Erst vor ein paar Jahren wurde die weltabgeschiedene Gegend vom Tourismus entdeckt. Da es keine Eisenbahn in Nordnorwegen gibt, reisen wegen der großen Distanzen die meisten im Flugzeug an und nehmen sich dann einen Leihwagen. Wer viel Zeit hat, ist auch mit einem Wohnmobil gut beraten. Autofahrer müssen allerdings auf frei herumlaufende Elche und Rentiere aufpassen, die hier überall die Straßen queren. Und das ist kein Norweger-Witz!
Die dünn besiedelte Insel Senja, weniger bekannt als die benachbarten Lofoten, begeistert vor allem Wanderer, Bergsteiger, Wassersportler und Angler. Nur eines bekommt man hier nicht: Schönwettergarantie. "Bei uns kann man an einem einzigen Sommertag alle vier Jahreszeiten erleben", sagt Bard Lysberg, der die Freiheit und Einsamkeit des arktischen Lebens schätzt. Wie viele Norweger ist er ein Frischluftfanatiker, denn die Luft ist hier reiner und das Licht klarer als anderswo. Die Norweger haben ein Wort dafür: "Friluftsliv", Freiluftleben. Allerdings kann es hier auch im Hochsommer sehr kühl werden.
Die Menschen in dieser rauen Gegend lebten jahrhundertelang von Rentierzucht und Fischfang - luftgetrockneter Stockfisch war schon im Mittelalter sogar am Mittelmeer ein begehrter Importartikel. Die Inselbewohner sind stolz darauf, dass man auf Senja alle Landschaften Norwegens findet: Meer und Berge, Fjorde und Wälder, Seen und Flusstäler, Sumpfwiesen und Sandstrände.
Über 1000 Meter ragen Gebirge mit schneebedeckten Gipfeln aus dem Wasser, Panoramastraßen und Küstenwanderwege bieten atemberaubende Ausblicke. Als hätte man die Schweiz ans Polarmeer verlegt. Auch die norwegische Königin Sonja hat die Schönheit dieser Gegend entdeckt und letztes Jahr ihren Urlaub im malerischen Fischerdorf Hamn i Senja verbracht. Bard Lsyberg war ihr persönlicher Wanderführer. Ob sich die königliche Hoheit allerdings über die damalige Verleihung des fragwürdigen Ehrentitels "Kletterziege des Jahres" gefreut hat, entzieht sich seiner Kenntnis.
Mit etwas Glück kann man in Küstennähe Schweinswale sehen - wer Fantasie hat, entdeckt in den bizarren Felsformationen auch den einen oder anderen Troll. "Es lebt ein Troll in Senja" heißt ein bekanntes norwegisches Kinderlied, das sich um die tollpatschigen Sagengestalten dreht. Im Freizeitpark Senjatrollet, wo der größte Troll der Welt wohnt, kommen vor allem Kinder auf ihre Kosten.
Im Sommer geht die Sonne in Nordnorwegen zwei Monate lang nicht unter, im Winter wird es ebenso lange nicht hell. "Man gewöhnt sich daran", sagt Bard und findet nichts dabei, wenn seine Nachbarn im fahlen Licht der Mitternachtsonne den Rasen mähen, ihre Holzhäuser streichen oder die überaus begehrten Moltebeeren sammeln.
Auch Nachtwanderungen haben unter diesen Umständen ihren ganz besonderen Reiz. Allerdings sollte man in der Wildnis nicht ohne Begleitung eines ortskundigen Führers sein. Gunnar zum Beispiel stammt vom Nomadenvolk der Samen ab und hat wie viele hier gleich mehrere Jobs: Er bietet seine Dienste je nach Jahreszeit als Maler, Koch, Bergführer und Nordlichtjäger an.
In einem traditionellen Zelt kocht er auf offenem Feuer Fischspezialitäten für seine Gäste, die auf Rentierfellen sitzen und sich wundern, dass es selbst bei Sauwetter in so einem Tipi ganz schön gemütlich sein kann.
Wem die Natur zu viel wird, der findet in der hübschen Universitätsstadt Tromsö Abwechslung. Hier steht das Polaria-Museum, das über das Leben in der Arktis informiert und allein schon durch seine Architektur besticht: Der beeindruckende Betonbau scheint wie aus riesigen Eisschollen zusammengeschoben. Im Hafen legen derweil die rotweißen Postschiffe der berühmten Hurtigruten an - gerade rechtzeitig, damit die Passagiere um Mitternacht die Gratiskonzerte in der eindrucksvollen Eismeerkathedrale besuchen können.
Die Insel Senja ist am leichtesten per Flugzeug via Oslo zu erreichen. Die nächsten Flughäfen sind Bardufoss und Tromsö. Weitere Informationen: www.visitnorthernnorway.com und www.visitnorway.de, die diese Reise unterstützt haben.
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