Mittwoch, 20.03.2019

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Zeig‘ mir den Tango

Nürnberger Symphoniker setzten auf Tanzrhythmen - 17.10.2017 08:00 Uhr

Die Musik kam aus Frankreich und Argentinien: Zunächst aus Paris mit der schwungvollen Orchestersuite für das Ballett „Sylvia oder die Nymphe der Diana“, für das Brahms-Zeitgenosse Léo Delibes zur Uraufführung im Jahr 1876 exquisite Klangfarben, rhetorische Raffinesse und heiter-verspielte Marschrhythmen zusammengedacht hatte.
Auf einer prachtvollen Empore schreitet das Prélude zum Auftakt, bevor die Waldhörner zum Mysterienspiel rufen und ein flüchtiges Saiten-Gespinst die keusche Waldnymphe ankündigen darf. „Amyntas“ ist der Titel des zugrunde liegenden Schäferspiels, in dem der gleichnamige Hirte und der mythische Jäger Orion mit ungleichen Mitteln um die Nymphe Sylvia aus dem Gefolge der Jagdgöttin Diana konkurrieren.
Der erfindungsreiche Schäfer kommt mit Hilfe von Bacchus und Eros zum Erfolg: Der prall bebilderte Festzug — „Cortège de Bacchus“ — läutet das glückliche Finale ein, mit dem Gastdirigent Joseph Bastian nach vier kontrastreichen Sätzen noch einmal auftrumpfen kann.
Auch die anschließende „Tango-Suite“ mit Kompositionen des argentinischen „Tango Nuevo“-Begründers Astor Piazzolla beherrscht der ehemalige Assistent von Mariss Jansons oder Daniel Harding, der als Posaunist aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunkorchesters derzeit mit großem Erfolg das Pult erobert und dabei vom Tonhalle Orchester Zürich bis zum London Philharmonic Orchestra auf sich aufmerksam macht.
Dem phänomenalen Saxofonisten Theodore Kerkezos schafft er das passende Flussbett: Angefangen mit der mondänen Metropolen-Tristesse im Preludio, weiter mit der kunstreich zwischen Streichern und Saxofon mäandernden Fuga, die sämtliche Stimmen rastlos erfasst. Ein Glanzpunkt ist das Misterioso: gebettet auf seidenweiche Streicherakkorde, durchsetzt mit glockenhellen Lichtreflexen. Fortgeführt wurde die atmosphärisch dichte Hommage an den vor 25 Jahren verstorbenen Komponisten aus Buenos Aires mit großen Klassikern wie „Oblivión“, „Adiós Nonino“ und „Libertango“.
Abgezirkelte Schrittfolgen brachten Leonel Mendieta und Natalia Hassan aufs Parkett, bevor sich der fein differenzierende Solist mit einem von Pedro Iturralde erdachten „Czárdás“ verabschiedete. Nach der Pause allerdings schien der Dirigent zwangsweise auf Kuschelkurs mit dem enteilenden Orchester. Immerhin gelang Beethovens Siebte dabei als widerborstiger, untergründig grollender Parforce-Ritt.

ANJA  BARCKHAUSEN

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17.03.2019 20:59 Uhr