Montag, 24.09.2018

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Zuwanderung bekommt ein Gesicht

Wanderausstellung in der Sparkasse: Fotodesignerin porträtierte Migranten - 25.11.2011 20:54 Uhr

Die Lebensgeschichten von Migrantinnen und Migranten hat die niederländische Fotodesignerin Annet van der Voort porträtiert. Sie sind nun in der Sparkasse Altdorf zu sehen. © Der Bote


Junge Menschen, Migrantinnen und Migranten zwischen 15 und 20 Jahren alt und aus 50 verschiedenen Herkunftsländern stammend, hat sie aufgesucht, interviewt und vor die Kamera gebeten. Sie begegnen dem Betrachter offen und unverstellt, ungeschützt und ernst, porträtiert ohne ablenkende Alltagsszenarien. Jede Fotografie wurde mit kurzen, sehr persönlichen Interviewaussagen kombiniert.

Als Wanderausstellung sind die Porträts nun in der Schalterhalle der Sparkasse in Altdorf zu sehen. Acht mittelfränkische Volkshochschulen wollen mit der Ausstellung „Zwei Welten“ die interkulturelle Begegnung fördern und Orte des Verstehens füreinander schaffen. Die VHS Schwarzachtal beteiligt sich an diesem Projekt und ist bei der Sparkasse in Altdorf auf eine offene Tür für diese Ausstellung gestoßen.

Zur Eröffnung konnten Ulrike Scheske, Leiterin der Volkshochschule, und Hermann Vogel, Direktor der Sparkasse in Altdorf, zahlreiche Gäste begrüßen. Michael Schmidt, Erster Vorsitzender der VHS Schwarzachtal, brachte in seinen Grußworten zum Ausdruck, wie wichtig der Dialog sei. „Nicht übereinander, sondern miteinander reden“ sei die gemeinsame Aufgabe, die er den Gästen mit auf den Weg geben wolle. Altdorfs Bürgermeister Erich Odörfer unterstrich die Aussagen seines Vorredners und stellte die Bedeutung der Volkshochschule in der Integrationsarbeit heraus.

Die Volkshochschule habe als Kursträger für Integrationskurse eine Schlüsselfunktion im Kontext von Migration und Integration. Eingefunden hatten sich darüber hinaus die Zweite Bürgermeisterin der Marktgemeinde Feucht, Katharina von Kleinsorgen, etliche Stadt- und Gemeinderäte VHS-Verbandsräte, Schulleiterinnen und Schulleiter sowie VHS-Kursleiter. Besonders freue sie sich aber über die Anwesenheit derer, die man mit der Ausstellung thematisiere, erzählte Scheske.

Spontan und ehrlich

„Annet van der Voort hat uns Porträts von Menschen gezeigt, die in Deutschland ihr Zuhause gefunden haben. Nun möchte ich Ihnen repräsentativ einige Menschen vorstellen, die hier vor Ort eine Heimat gefunden haben, hier leben und arbeiten“, kündigte die VHS-Leiterin an. Acht ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger unterschiedlichen Alters und Herkunftslandes präsentieren sich im Anschluss mit ihren persönlichen Lebenswegen und Erfahrungen in der „Fremde“. Männer und Frauen im Alter von 17 bis rund 50 Jahren berichteten ebenso offen und unverstellt wie die „Fotomodelle“ von Annet van der Voort über ihre Ankunft in Deutschland und ihre neue Lebenswelt.

Herzerfrischend spontan und ehrlich wurde dabei auch über ganz alltägliche Dinge und Szenarien, wie das Essen, die Notwendigkeit einer Winterjacke, die anfangs schwer zu verstehende fränkische Freundlichkeit oder die leeren Straßen geplaudert. Die Migrantinnen und Migranten zeichneten ein Panorama von unterschiedlichen Lebensläufen und Lebensentwürfen und verliehen dem vielgestaltigen Thema Migration und Interkulturalität konkrete Gesichter und Stimmen. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich und individuell die einzelnen Lebenssituationen sind.

Anschaulich stellte Leonidas aus Griechenland diese Tatsache anhand eines gefüllten Glases dar: man weiß nicht, was wirklich drin ist. Während Airada aus Thailand die deutsche Sprache erst von Anfang an lernen musste, ist die türkischstämmige Belma bereits hier geboren. Sie spricht akzentfreies Deutsch und besucht die Fachoberschule. Nicht nur sprachliche Hürden mussten die jungen Zwillinge aus China mit viel Durchhaltevermögen nehmen, bis sie schließlich am Leibniz-Gymnasium in Altdorf angekommen waren.

Claudia aus Brasilien hat einen Integrationskurs besucht, nun ist sie selbst als Dozentin für Portugiesisch an der Volkshochschule tätig. Ihre Kollegin Karen aus Peru unterrichtet Spanisch und wünscht sich, dass ihre Kinder sich in beiden kulturellen Welten zuhause fühlen. Musikalisch stellte sich Amir, dessen Familie in Folge der Kriegswirren aus Bosnien-Herzegowina nach Deutschland kam, mit einem eigens für die Veranstaltung gereimten Rapsong vor. Sein Text kündet von Freiheit, Toleranz und der Zugehörigkeit zu Deutschland, „weil dieses Land ein Teil ist von dir“.

Der Abend wurde von dem Liedermacher-Duo Inprinzip sehr einfühlsam begleitet. Die zum Thema passenden Musiktitel wurden stimmlich hervorragend von Klara-Annabel Stubenrauch und ihrem auf mehreren Instrumenten – u. a. auch einer chinesischen Maultrommel - versierten Vater Reinhold Stubenrauch präsentiert. Die Einladung der Sparkasse zu Getränken und einem Snack rundete den kurzweiligen Abend ab. Der zeitliche Rahmen wurde zwar deutlich überschritten, so dass sich einige Gäste bereits vor dem Ende der Veranstaltung verabschiedeten.

Aber die Berichte und Beiträge der ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger waren es wert, so lange im Stehen auszuharren. Mit einem herzlichen Dankeschön für ihr Mitwirken verabschiedete sich die VHS-Geschäftsführerin Ulrike Scheske bei allen Besuchern und Akteuren und bei der Sparkasse für die hervorragende Unterstützung. Die Ausstellung „Zwei Welten“ ist noch bis zum Donnerstag, 8. Dezember, in der Kundenhalle der Sparkasse in Altdorf, Oberer Markt 15, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 16 Uhr, am Donnerstag bis 18 Uhr.

Die Autorenlesung „Löwinnenherz – Wie ich mir die Freiheit erkämpfte und dabei fast das Leben verlor“ beschließt am letzten Öffnungstag, 19:30 Uhr, die Ausstellung. Kooperationspartner für diese Lesung mit Sengül Obinger ist neben der Sparkasse die Buchhandlung Lilliput in Altdorf, die auch den Kartenverkauf übernommen hat. 

Der Bote

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