Plötzlich ist er abgetaucht. Johann hat sich vom Segelboot einfach rückwärts ins Meer plumpsen lassen. Jetzt nur keine Panik und alles so machen wie gelernt: ein paar Bootslängen weiterfahren, wenden, neben dem Schiffbrüchigen in den Wind schießen und ihn an Bord hieven. „Alles klar?“, grinst Johann und ist zufrieden. Das „Mann-über-Bord“-Manöver hat also geklappt. Wenn Johann einem nicht gerade mutwillig den Adrenalinspiegel hochtreibt, ist so ein Segelkurs die perfekte Gelegenheit, den Alltagsstress abzuschütteln. Der Blick schweift übers aquamarinblaue Meer zurück zur Küste.
Sanft schwingt da ein grünes Tal zwischen kahlen Karstbergen zur weiten Bucht aus, Steinmauern bieten silbrigen Olivengärten Windschutz. Rechts klebt ein Dorf am Bergrücken: Baška. Die Hauptattraktion des Ortes liegt aber auf der anderen Seite. Es ist der große Strand, um den sich im Sommer alles dreht. Und die Vela Plaza ist wirklich eine Wucht: zwei Kilometer lang, mit vom Meer rundgewaschenen Kieseln, einer der fünf schönsten Strände Kroatiens und Baškas Stolz.
Da kommt gerade Goran mit den Kindern aus dem Miniclub vom Hotel Corinthia. Der 25-Jährige studiert in Zagreb Tourismus. Seit drei Jahren sammelt er jeden Sommer Praxis im Miniclub. Gerade erst ist er vom Hotelswimmingpool zum Strand gekommen, jetzt macht er dort Gymnastik und Spiele. Abends wird er zur Minidisco die CD vom Roten Pferd auflegen, und zwischendrin hat er immer noch Zeit für ein Gaudi-Tennisturnier mit den Großen. So geht das alle Tage. Baška ist ein wunderbarer Platz für legere Sommerferien mit der Familie am Meer. Das Wasser ist glasklar, die Kinder sind zufrieden, und vom gegrillten Fisch in den Tavernen schwärmt man zu Hause immer noch. Abends macht es Spaß, auf der Palada, der Promenade, zu flanieren.
Sie ist die Schlagader des munteren Treibens in der Saison. Hier schlendern die Gäste von den Hotels in die Altstadt und zurück; hier geht man zu den besten Fischlokalen wie „Cicibela“ und „Lantino“ und natürlich zu den Eissalons (Tipp: „Tri Jagode“). Abends lassen sich mutige Urlauberinnen Henna-Tattoos auf den Busen malen oder posieren für ein Schnellporträt. Und alle halbe Stunde kommt die Bimmelbahn vorbei, die bis zum Hotel Tamaris am anderen Ende der Bucht tuckert.
Perfektion darf man hier nicht erwarten. Aber alles funktioniert dann doch irgendwie. Baška ist ja nicht irgendein Touristenort. 2004 haben sie hier das hundertjährige Jubiläum gefeiert, am Eingang zum Speisesaal im Corinthia Hotel hängen die schönsten Schwarzweißfotos von damals: Wie die Wiener Hautevolee auf den Spuren der reiselustigen Sissi mit der Südbahn nach Rijeka fuhr, wie sie dann das bereits wartende Schiff nach Baška bestieg und sich züchtig verhüllt die Knie benetzte.
Sonst sieht man von der alten Zeit allerdings nicht mehr viel. Ein paar morbide Privatvillen, ein Strandcafé und natürlich die Promenade. Die Hotels sind alle modern. Das heißt, praktisch gibt es nur eine Hotelgesellschaft. Es ist die ehemalige staatliche, heute gehört sie den Mitarbeitern.
Darauf ist Dragutin Bozic mächtig stolz. „In ganz Kroatien wurden die Hotels doch nach der Wende an westliche Hotelketten verkauft“, sagt der junge Marketingdirektor. „Aber die haben oft nur Geld rausgezogen und nichts investiert.“ Anders in Baška: Der fünfstöckige Hotelkasten „Corinthia“ stammt zwar aus den Siebzigern und hat nur drei Sterne, aber neue Zimmer, neue Klimaanlagen, eine Wellness- und eine Poollandschaft.
Der smarte Businessprofi ist natürlich auch Hotel-Mitgesellschafter und groß geworden in Baška. An seinem freien Tag trifft man ihn vorzugsweise oben in den Bergen. Für seine Wanderwege ist Baška in ganz Kroatien berühmt. Teilweise sieht es da oben aus wie auf einer Alm in den Alpen, dann wieder wie am Mond. Die Hochflächen sind übersät von schneeweißen, marmorartigen Felsstücken. Auf der Mondlandschaft fehlen auch nicht die Krater.
Die sind allerdings grün, eingefasst von jahrhundertealten Steinmauern. In den Steinkreisen haben früher die einfachen Leute aus den Dörfern Kartoffeln und Gemüse angebaut. Wie ein flacher Steinkegel erhebt sich 542 Meter hoch der Veli Vrh aus der Hochfläche. Vom zweithöchsten Berg der Insel Krk ist der gesamte Inselnorden zu überblicken. Hier oben ist Slobodan Cvijic in seinem Element. Der sportliche Pensionär war bis vor acht Jahren Tourismusdirektor von Baškas Nachbarort Punat, er hat die Wanderwege erkundet und markiert. „Ich wollte das einfach den Gästen zeigen, wie schön es hier oben ist – so ruhig und mächtig.“
Weitere Informationen unter www.aurea-krk.com, Tel.: (00385) 51221777 und detaillierter unter www.gutereise.nordbayern.de
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