einfach an, eine unkomplizierte und sichere Sache, weil das Netz Distanz und Anonymität garantiert. Aber dann: "Meine Noch-Frau wollte sich nur vergnügen, hat sich nie um die Kinder gekümmert und ist ständig ausgegangen." Wenn das der Tenor des zweiten E-Mail-Kontakts ist, wird jedem Online-Dater klar, dass die Sache doch nicht ganz so einfach ist.

So ein Happy End in der Hochzeitskutsche erträumen sich viele Singles: "Eite-Partner" Fußballstar Philipp Lahm und seine Claudia tauschen nach der Vermählung im Juli verliebte Blicke.
So ein Happy End in der Hochzeitskutsche erträumen sich viele Singles: "Eite-Partner" Fußballstar Philipp Lahm und seine Claudia tauschen nach der Vermählung im Juli verliebte Blicke.
Foto: M.I.S.

Schließlich landet "wegen eines dummen Zufalls" auch noch ein Brief an die Scheidungsanwältin in der Mail, prall gefüllt mit schmutziger Wäsche eines Rosenkriegs, dazu Fotos der Küchenausstattung und Garage. Geht man da noch entspannt miteinander einen Kaffee trinken? "Wir haben uns im Internet kennengelernt" - dieser Satz ist im Freundeskreis und auch im Büro immer öfter zu hören.

Sechs Millionen Deutsche sollen sich virtuell getroffen, eine Million Beziehungen daraus ergeben haben: "Vor allem in Großstädten ist die Online-Partnersuche mittlerweile fester Bestandteil der Gesellschaft. Da sind Singles, die auf keinem Portal angemeldet sind, schon Außenseiter", erfahre ich von Anna Kalisch, Pressesprecherin von Elite Partner (EP). Es gebe kein Stigma mehr, "das ist fester Bestandteil der modernen Kultur", sagt sie. Über zwei Millionen Mitglieder hat EP, allerdings sind das alle jemals Angemeldeten, also auch die nicht mehr Aktiven mitgerechnet. Das gibt aber jede Online-Börse so an.


Früher fand man sich einfach sympathisch, heute hat man "Matchingpoints". Jedenfalls bei Elite Partner, der Internet-Partnervermittlung, bei der sich "Akademiker und Singles mit Niveau" suchen. Das wird auch werbetechnisch unterstrichen: Im TV tritt ein gut und seriös aussehender Hotelmanager auf, der für seine Mitteilung an die Zuschauer seinen Opernbesuch unterbricht. Auf der Homepage-Werbung des Unternehmens tummelt sich alles, was ein geschmackvolles Leben verspricht: Ärzte mit Oldtimer-Faible, Architektinnen mit Reisefieber, Ingenieure mit super Handicap.

Ich will wissen, was hinter diesen Versprechen steckt - und melde mich an. Es gibt zahlreiche andere Anbieter, wobei ich von der EP-Sprecherin erfahre, dass es verschiedene Kategorien gebe: Reine Seitensprung-Kontaktbörsen, Dating- und Flirtportale wie Friendscout24.de und Internet-Partnervermittlung wie eben Elite Partner, Parship oder E-Darling. Diese würden am meisten kosten, weil sie auch einen gewissen Anspruch an Niveau und Sicherheit stellten, erklärt mir die Fachfrau. Tatsächlich graust es mir beim Blick auf ein großes Flirtportal: Will ich mich mit Männern, die sich Nicknamen wie "Rocketman", "Lausbub" oder "Summerdream" treffen?

Das Tolle an der Internet-Partnersuche sei, dass Singles, die früher oft drei bis fünf so genannte Dates im Jahr hatten, jetzt drei bis fünf Dates pro Woche haben könnten, sagt Kalisch. Will ich das? Nein, aber die Neugier siegt. Nachdem klar ist, dass ich selber entscheiden kann, wer mein Bild sehen darf oder nicht, außerdem nicht gleich mit meiner privaten Mail-Adresse operieren will, konzentriere ich mich auf das Angebot von Elite Partner, das auch das teuerste unter den Netz-Partnervermittlungen ist.

Die Anmeldung geht schnell, allerdings muss man sich bewusst darüber sein, dass das auszufüllende Formular ernsthafte Konsequenzen hat: Auf Grundlage dieser Informationen werden nach dem "wissenschaftlich fundierten Matching-System" (so Kalisch) Vorschläge gemacht, die man per Mail erhält - und sie sich dann auf dem Portal anschauen kann. Ich stelle Fotos von mir ein, die ich aber erst dann freischalten kann, wenn ich das bewusst jemandem erlaube. So ist nur ein unkenntliches Milchglas-Foto zu sehen. Und schon kommen die ersten Vorschläge von EP: "Dieser gut aussehende Mann könnte agut zu Ihnen passen", heißt es dann in meinem Mail-fach - und natürlich schaue ich neugierig hin. Aber was soll ich mit der ersten Information anfangen?

Er bevorzugt den "avantgardistischen Neubau" und mag Hunde. Ja, schön. Die Profile sind wenig aussagekräftig - und ich merke schnell, wie ich aussortiere: Er liest Focus und GQ? Mag gutbürgerliche Küche und liebt das Landleben? Gestrichen. Ob dieser Mann eine warme Stimme, tolle Augen und ein gutes Herz hat, werde ich nie erfahren. Permanent zu testen, ob sich nicht doch ein tolles Wesen hinter dürren Worten verbirgt, dafür habe ich weder Zeit noch Lust. Dass das umgekehrt genauso läuft, ist mir klar. Überhaupt herrscht im Internet ordentlich Konkurrenz.

Eine Freundin möchte mich in meiner Recherche unterstützen und meldet sich ebenfalls an. Uns schreiben fast immer dieselben Männer. Ich komme mir vor wie im Supermarkt. Mit Kanonen auf Spatzen zu schießen sei aber genau das Prinzip des Internet-Datings, lerne ich von Online-Partnersuche-Experte Henning Wiechers, der mit dem Vergleichsportal "singleboersen-vergleich.de" die Liebe im Netz zu seinem Beruf gemacht hat. "Auf alles, was sich da an Frauen bewegt, wird nach dem Schrotflintenprinzip losgeprescht", sagt er. "Bestimmte Profile locken User besonders an: Blonde Frau, 25 Jahre alt, beispielsweise."

Laut einer Untersuchung des "Stern" sind gebildete, beruflich engagierte Frauen Mitte 30 dagegen ähnlich attraktiv wie männliche Hartz-IV-Empfänger. Ich gebe mich jedenfalls altmodisch und warte, bis mich Männer anschreiben - und da ist durchaus manche Kuriosität dabei: Ein Herr, 64 Jahre alt, bekennt, er wisse noch nicht, ob er mal Kinder wolle. Er ist offenbar noch nicht so weit. Ein weiterer ist ebenfalls zu alt für meinen Geschmack, schreibt aber so witzig, dass ich ihm - mit leicht schlechtem Gewissen - aus Recherchegründen zurückschreibe. Es geht hin und her, wir telefonieren (ich rufe natürlich mit unterdrückter Nummer an), wobei mich etwas wundert, warum er so schnauft.

Als er mir dann seine Fotos - zuerst das von seinem Hund - freischaltet, ist klar: Starker Raucher ist er nicht, dafür stark übergewichtig. Davon war nie die Rede. Bei einer Umfrage geben 34 Prozent der weiblichen Singlebörsen-Nutzer an, schon auf eine Internet-Täuschung hereingefallen zu sein: Das Foto zehn Jahre alt oder von einer anderen Person, den angegebenen Job vor zwei Jahren verloren, dafür 15 Kilo gewonnen, hauptsächliche Freizeitbeschäftigung: Fernsehen. Dabei ist Ehrlichkeit das A und O bei der Internet-Partnersuche, betont auch Experte Wichers.

Von Elite-Partner-Sprecherin Kalisch erfahre ich, dass ich einen der größten Fehler begangen habe, als ich passiv darauf wartete, angeschrieben zu werden. "Neben sehr guten Fotos und einem ansprechend ausgefüllten Profil, das Gesprächsaufhänger bietet, ist es sehr wichtig, aktiv auf Partnersuche zu gehen." Im Internet gelten für Frauen andere Regeln als im "realen Leben", macht sie deutlich.

Ich lerne auch, warum mich immer wieder Männer anschreiben, die gute 15 Jahre über meiner angegebenen Altersobergrenze liegen: "EP schlägt wirklich nur potentielle Partner vor, die den eingebenen Suchkriterien entsprechen. Wir haben aber bewusst die Option offen gelassen, dass Mitglieder auch von Abweichlern angeschrieben werden können - damit der Rahmen einfach offener bleibt." Wer allerdings die Regeln des Online-Datings nicht beherrscht, schaut in die Röhre: "Ich will von keinen 70-jährigen Landwirten aus dem Allgäu angeschrieben werden", schimpft eine Bekannte, die - Mitte 30 und beruflich erfolgreich - recht schnell die Lust an der Online-Partnersuche verlor. "Wenn ich jemanden getroffen habe, dann haben die mich vor allem wegen ihrer kürzlichen Scheidung vollgeweint."

Ich verstehe langsam, dass Online-Dating etwas von einem Job hat, der - wie im Fall von Elite Partner - ordentlich Geld kosten kann. Die Einstiegs-Angebote sind immer günstig, allerdings verlängern sie sich automatisch, wenn man nicht rechtzeitig kündigt. Bei Elite Partner geht das im Falle einer so genannten Vip- oder Premium-Mitgliedschaft aber nur via Post oder Fax. Zeit muss man auch aufbringen, denn "Partneranfragen", "Partnervorschläge" sowie "Grüße" sind in ihrer Bedeutung unterschiedlich und wollen geprüft und beantwortet werden, plus die eigenen Anfragen, die auch gut und aussagekräftig formuliert sein sollten.

Ein breites Kreuz, was Enttäuschungen angeht, gehört offensichtlich auch dazu, davon kann jeder Online-Dating-Tester berichten. Erfolgszahlen werden von EP "nicht kommuniziert", wie es heißt. Ich frage mich, ob das Geld nicht besser in Theaterbesuche, einen Sprach- oder Sportkurs investiert werden sollte, wo man es gleich mit realen Menschen zu tun hat. Ich bin in dieser Hinsicht einfach altmodisch. Eine der letzten Anfragen enthielt die persönliche Nachricht: "Sprichst Du die Sprache des Jesus?" Nein, danke, jetzt ist es gerade schlecht. 





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